Das Geständnis

Das Geständnis

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Verfasst am: 31. Mai 2026 von // Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2026

Jun’ichirō Tanizaki zählt zu den bedeutendsten japanischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Der 1886 in Tokio geborene Autor erlebte das Große Kantō-Erdbeben von 1923, den Zweiten Weltkrieg und die tiefgreifende Modernisierung Japans aus nächster Nähe. Sein Werk bewegt sich daher immer wieder im Spannungsfeld zwischen japanischer Tradition und westlicher Moderne.

Auch in Das Geständnis vereint Tanizaki japanische und westliche Erzähltechniken zu einem kunstvoll konstruierten Kriminalroman, in dem die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen.

Der Roman ist im Stil des sogenannten „Ich-Romans“ (jap. Shishōsetsu) verfasst, einer literarischen Form, in der Erzähler und Autor scheinbar miteinander verschmelzen – und dies sogar auf mehreren Ebenen.

Der Erzähler Mizuno ist ebenso wie Tanizaki Schriftsteller. Als er eine Geschichte über einen perfekten Mord verfasst, unterläuft ihm jedoch ein folgenschwerer Fehler: Da er mit der Abgabe des Manuskripts ohnehin bereits in Verzug ist, vergisst er, dem Mordopfer einen fiktiven Namen zu geben. So tötet der fiktive Erzähler in seiner Geschichte die reale Person Kojima, einen Schriftstellerkollegen.

Mizuno steigert sich zunehmend in die Befürchtung hinein, Kojima könnte ihm nicht nur übel nehmen, ihn in einem Roman ermordet zu haben, sondern es könnte tatsächlich ein Mord geschehen, der ihn selbst unter Verdacht geraten ließe.

Der Erzählfluss wird immer wieder durch kursive Passagen unterbrochen, in denen sich Mizuno Vorstellungen hingibt, die die Grenzen zwischen Realität und Einbildung zunehmend verschwimmen lassen.

Der Ich-Roman löst sich hier allmählich auf und verwandelt sich in ein erstaunlich modernes Psychogramm, in dem Mizunos Wahrnehmung und Erinnerungen zunehmend infrage gestellt werden, bis die Polizei schließlich das titelgebende Geständnis erzwingt.

Während Das Geständnis bereits 1928 als Fortsetzungsroman erschien, liegt der Text nun endlich auch auf Deutsch vor. Zwar weist der Roman stellenweise einige Längen auf und gehört aufgrund seines raffinierten Spiels mit Realität und Fiktion nicht zu Tanizakis zugänglichsten Werken, doch als literarischer Klassiker und faszinierendes psychologisches Verwirrspiel ist er unbedingt lesenswert.

Fazit
Ein raffinierter Klassiker, der mit den Grenzen zwischen Realität und Fiktion spielt und als psychologischer Krimi bis heute fasziniert.

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