Lebensgeister

Lebensgeister

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Verfasst am: 2. Oktober 2016 von // Zuletzt aktualisiert: 6. März 2026

Fast jedes Jahr veröffentlicht Diogenes inzwischen einen neuen Titel von Banana Yoshimoto. Das ist wunderbar, denn 2016 halten sich japanische Neuerscheinungen in Deutschland eher in Grenzen. Weniger erfreulich dagegen ist, dass Yoshimoto inzwischen wohl der Erzählstoff auszugehen scheint: Ein Buch liest sich wie das andere.

Und so geht es auch in Lebensgeister wieder um Tod und Trauer: Die Endzwanzigerin Sayoko führt eine lockere Beziehung zu einem Künstler in Kyoto. Bei einem Autounfall stirbt er, Sayoko bleibt schwer verletzt zurück. Nachdem Sayokos körperliche Verletzungen geheilt sind, versucht sie nun auch, ihre Seele zu heilen.

Vom Thema her hat Lebensgeister damit sehr viel Ähnlichkeit mit Yoshimotos bekanntestem Roman Kitchen von 1988. Allerdings geht es in Lebensgeister weniger ums Essen, sondern um – wie der Titel schon verrät – die Geister, die Sayoko seit ihrem Unfall sehen kann. Damit geht diese nur knapp 160 Seiten lange Erzählung ins Transzendente, genau wie Federkleid, Ihre Nacht und Der See. Nimmt man nun noch die ruhe Erzählweise des Buches und den Versuch, durch einen Umzug Veränderung ins Leben zu bringen, landet man sehr schnell bei der Handlung von Moshi Moshi.

Lebensgeister liest sich leider nicht nur wie eine Vermischung von all dem, was wir von Yoshimoto schon kennen, es wirkt dazu noch wie eine abgespeckte Variante: Die 160 Seiten in relativ großem Druck lesen sich in weniger als zwei Stunden.

Trotz dieser Kritik ist Lebensgeister natürlich kein schlechtes Buch. Banana Yoshimoto erzählt ruhig und feinfühlig wie immer und beschreibt die Seelenzustände von Sayoko so, dass man sich gut in ihre Gefühlswelt hineinversetzen kann. Das Buch selbst ist handlungsarm, Sayoko erlebt sich vor allem innerlich. Wer selbst Schmerz zu überwinden hat, den werden Yoshimotos ruhige Erzählweise und die klugen Sätze trösten.

Wer Banana Yoshimoto noch nicht kennt, wird von diesem sanften Buch sicher überrascht sein. Für alle anderen ist dieses Buch leider nur ein Aufwärmen alter Geschichten – – in einer, zugegeben, wie immer durchaus charmanten Verpackung.

Fazit
Ein für Yoshimoto typischer Roman, der erzählerisch allerdings nichts Neues bietet.

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