Japan mit dem Zug entdecken

Japan mit dem Zug entdecken

Die beste Art das Land und seine Highlights kennenzulernen



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Verfasst am: 10. August 2026 von // Zuletzt aktualisiert: 13. September 2026

Japan ist ein Paradies für Eisenbahnfans: Die Bahn ist nicht nur außergewöhnlich pünktlich und zuverlässig, sie verfügt auch über ein engmaschiges und hochfrequentiertes Netz – und ist deshalb in Japan das meistgenutzte Verkehrsmittel.

Wer in Japan als Tourist unterwegs ist, nutzt deshalb in der Regel auch die Bahn, um sich fortzubewegen. Mit dem Japan Rail Pass gibt es für Touristen zudem die Möglichkeit, eine günstige „Flatrate“ (den Japan Rail Pass) für einen bestimmten Zeitraum zu erwerben und so alle Züge – sogar die berühmten Hochgeschwindigkeitszüge Shinkansen – zu nutzen.

Ein Buch mit dem Titel Japan mit dem Zug entdecken scheint aus dieser Perspektive eigentlich längst überfällig, um den perfekten Japanurlaub mit der Bahn zu planen.

Beim Titel lohnt sich allerdings ein genauer Blick, um falsche Erwartungen zu vermeiden: Das Buch ist keine Schritt-für-Schritt-Anleitung dazu, wie man den Japan Rail Pass bucht, wie das japanische Eisenbahnsystem funktioniert oder wo und wie man einzelne Zugverbindungen und Tickets bucht.

Vielmehr bietet das Buch mit 32 Reisevorschlägen für ganz Japan zahlreiche Ideen für die individuelle Reiseplanung. Konkret werden jeweils Ausgangs- und Zielbahnhof, die Strecke sowie interessante Zwischenhalte und Besonderheiten der jeweiligen Region vorgestellt.

Züge spielen, wie man hier sieht, eine Rolle, aber nicht immer die Hauptrolle

Dabei lässt das Buch bewusst genügend Spielraum für die eigene Gestaltung der Reise. Möchte man die Strecke ohne Unterbrechung zurücklegen oder mehrere Zwischenstopps einplanen? Wie gelangt man zum Ausgangsbahnhof und was lässt sich am Ziel oder unterwegs unternehmen? Japan mit dem Zug entdecken liefert hierzu so viele Informationen wie nötig, ohne die Reise bis ins Detail vorzuplanen.

Die einzelnen Streckenvorschläge dienen damit vor allem als Ausgangspunkt für eine eigene, individuelle Reiseplanung.

Das bedeutet allerdings nicht, dass der Reiseführer oberflächlich bleibt. Autor des Buches ist Matthias Reich, auch bekannt als Tabibito. Er lebt seit Jahrzehnten in Japan und berichtet auf japan-almanach.de über aktuelle Entwicklungen, sein Leben im Land und lohnenswerte Reiseziele. Diese langjährige Erfahrung merkt man dem Buch besonders bei den einzelnen Strecken an: Immer wieder finden sich ganz praktische Tipps und Hinweise, die man vor allem geben kann, wenn man selbst schon vor Ort war.

Gut gelungen sind auch die allgemeinen Einführungen in die jeweiligen Regionen und Städte, die in die einzelnen Reisevorschläge eingebunden sind. Matthias Reich zieht dabei immer wieder Vergleiche zu Deutschland, um die japanischen Gegebenheiten anschaulich zu machen. Er vergleicht beispielsweise die Größe von Regionen, Bevölkerungsdichte, Niederschlagsmengen und Klimazonen und zeigt so, wie vielfältig und aus deutscher Sicht teilweise überraschend unterschiedlich das Klima entlang der verschiedenen Bahnstrecken sein kann.

Für das Buch hat Matthias Reich insgesamt 32 Strecken ausgewählt, die sich über ganz Japan verteilen.

Der erste Teil des Inhaltsverzeichnisses

Im Folgenden habe ich sie nach Regionen geordnet (die Nummern zu Beginn entsprechen der Nummerierung im Buch):

Durch ganz Japan
9 Kōbe bis Kitakyūshū (San‘yo-Linie, 500 kam durch Westjapan)
13 Tōkyō bis Akita (Komachi Shinkansen, Mini-Shinkansen in den Norden)
15 Tōkyō bis Izumo (Nachtzug)

Hokkaidō
1 Ashikawa bis Wakannai (Soya-Express, im Winter mit Schnee)
2 Kushiro bis Nemuro (Hanasaki-Linie, Steilküsten und nordisches Klima)
3 Kushiro bis Abashiri (Senmo Linie, Nationalpark, Sümpfe und natürliche Landschaften)
4 Sapporo bis Hakodate (Hakodate-Linie, Küste und Vulkane)

Tōhoku
5 Noheji bis Ōminato (Ōminato-Linie, abgelegen und wenig besucht)
7 Kuji bis Sakari (Sanriku-Linie, entlang der Küste)
12 Hiroshi-Noshiro bis Kawabe (Gono-Linie, entlang der Küste)
28 Kōma bis Ōdate (Hanawa-Linie, für Bergliebhaber)

Zwischen Tōhoku und Koshin‘etsu
14 Niigata bis Sakate (Uetsu-Linie)
26 Aizu-Wakamatsu bis Koide (Tadami-Linie, laut Buch eine der malerischsten Strecken Japans)

Koshin‘etsu
16 Itōigawa bis Myōkō-Kōgen (Sonderzug Setsugekka mit Gourmet-Menü)
29 Kobuchizawa bis Komoro (Koumi-Linie, Sommerfrische in den Bergen)

Hokuriku
18 Kanazawa bis Wakura-Onsen (Ishikawa-Testudo-Linie, abgelegene Region mit Lackwaren und Onsen)

Von Tōkyō aus und in der Nähe von Tōkyō
6 Tōkyō bis Shimoda (Küstenstrecke)
8 Goi bis Kazusa-Nakano (Kominato-Linie, kleine Privatbahn mit Retro-Charme)
11 Shimbashi bis Toyosu(Yurikamome-Linie, vollautomatisiert Bahn ohne Personal)
27 Shinjuku bis Kawaguchiko (Fahrt zum Fuji)

Tokai
30 Kanaya bis Senzu (Oigawa-Linie, historische Bahnen und Thomas die Lokomotive-Züge)
31 Minō-Ōta bis Hokuno (Etsumiman-Linie, Luxuszug am Fluss entlang in die Berge)

Rund um Kyōtō und Ōsaka
10 Kyōtō bis Shingū (JR-Kinokuni-Linie, entlang der Küste durch Metropolen und Natur)
17 Fukuchiyama bis Maizuru (restaurierter Zug Akamatsu)

Chugoku
32 Okayama bis Yonago (Hakubi-Linie, durch die Berge Westjapans)

Shikoku
19 Takamatsu bis Nakamura
20 Uwajima bis Uchiko (Yosan-Linie)

Kyūshū
21 Fukuoka bis Beppu (Yofoin-no-mori Panoramazug)
22 Miyazaki bis Shibushi (subtropisches Klima, Teilstrecke mit Sonderzug Umisachi Yamasachi)
23 Kagoshima bis Makurazaki (Ibutama-Sonderzug, aktive Vulkane und Küstenlinien)
24 Tateno bis Takamori (Takamori-Linie, durch den Krater des Aso-Vulkans)
25 Isahaya bis Shimabara (Shimabara-Linie, Küste, Buchteb und Vulkane)

Unter den 32 Strecken findet sich eine große Vielfalt: von verschneiten Landschaften bis hin zu subtropischem Klima, von kurzen Panoramastrecken bis zu einer rund 1.000 Kilometer langen Fahrt mit dem Nachtzug. Auch bei den Zügen selbst ist für Abwechslung gesorgt: Luxuszüge, Ausflugslinien, Regionalzüge und Mini-Shinkansen sind vertreten.

Primär richtet sich der Reiseführer allerdings nicht an Eisenbahnliebhaber, die vor allem historische oder außergewöhnliche Züge entdecken möchten. Entsprechende Strecken finden sich leider nur wenige. Stattdessen konzentriert sich Matthias Reich auf die Strecken und die Landschaften, durch die sie führen. Besonders interessant sind dabei die zahlreichen Vorschläge abseits der bekannten touristischen Pfade.

Züge spielen, wie man hier sieht, eine Rolle, aber nicht immer die Hauptrolle

Auch für Tōkyō und Kyōto gibt es Reisevorschläge. Selbst dort versucht Matthias Reich jedoch, möglichst weniger bekannte Strecken auszuwählen, die nicht so stark vom Tourismus geprägt und entsprechend weniger überlaufen sind.

Einen kleinen Kritikpunkt gibt es trotz allem noch: In der E-Book-Variante ist die Übersichtskarte mit allen Strecken derzeit so niedrig aufgelöst, dass sich die Abfahrts- und Zielorte leider nicht lesen lassen. Man muss sie daher aus dem Fließtext erschließen.

Abgesehen davon bietet Japan mit dem Zug entdecken einen wunderbaren Schatz an Reisetipps für Individualreisende, die Freude daran haben, ihren Urlaub abseits der üblichen Touristenpfade selbst zu planen. Wer Japan auf eigene Faust entdecken und dabei neue, weniger bekannte Bahnstrecken kennenlernen möchte, findet hier zahlreiche Anregungen.

Für klassische Eisenbahnliebhaber hingegen ist das Buch nur bedingt geeignet, da technische Details zu den Zügen und Strecken weitgehend fehlen. Der Schwerpunkt liegt klar auf dem Reiseerlebnis und den Möglichkeiten, die einzelnen Bahnstrecken als Ausgangspunkt für eine individuelle Reiseplanung zu nutzen.

Fazit
Für Zugreisen abseits der üblichen Touristenpfade hat Japan-Kenner Matthias Reich einen Reiseführer zusammengestellt, der einen gelungenen Ausgangspunkt für spannende Individualreisen durch Japan darstellt.

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