Yoshimotos Werke sind bekannt dafür, dass sie die Grenzen der Realität überschreiten. So kann es schon einmal passieren, dass sich Geschwister nachts im Traum treffen, Geister auftauchen oder eine tote Freundin anruft. Dieser Roman geht über die bisherigen Grenzen hinaus: Das Okkulte gewinnt Macht über die Wirklichkeit.
Ihre Nacht scheint dabei zunächst nur eine Neuauflage der ohnehin schon bekannten Themen von Yoshimoto zu sein. Eine junge Frau, Yumiko, die orientierungslos vor sich hinlebt, trägt eine schwere Last: Bei einer Séance erstach ihre Mutter ihren Vater und brachte sich anschließend selbst um.
Aus ihrem schwarzen Loch heraus soll ihr Cousin Shô helfen, der eines Tages unvermittelt auftaucht. Die beiden hatten jahrelang keinen Kontakt, doch in ihrer Kindheit waren sie eng miteinander verbunden, denn ihre Mütter waren Zwillingsschwestern. Um das Vergangene zu verarbeiten, besuchen Yumiko und Shô Orte aus ihrer Kindheit und führen endlose Dialoge. Fast scheint es, als bestünde der Roman nur aus diesen Gesprächen – ein einziges Zwiegespräch der beiden.
Sehr enttäuscht von diesem neuen Werk, das scheinbar wieder nur Altbekanntes aufzuwärmen schien, war ich schon fast daran, das Buch bei Seite zu legen.
Aber man täte dem Roman damit absolut Unrecht, denn Yoshimoto hält noch eine große Überraschung bereit. Diese erklärt die vielen Ungereimtheiten, die während der Geschichte auftauchen und sie zunächst etwas unausgegoren erscheinen lassen. Sie rückt den gesamten Roman in ein anderes Licht und macht schließlich deutlich, dass es sich hier nicht mehr um einen Heilungsprozess handelt, sondern dass bestimmte Möglichkeiten unwiederbringlich verloren gegangen sind.
Yoshimoto-Fans werden mit diesem Roman also nicht enttäuscht. Einzig Schwierigkeiten bereiten könnte die Weltsicht, die stark vom Okkulten, vom Glauben an Magie und Hexenkraft geprägt ist. Wer Romane mit wirklichkeitsnahen Lösungen bevorzugt, dem empfehle ich ein realistisches Buch wie Kitchen.





















