Hard-Boiled – Hard Luck. Der Titel suggeriert eine gewisse Parallelität beziehungsweise einen Zusammenhang zwischen den beiden Erzählungen, die er enthält. In gewisser Weise haben beide Erzählungen gemeinsam, dass sie für die Protagonistinnen „hart“ sind, da diese jeweils einen Verlust zu verkraften haben. Inhaltlich, strukturell und qualitativ unterscheiden sich die Erzählungen jedoch erheblich.
Yoshimotos Erzählqualität schwankt, wie beispielsweise die Rezensionen zu Federkleid und Eidechse hier auf japanliteratur.net zeigen. Diese Ambivalenz spiegelt sich auch in Hard-Boiled / Hard Luck wider: Während die erste Geschichte, Hard-Boiled, eine typische Yoshimoto-Erzählung mit mystisch-verzaubernder Aura ist, fehlt der zweiten Geschichte, Hard Luck, die erzählerische Tiefe.
In Hard Luck erzählt eine junge Frau von ihrer Schwester, die nach einem Schlaganfall im Koma liegt. Die ganze Familie wartet nun auf ihren Tod. Trotz der verzweifelten Situation zeigen sich kleine Glücksmomente: Die Familie hält zusammen, und die Erzählerin lernt am Krankenbett ihrer Schwester einen Mann kennen, in den sie sich verliebt. Dennoch fehlt dieser Geschichte die Spannung, Überraschung, der Erkenntnismoment – kurz: die Pointe.
Ganz anders verhält es sich mit der ersten Geschichte, Hard-Boiled, die vom Umfang her den größten Teil des Buches ausmacht. An dieser Stelle sei nur verraten, dass die Protagonistin am Todestag ihrer ehemaligen Freundin nachts in einem einsamen Gasthof merkwürdige Erlebnisse hat, die alle auf die eine oder andere Weise mit ihrer verstorbenen Freundin zusammenhängen. Yoshimoto erschafft in dieser Erzählung eine mystische Aura, die den Leser sofort in ihren Bann zieht. Die Erzählung ist ein Appell an Herz und Sinne, nicht an den Rationalismus. Dies macht sie trotz ihrer traurigen Thematik so tröstlich.






















