Zwischen seinen umfangreichen Romanen veröffentlicht Murakami immer wieder auch Kurzgeschichtensammlungen. Erste Person Singular enthält acht Erzählungen, die – dem Titel entsprechend – allesamt als Ich-Erzählungen angelegt sind und überwiegend ähnliche Themen aufgreifen:
„Im Nachhinein betrachtet, waren es nur kurze Umwege. Selbst wenn sie nicht stattgefunden hätten, wäre mein Leben wohl auch nicht anders als jetzt. Doch mitunter begeben sich gerne Erinnerungen auf die lange Reis zu mir und erschüttern mich bei ihrer Ankunft mit ungeahnter Heftigkeit.“
Haruki Murakami: Erste Person Singular, Seite 166f. (gebundene Ausgabe)
Viele der Kurzgeschichten spielen nach diesem Muster in der Vergangenheit. Der stets männliche Erzähler erinnert sich vorwiegend an Erlebnisse aus seiner späten Schulzeit sowie seiner Studienzeit. So erzählt er von seiner ersten Beziehung zu einer Frau oder der Begegnung mit der seiner Meinung nach hässlichsten Frau, der er je im Leben begegnet ist.
EEr beschreibt zudem Momente, die ihm besonders im Gedächtnis geblieben sind und ihn bis heute prägen: die Begegnung mit einem hübschen Mädchen im Jahr 1964 auf einem Schulflur, die ihm als Gradmesser für sein Verlangen gegenüber Frauen dient. Oder die zufällige Bekanntschaft auf einer Parkbank mit einem alten Mann, der ihm einen Kreis ohne Rand beschreibt. Dieser „Kreis ohne Rand“ wird ihm künftig als Anker immer dann helfen, wenn sein Vorstellungsvermögen an seine Grenzen kommt.
Auch wenn die Geschichten durch die bisherige Zusammenfassung konsistent und zusammenhängend wirken, sind sie es keineswegs. Lässt man ihre gemeinsamen Elemente außer Acht, handelt es sich bei Erste Person Singular letztlich vor allem um eine Sammlung einzelner Geschichten.
Die Geschichte Gesammelte Gedichte über die Yakult Swallows wirkt stellenweise beinahe autobiografisch, etwa wenn der Erzähler sich ausdrücklich als Haruki Murakami bezeichnet und seine Liebe zum Baseball schildert. Fast alle Geschichten enthalten zudem starke Musikbezüge oder greifen musikalische Details auf, was sich vermutlich auf Murakamis eigene Vorliebe für dieses Thema zurückführen lässt.
Die Erzählung Bekenntnisse des Affen von Shinagawa hingegen ist die einzige Geschichte der Sammlung, die jenes für Murakami typische magisch-skurrile Flair entfaltet: Der Erzähler übernachtet in einem heruntergekommenen Ryokan, in dem ein sprechender Affe arbeitet, der ihm im Onsen den Rücken einseift. Anschließend trinken beide auf dem Zimmer des Erzählers gemeinsam ein kühles Bier, während der Affe berichtet, wie er die Namen von Frauen stiehlt, die er attraktiv findet.
Erste Person Singular vereint damit ein Potpourri altbekannter Murakami-Themen. Die Erzählungen variieren bereits Bekanntes, wirken insgesamt jedoch wenig innovativ. Als kurzweilige Lektüre für zwischendurch eignen sich die Erzählungen dennoch allemal.




















