Japanliteratur.net stellt nicht nur Bücher aus, sondern auch über Japan vor. Die Teestunden gehört dabei zu den Romanen, bei denen der Japanbezug insgesamt nur einen Teil ausmacht; dennoch soll er hier der Vollständigkeit halber vorgestellt werden.
Die Teestunden erzählt die Geschichte dreier Frauen auf drei Kontinenten über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren. Jede der Frauen durchlebt Höhen und Tiefen und muss einen Weg finden, mit den Schicksalsschlägen ihres Lebens umzugehen
Die Verbindung zwischen den drei Frauen bildet eine vor dem Zweiten Weltkrieg in Japan hergestellte Teekanne, die von Sakuras verstorbenem Mann getöpfert wurde.
Sakura bildet auch den chronologischen Ausgangspunkt der Geschichte. Im Jahr 1960 blickt sie auf ihr Leben in einer ruhigen, ländlichen Region Japans sowie auf ihre große Liebe Hiroto zurück. Hiroto, der im Zweiten Weltkrieg gefallen ist, hat die Teekanne mit eigenen Händen geschaffen, die Sakura nun wie einen Schatz hütet. Da sie selbst keine Kinder hat, verfolgt sie gegen Ende ihres Lebens noch ein wichtiges Anliegen: die Teekanne in gute Hände zu geben.
Weiter geht es zu Karen, die im Mittleren Westen der USA lebt und sich dem konservativen Weltbild, zu heiraten und Hausfrau zu werden, nicht beugen will. Karen begibt sich auf eine Reise der Emanzipation, auf der sie schließlich auch Sakura begegnet.
Die 40-jährige María folgt chronologisch als Letzte in der Erzählkette, der Roman beginnt jedoch mit ihrer Geschichte: Als Lehrerin lebt María in Barcelona. Sie leidet jedoch an Krebs im Endstadium und wird nur noch palliativ behandelt. In dieser Situation erhält sie die japanische Teekanne als Geschenk von einem guten Freund. Die Beschäftigung mit der Welt des Tees verschafft ihr zumindest ein wenig Trost.
Der Roman umfasst zwar 464 Seiten, dennoch hätten die Biografien der drei Frauen ausführlicher erzählt werden können. Die Autorin wirft jeweils nur einzelne Schlaglichter auf die Lebensstationen. So ist auch Sakuras Lebensgeschichte insgesamt sehr knapp gehalten; zudem wirkt die Schilderung ihres „japanischen“ Alltags stark idealisierend und romantisierend.
Es entsteht ein wenig der Eindruck, dass der japanische Hintergrund und die Teekanne als Rahmen dienen, um dem Roman einen insgesamt fremdartigen und exotischen Anstrich zu geben. Die Verbindung der drei Frauen durch die Teekanne dürfte von einigen als anrührend, von anderen jedoch auch als etwas konstruiert empfunden werden.



















