Die Fuchsfrau

Die Fuchsfrau

Rezension vom: 11. März 2011 von // Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019

Nicht nur in der europäischen Kulturtradition, wo sie als listig gelten, stehen Füchse eher für die schlechten Eigenschaften des Menschen. Auch in der japanischen Mythologie sind sie negativ belegt, gelten als Wesen, die Menschen verzaubern und in ihre magische Fuchswelt entführen können.

Kij Johnson hat diesen japanischen Mythos neu umgesetzt und dabei eine Collage japanischer Kulturtradition insgesamt erstellt. Nicht nur inhaltlich orientiert sie sich an Japan, sondern auch in der Form. So besteht der Roman aus Tagebucheinträgen aus verschiedenen Kopfkissenbüchern. Inspiration war hierfür nach Johnsons eigenen Angaben das Tagebuch der berühmten japanischen Hofdame Sei Shonagons Kopfkissenbuch.

Johnsons Schreibstil kann es aber in keiner Weise mit dieser japanischen Klassikerin aufnehmen. Zwar entwirft sie einige Haikus und wagt sich an die bei Shonagon so bekannten Aufzählketten, zum Beispiel zu dem, „was Angst macht“, aber ihre Sprache kann es mit Shonagons Genauigkeit einfach nicht aufnehmen.

Die Geschichte um die junge Fuchsfrau Kitsune, die sich in einen jungen, verheirateten Mann verliebt und versucht, diesen zu verzaubern, ist von der Grundthematik her zwar spannend angelegt, könnte aber auch gut der Hälfte der Seiten, die das Buch ausmachen, erzählt werden.

Gerahmt wird die Erzählung durch den typischen Jahreszeitenzyklus – die Geschichte beginnt voll Hoffnung im Frühjahr und endet mit dem Niedergang der Protagonistin im Winter – auch dies wieder eine Orientierung an dem japanischen Ästhetikempfinden. Für alle, die Märchen lieben, ist die Geschichte mit ihrer sanften Melancholie und dem traurigen Ende sicher ein Lesegenuss. Die Langeweile am Anfang weicht später einer magischen, verträumten Atmosphäre, die bis zum Ende hin immer dichter wird – und noch eine kleine Überraschung bereit hält.

Fazit
Johnson mischt in diesem Buch unheimlich viele Elemente japanischer Kulturtradition: Mythen, Erzähltechniken, Symbole und zuletzt die Einsicht, dass die Welt nur "fließend", eine Illusion, ist.

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