Wer Japanisch langfristig lernen möchte, kommt am Erlernen der japanischen Schrift nicht vorbei. Und wer die Schriftzeichen sicher lesen will, prägt sie sich meist am besten durch das Schreiben ein. Ob und für wen sich dieses Schreiblernbuch von PONS in Zeiten digitalen Lernens noch lohnt, beleuchtet diese Rezension.
1. Warum ein analoger Schreibkurs?
Immer wieder kritisiere ich in meinen Rezensionen auf japanliteratur.net Lehrbücher, die ausschließlich mit lateinischer Umschrift (Rōmaji) arbeiten. Das mag ausreichen, wenn man sich für eine kurze Japanreise nur einige grundlegende Redewendungen aneignen möchte. Wer Japanisch jedoch langfristig lernen will, kommt nicht darum herum, die japanische Schrift lesen – und natürlich auch schreiben – zu lernen.
Zwar nimmt das Schreiben von Hand im Alltag zunehmend ab, dennoch würde ich gerade aufgrund des wissenschaftlich belegten besseren Lerneffekts empfehlen, japanische Schriftzeichen von Anfang an möglichst analog per Hand zu üben. Gerade in Zeiten digitalen Lernens kann ein Buch hier einen besonderen Vorteil bieten: Es enthält alle benötigten Materialien und ermöglicht eine konzentrierte, fokussierte Auseinandersetzung mit der Schrift, ohne digitale Ablenkungen.
Einige werden an dieser Stelle vermutlich einwenden, dass es inzwischen zahlreiche gute Lernressourcen im Internet gibt. Das stimmt, und ich würde auch keinesfalls davon abraten, diese ergänzend zu nutzen. Für den allerersten Zugang kann es jedoch durchaus sinnvoll sein, sich mit einem Schreiblernbuch wie dem von PONS bewusst einige Tage Zeit zu nehmen und so direkt und konzentriert mit dem Schreiben zu beginnen.
2. Der Inhalt auf einen Blick
Schreiben üben! Japanisch enthält Schreibübungen zu den beiden japanischen Silbenalphabeten Hiragana und Katakana sowie zu den 48 gebräuchlichsten Kanji. Bei den Kanji handelt es sich jedoch nur um einen ersten Einstieg: Insgesamt müssen Lernende rund 2.000 Kanji beherrschen, um beispielsweise eine japanische Tageszeitung lesen zu können. Während das Buch bei den Kanji also lediglich eine Grundlage vermittelt, werden die Hiragana und Katakana (zusammen als „Kana“ bezeichnet) vollständig behandelt.
3. Hiragana- und Katakana-Übungen
Für jedes einzelne Hiragana bzw. Katakana-Zeichen bietet das Buch eine eigene Schreibübung, in der das Zeichen insgesamt elfmal wiederholt werden kann – die ersten fünf Wiederholungen noch mit unterstützenden Mittellinien zur Orientierung. Zusätzlich gibt es Übungen, in denen die bereits gelernten Zeichen in einfachen, gebräuchlichen Wörtern miteinander kombiniert werden.
Wer darüber hinaus mehr Schreibfläche benötigt, kann auf Kopiervorlagen in drei verschiedenen Größen zurückgreifen: groß mit und ohne Hilfslinien sowie mittel und klein.
Ergänzend enthält das Buch kleine Lernkarten zum Ausschneiden, auf deren Vorderseite die Entsprechung im lateinischen Alphabet und auf deren Rückseite das jeweilige japanische Zeichen abgebildet ist.
4. Kanji-Übungen
Neben einer kurzen, einfach verständlichen Einführung zu Aufbau und Systematik der Kanji enthält das Buch Schreibübungen zu folgenden 48 Kanji:
| 一 | 二 | 三 | 四 | 五 | 六 | 七 | 八 | 九 | 十 | 百 | 千 |
| 万 | 円 | 時 | 分 | 午 | 前 | 後 | 正 | 月 | 日 | 年 | 昭 |
| 和 | 平 | 成 | 令 | 月 | 火 | 水 | 木 | 金 | 土 | 曜 | 春 |
| 夏 | 秋 | 冬 | 入 | 口 | 出 | 非 | 常 | 便 | 所 | 男 | 女 |
Anders als beispielsweise Japanisch schreiben lernen für Dummies widmet Schreiben üben! Japanisch nicht jedem Kanji eine komplette Übungsseite. Einzelne Kanji wie etwa 男 und 女 werden nur wenige Male geübt. Dafür überzeugt die Präsentation der Schriftzeichen im thematischen Zusammenhang.
So lernt man mit den Kanji 入, 口, 出, 非, 常, 便, 所, 男 und 女 beispielsweise die Schreibweise wichtiger Schilder kennen, darunter „Eingang“, „Notausgang“ oder Hinweise auf die Damen- und Herrentoiletten. Ein weiteres Beispiel für das Lernen im Kontext sind die grundlegenden Kanji 火 („Feuer“) und 木 („Baum“). Sie werden nicht isoliert vorgestellt, sondern in dem Zusammenhang eingeführt, in dem sie besonders häufig vorkommen: als Bestandteile der Wochentage Dienstag und Donnerstag.
5. Für wen eignen sich die Schreibübungen?
Schreiben üben! Japanisch ist im Vergleich zu anderen Titeln auf dem deutschen Markt ein überzeugendes Buch für Einsteiger, die ganz am Anfang mit der japanischen Schrift beginnen möchten. Ich persönlich würde sogar empfehlen, zunächst mit diesem Buch zu arbeiten, bevor man mit einem klassischen Lehrbuch startet. Auf diese Weise ist die erste Hürde der Hiragana und Katakana bereits genommen und man kann sich anschließend ganz auf das Erlernen der japanischen Sprache konzentrieren.
Wer kostengünstiger einsteigen möchte, kann selbstverständlich auch auf die zahlreichen Online-Ressourcen zurückgreifen. Wer jedoch gerne mit einem Buch arbeitet und die Schrift systematisch von Hand lernen möchte, findet hier eine gute Grundlage.



























