Den PONS Power-Sprachkurs gibt es für viele verschiedene Sprachen. Ziel der Reihe ist es, Erwachsenen den selbstständigen Einstieg in ihre Wunschsprache zu ermöglichen. Inwiefern dies auch bei Japanisch funktioniert, beleuchtet diese Rezension ausführlich.
1. Zielgruppe
Schnell, unterhaltsam und motivierend – dieses Versprechen macht PONS den Käufern des Buches und richtet sich damit ausdrücklich an Erwachsene. Dabei geht es jedoch nicht um eine bestimmte Zielgruppe wie beispielsweise Berufstätige. Der Power-Sprachkurs ist so breit aufgestellt, dass er sich an alle Erwachsenen richtet, die Japanisch lernen möchten.
Als erreichbares Niveau nach Abschluss des Power-Sprachkurses wird A1 bis A2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) angegeben. A1 entspricht dabei Anfängerniveau, A2 grundlegenden Sprachkenntnissen. Dazu gehört beispielsweise die Fähigkeit, sich in einfachen und routinemäßigen Situationen verständigen zu können.
Hinsichtlich der Einordnung in eine der Stufen des Japanese Language Proficiency Tests ist eine Zuordnung nicht ohne Weiteres möglich, da es zwischen diesem Test und dem Europäischen Referenzrahmen keine direkten Entsprechungen gibt. Die Stufe A2 könnte zwar noch ungefähr der Stufe N4 entsprechen, aufgrund des geringen Umfangs des Buches würde ich jedoch davon ausgehen, dass der Stoff für eine erfolgreiche Absolvierung der N4-Prüfung nicht ausreicht – zumal das Buch auch nicht auf die spezifischen Anforderungen des JLPT, etwa den benötigten Wortschatz und die Kanji-Kenntnisse, ausgerichtet ist.
2. Japanische Schrift
Um Japanisch langfristig erfolgreich lernen zu können, muss man sich auch mit dem Schriftsystem auseinandersetzen, das aus den beiden Silbenschriften Hiragana und Katakana (zusammen als Kana bezeichnet) sowie den aus dem Chinesischen übernommenen Schriftzeichen, den Kanji, besteht.
Der Power-Sprachkurs beginnt deshalb mit Schreibübungen zu Hiragana und Katakana. Die ersten fünf von insgesamt zehn Lektionen, also die Hälfte des Buches, sind jedoch weiterhin in lateinischer Schrift verfasst. Hiragana und Katakana werden nur dort eingesetzt, wo es darum geht, bestimmte Wörter gezielt zu üben.
Der Powerkurs geht damit einen Kompromiss ein, den viele Lehrwerke wählen: Zwar möchte er die Lernenden dazu bewegen, die Kana zu verwenden, gleichzeitig sollen sie aber nicht sofort ins kalte Wasser geworfen werden. Problematisch ist dabei jedoch insbesondere, dass die Hälfte aller Lektionen Wörter, Dialoge und Ähnliches weiterhin in lateinischer Schrift präsentiert. Japanische Wörter in Umschrift oder in Kana zu lesen, sind jedoch zwei unterschiedliche Leseerfahrungen. Das Auge gewöhnt sich zunächst an eine Schreibweise und muss sich anschließend wieder umstellen.
Zusammen mit Hiragana und Katakana gibt es zunächst eine kurze und bündige Erklärung zu den Kanji, die deren Besonderheiten – insbesondere die unterschiedlichen Lesungen ein und desselben Zeichens – gut veranschaulicht. Bereits in der zweiten Lektion werden im Kontext japanischer Familiennamen einfache Kanji wie 木 („Baum“) oder 口 („Mund“) eingeführt. Dabei wird jedoch weder deren Schreibung erläutert noch darauf eingegangen, was die Formen mit der jeweiligen Bedeutung zu tun haben. Auch die Zahlen werden als Kanji eingeführt. Im Kanji-Fokus gibt es zudem immer wieder kleinere Erläuterungen zu Kanji und ihrem Schriftbild, etwa dazu, warum sich das Zeichen 語 („Sprache“) so schreibt, wie es geschrieben wird, und aus welchen Elementen es sich zusammensetzt.
Trotz allem liegt der Fokus des Buches definitiv nicht auf den Kanji, schon allein deshalb, weil bis auf vereinzelte Basiskanji überhaupt keine Kanji auftauchen. Der Schwerpunkt liegt vielmehr darauf, bis zum Ende des Buches Hiragana und Katakana sicher zu beherrschen. Wer gezielt Kanji lernen möchte, sollte daher auf zusätzliches Material zurückgreifen
3. Grammatik
Die grammatischen Erklärungen sind klar, einfach und dennoch fachlich so ausführlich wie notwendig. In den einzelnen Lektionen werden die grammatischen Themen zwar jeweils vorgestellt, das Buch enthält jedoch zusätzlich im Anhang eine systematische Grammatik, die alle Inhalte noch einmal sehr übersichtlich und kompakt zusammenfasst. Hier profitiert PONS vermutlich von seiner langjährigen Erfahrung mit der Grammatik kurz & bündig Japanisch.
Das folgende Foto zeigt eine Beispielseite aus der Grammatik:
4. Wortschatz
Der Wortschatz wird am Ende jeder Lektion kapitelweise und ganz am Ende nochmals in einer vollständigen Liste zum Nachschlagen präsentiert. Besonders angenehm ist, dass man dafür auf keine weiteren Medien zurückgreifen muss.
Pro Lektion gibt es ungefähr den gleichen Umfang an Vokabeln, die gelernt werden müssen. An den Themen des ebenfalls vertonten Kernwortschatzes lässt sich gut erkennen, welche Themenfelder abgedeckt werden: Begrüßungen, Berufe, Nationalitäten und Länder, Hobbys und Arbeit, Zahlen und Zählwörter, Uhrzeiten und Wochentage, Familie, Verkehrsmittel, in der Stadt, Ortsangaben, rund ums Haus, Speisen und Getränke, Kleidung, beim Arzt sowie Verbformen.
Das folgende Foto zeigt eine Beispielseite aus dem Lernwortschatz im Anhang:
5. Landeskunde und Kultur
Informationen zu Japan und seiner (Gesprächs-)Kultur gehen Hand in Hand mit den Übungsaufgaben und werden dadurch ganz natürlich eingebettet.
6. Übungen
Der Power-Sprachkurs ist grundsätzlich zum Selbstlernen gedacht und enthält deshalb einen umfangreichen Bestand an Audiodateien. Anders als bei vielen anderen Lehrbüchern werden hier nicht lediglich Dialoge vorgelesen, sondern das Aussprachetraining führt moderierend in die Sprache ein. Ungewöhnlich und überraschend positiv ist beispielsweise, dass zunächst ausführlich der Klang der Sprache, also die Aussprache einzelner Silben und die Betonung im Satz vorgestellt wird. Nimmt man den Anspruch des Selbstlernens ernst, ist dies eigentlich ein notwendiger Bestandteil eines Sprachkurses. In der Qualität und Ausführlichkeit, mit der der Power-Sprachkurs dies umsetzt, hebt er sich jedoch deutlich von vielen anderen Werken ab.
Ansonsten sind die Übungen sehr abwechslungsreich aufgebaut. Anders als beispielsweise bei Minna no Nihongo, wo pro Lektion immer derselbe Ablauf vorgegeben ist, versucht der Power-Kurs, durch unterschiedliche Aufgabentypen immer wieder Abwechslung hineinzubringen. Entsprechend dem Charakter eines Selbstlernkurses bleibt es naturgemäß bei einfacheren Übungen wie Lückentexten, Wortzuordnungen und weiteren Aufgaben, die sich gut selbst kontrollieren lassen. Hierfür stehen im Anhang alle Lösungen bereit.
Die folgenden beiden Fotos illustrieren gut, wie abwechslungsreich die einzelnen Lektionen und Übungen aufgebaut sind:
7. Layout und Gestaltung
Das Layout ist insgesamt übersichtlich gestaltet. Durch das kompakte Format (ca. 23 cm × 16 cm) ist die verfügbare Fläche der einzelnen Seiten allerdings begrenzt. Die Schrift fällt dementsprechend klein aus, und an einigen Stellen wirkt es, als wären etwas zu viele Informationen auf einer Seite untergebracht. Auch die Bilder sind entsprechend sehr klein. Bei den Schreibübungen muss man mit einem sehr feinen Bleistift sorgfältig und präzise arbeiten. Da jedoch nur Kana und keine Kanji geschrieben werden müssen, ist dies bei ausreichender Sorgfalt gut möglich. Insgesamt wäre ein größeres Format angenehmer – nicht nur wegen der besseren Lesbarkeit, sondern auch, um sich intensiver mit den Inhalten beschäftigen zu können.
8. Zusatzmaterialien
Praktisch ist, dass der Power-Sprachkurs in seinem kompakten Format alles enthält, was man zum Lernen benötigt: Neben den zehn Lektionen, die sich über 125 Seiten erstrecken, enthalten die restlichen 80 Seiten den jeweiligen Lektionswortschatz, die Lösungen zu den Übungen, die Transkriptionen der Audiotexte sowie deren deutsche Übersetzungen, eine systematische Grammatik und eine vollständige alphabetische Wortliste Deutsch–Japanisch sowie Japanisch–Deutsch.
Das folgende Foto zeigt einen Ausschnitt aus dem Anhang, in dem die Lösungen zu den Übungen dargestellt sind:
Die Audiotexte lassen sich über die PONS-Website mithilfe eines im Buch abgedruckten Codes abrufen. Folgende Audiodateien stehen zum Download bereit:
- Kernwortschatz: 15 Tracks mit thematischen Vokabelsammlungen (z. B. japanische Zahlen und Zahlwörter, Japanisch in der Stadt). Zunächst wird das deutsche, anschließend nach einer kurzen Pause das japanische Wort vorgesprochen.
- Hörtexte: Dialoge, Wörter und Audioaufgaben aus dem Lehrbuch. Neben den zugehörigen Abschnitten ist jeweils die Tracknummer abgedruckt, sodass sich die passende Datei einfach abrufen lässt. Aussprachetraining: Ein umfangreiches Training zu den Grundlagen der japanischen Aussprache mit einer Transkription des Trainings auf insgesamt 43 Seiten als PDF.
Man kann die jeweiligen MP3-Dateien sowie eine Transkription des Audiotrainings herunterladen.
Daneben besteht die Möglichkeit, diese Inhalte auch über die App Scan2Learn abzurufen. Diese habe ich jedoch nicht getestet, da ich es grundsätzlich begrüße, wenn Inhalte auch ohne die Installation einer zusätzlichen App zugänglich sind.
9. Schwierigkeitsgrad und Progression
Der Schwierigkeitsgrad steigert sich langsam und angemessen. Auffällig ist, wie das Buch insbesondere am Anfang mit lebensnahen Themen und einfachen Übungsaufgaben einen schnellen Zugang schafft und zum Lernen motiviert.
10. Autodidaktisch lernen vs. Lernen im Kurs
Wie bereits ausführlich erläutert, enthält der Power-Sprachkurs alles, was man zum Lernen benötigt. Insbesondere das ausführliche Aussprachetraining macht ihn zu einem sehr guten Lehrwerk für Selbstlerner.
11. Fazit
Der Power-Sprachkurs ist ein modern gestalteter und durchdachter Einstiegskurs für alle, die im Selbststudium Japanisch lernen möchten. Im Vergleich zu anderen Einstiegskursen wie beispielsweise dem Hueber Einstiegskurs bietet er als Intensivkurs ein insgesamt höheres Niveau.
Sprachniveau
A1 A2 B1 B2 C1 C2
JLPT
N5 N4 N3 N2 N1
Lernformen
Vorteile:
– umfangreiches Hör- bzw. Aussprachetraining
– keine Zusatzmaterialien notwendig
– gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Nachteile:
– kein direkter Start mit japanischer Schrift




























