Lafcadio Hearn kam im Jahr 1890 als einsamer Reisender, auf einem Auge bereits erblindet und mit einer überschaubaren beruflichen Karriere, nach Japan und fand dort seine neue Heimat.In den vierzehn Jahren bis zu seinem Tod im Jahr 1904 nahm er die japanische Staatsbürgerschaft an, heiratete eine Japanerin und machte sich als Autor einen Namen. Er verfasste zahlreiche Publikationen, die das Japanbild der westlichen Welt zu dieser Zeit entscheidend prägten und bis heute zu den Klassikern der Literatur über Japan zählen.
Das Japan-Buch versammelt eine Auswahl von Reportagen aus dieser Zeit. Bemerkenswert sind die stimmungsvollen, detaillierten Beschreibungen Hearns vor allem für die damalige Zeit: Eine Reise nach Japan war nur sehr wenigen Menschen vorbehalten, und Fotografien waren noch selten. Alles, was man zu diesem Zeitpunkt über Japan erfahren konnte, ergab sich somit aus Texten.
Als Lafcadio Hearn 1890 Japan erreicht, ist die über 200 Jahre andauernde Selbstisolation des Landes erst seit 35 Jahren beendet. Lafcadio Hearn findet ein Japan vor, das im Wandel begriffen ist: Japan will vom Westen lernen – in Medizin, Technik, Staatsverwaltung und Militärwesen. Doch Japan hat nach wie vor auch seine traditionellen Seiten. Diese fängt Hearn in den Texten dieses Buches ein.
Lafcadio Hearns Stil wird oft für seine Detailtreue und seinen Blick für die kleinen Details gelobt. Hearn schafft es, feinste Stimmungen, insbesondere von Natur und Tageszeit abhängig, einzufangen. Atmosphärisch sind beispielsweise die Beschreibungen eines abendlichen O-Bon-Marktes vor einem Tempel in einer Sommernacht, seiner ersten Rikschafahrt durch die Straßen Japans oder des Lichtspiels der Bäume beim Besuch eines buddhistischen Friedhofs.
Zugleich sind die Reportagen nicht ganz frei von Exotismus, der aus heutiger Sicht teilweise befremdlich wirken kann. So beschreibt Hearn beispielsweise eine Straßenszene als „Verwirklichung des alten Traums einer Elfenwelt“ und konstatiert:
„Ob nun bekleidet oder unbekleidet, hat der japanische Fuß das antike Ebenmaß, er ist noch nicht durch die infame Fußbekleidung missgestaltet, die den Fuß des Abendländers deformiert hat.“
Lafcadio Hearn, Das Japan-Buch, E-Book-Ausgabe
Liess man solche Beschreibungen jedoch als Ausprägungen der damaligen Zeit, bieten Hearns Reportagen einen spannenden Einblick in eine bewegte Zeit Japans im Umbruch.



















