So weit wir auch gehen

So weit wir auch gehen

歩いても 歩いても
Rezension vom: 8. Juni 2026 von // Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2026

So weit wir auch gehen iist die Romanfassung des bereits 2010 in Deutschland veröffentlichten Kinofilms Still Walking. Rund zehn Jahre später erscheint der Roman im Iudicium Verlag mit einem äußerlich eher unscheinbaren Cover, das der Atmosphäre des Buches kaum gerecht wird.

So weit wir auch gehen ist zwar, wie das Cover vermuten lässt, ein ernster Roman, vor allem aber ein Sommerroman über eine Familie und ihre Dynamiken. Jedes Jahr kommt die Familie Yokoyama im Haus der Eltern auf dem Land zusammen. Erst nach und nach erfährt man, dass der Anlass für das Familientreffen der tragische Unfalltod des ältesten Sohnes ist. Auf ihm hatten die Hoffnungen des Vaters geruht, dass er eines Tages in seine Fußstapfen treten und ebenfalls Arzt werden würde.

Als männlicher Nachfolger bleibt nun nur noch der jüngere Bruder Ryōta, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird. Ryōta ist Restaurator, derzeit jedoch arbeitslos, was er seinen Eltern geschickt verschweigt. Nicht nur seinem Vater kann er es mit seiner Berufswahl nicht recht machen; auch seine Mutter drängt ihn seit Jahren immer wieder zur Heirat. Dass Ryōta schließlich eine geschiedene Frau mit Kind heiratet, macht die Besuche bei seinen Eltern nicht einfacher.

Hinter der zunächst friedlich wirkenden Sommerszenerie verbergen sich zahlreiche unterschwellige Konflikte. Während Hirokazu Koreeda in einer ruhigen, unaufgeregten Sprache erzählt, wie die Familie spazieren geht, das Grab des Sohnes besucht, gemeinsam zu Abend isst und an den Strand geht, sind es immer wieder kleine Gesten und beiläufige Bemerkungen, die diese Konflikte an die Oberfläche treten lassen.

Eingebettet ist das sommerliche Familientreffen in eine zweite Zeitebene, von der aus Ryōta rückblickend auf die damaligen Ereignisse schaut. Diese Erzählebene verleiht dem Roman eine ausgeprägt wehmütige Note, denn sie spielt nach dem Tod von Ryōtas Eltern und ist geprägt von seiner Einsicht, dass manche Gelegenheiten, Konflikte auszuräumen oder Ungesagtes anzusprechen, unwiederbringlich verloren sind.

Fazit
Ein ruhiger, melancholischer Familienroman, der die Vergänglichkeit des Lebens und unausgesprochene Konflikte einfühlsam einfängt.

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