Warum es momentan so einfach wie nie ist, Urlaub in Japan zu machen
Verfasst am 1. Mai 2026
Japan ist derzeit ein beliebtes Reiseziel. Dies fällt mir vor allem auf der Arbeit auf, wenn wieder ein weiterer Kollege davon spricht, dass er seinen Urlaub in Japan verbringen wird.
Dieser subjektive Eindruck bestätigt sich auch objektiv: Nachdem der Tourismus infolge der Reaktorkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 zunächst einbrach und die Corona-Pandemie das Reisen nach Japan längere Zeit deutlich erschwerte, nahmen die Tourismuszahlen nach dem Wegfall der Beschränkungen wieder zu. Zuletzt meldete die japanische Tourismusbehörde (JNTO) für das Jahr 2025 einen neuen Besucherrekord.
Der Besucherrekord fällt auch damit zusammen, dass es dank künstlicher Intelligenz und guter Übersetzungstools so einfach wie nie ist, sich vor Ort in Japan zu orientieren und zu verständigen, ohne Japanisch beherrschen zu müssen. Zugleich werden nicht nur das Reisen, sondern auch der Zugang zur japanischen Kultur im Allgemeinen dadurch erleichtert, dass die größte Verständnishürde, das fremde und komplexe Schriftsystem, zumindest teilweise wegfällt.
Welche Bedeutung die technischen Möglichkeiten für die Orientierung auf Reisen innerhalb Japans sowie für den Zugang zur japanischen Kultur haben, darüber soll dieser Beitrag einen Überblick geben.
Japan ist immer noch eine Insel
Japan erscheint vielen auf den ersten Blick als sehr fortschrittlich und modern. Japan ist jedoch auch ein Inselstaat mit einem geringen Anteil ausländischer Bewohner. Zugleich reisen Japaner deutlich seltener ins Ausland, als dies beispielsweise in Deutschland üblich ist. Hinzu kommt, dass Englisch in Japan zwar eine wichtige Fremdsprache ist, der Englischunterricht jedoch (wie es beispielsweise Chris Broad in seinem Erfahrungsbericht Abroad in Japan beschreibt) keinesfalls ein Garant dafür ist, dass Japaner fließend Englisch sprechen.
Eigentlich gilt für jedes Land: Wenn man in ein fremdes Land reist und sich mit den Menschen vor Ort nicht nur oberflächlich befassen möchte, muss man ihre Sprache lernen. Aufgrund der bisher erläuterten Faktoren gilt dies für Japan jedoch noch etwas mehr als für Länder, in denen man sich besser auf Englisch verständigen kann.
Reisen vor der Smartphone-Ära
Was Recherche- und Navigationsmöglichkeiten angeht, haben wir uns inzwischen so sehr an die Annehmlichkeiten des Internets und des Smartphones gewöhnt, dass es manchmal fast unvorstellbar erscheint, wie wir uns früher ohne technische Hilfsmittel orientiert haben.
Blickt man nur 20 Jahre zurück, so wurde erst im Jahr 2007 das erste iPhone veröffentlicht – bis zur flächendeckenden Verbreitung von Smartphones dauerte es also noch einige Jahre. Wer noch zu Beginn der 2010er-Jahre nach Japan reiste, tat dies unter Umständen noch mit einem alten Tastentelefon, das in Japan zudem größtenteils gar nicht verwendet werden konnte. Japan ging, was die Mobilfunkkommunikation angeht, nämlich lange einen technischen Sonderweg. Wer also noch kein Smartphone hatte, konnte sein Tastenhandy nicht verwenden – abgesehen davon, dass man damit ohnehin noch nicht nach der besten Route hätte googeln oder eine Rezension zu einem Restaurant hätte abrufen können. Wollte man eine Adresse oder ein Ziel googeln, brauchte man entweder einen Laptop, den man mitten auf der Straße aufklappen musste, oder ein gutes Gedächtnis.
Adresssuche in Japan
Insbesondere Adressen sind in Japan teilweise ziemlich verwirrend aufgebaut. Hausnummern werden nämlich nicht nach der Position eines Hauses an einer Straße, sondern nach anderen Kriterien wie zum Beispiel dem Zeitpunkt des Baus innerhalb eines Viertels vergeben. Wer also eine Adresse suchte, musste es wie die Japaner machen: im Zweifel zur nächsten Polizeistation gehen, die über einen lokalen Plan mit Hausnummern verfügte.
Schriftzeichen als größte Hürde
Neben Adressen und Routen bestand die größte Barriere natürlich in den fremden Schriftzeichen, durch die man sich als Tourist wie ein Analphabet fühlte.
Dabei gab es schon immer einige Hilfen, um diese schriftsprachlichen Hürden zu umgehen: Viele Bahnstationen sind auch mit lateinischen Schriftzeichen beschriftet. An Fahrkarten- und Geldautomaten konnte man auch schon früher die Sprache auf Englisch einstellen. In vielen Restaurants ist es zudem üblich, die Menüs als Wachsmodelle im Schaufenster zu präsentieren und die Speisekarten zu bebildern.
IIn gehobeneren Restaurants mit schriftlichen Speisekarten saß man ohne vorherigen, langjährigen Japanischunterricht allerdings vor einer Karte mit lauter Hieroglyphen. Doch insbesondere das Scannen einzelner Wörter und inzwischen sogar kompletter Texte und Bilder mit Tools wie Google Lens erleichtert hier die Orientierung enorm. Auch die Live-Übersetzung mit Google Translate funktioniert inzwischen so gut, dass sie zur groben Verständigung ausreicht.
Was sich trotz allem nicht verändern wird
Vieles ist also einfacher geworden und ermöglicht einem breiteren Publikum den Zugang zu Japan. Überall dort, wo einfache Verständigung notwendig ist, kann das Smartphone inzwischen über die größten Barrieren hinweghelfen. Das macht das für viele so faszinierende Japan nun zu einem realistischen Reiseziel. Wer allerdings wirklich einen tiefen Einblick erlangen und Land und Leute kennenlernen möchte, für den sind Sprachkenntnisse nach wie vor unerlässlich, denn die schönsten Erlebnisse ergeben sich immer noch im persönlichen Kontakt, etwa bei einem kleinen Plausch im Onsen oder in einer Izakaya.


