Wie alle Bücher der Für Dummies-Reihe verfolgt auch Japanisch für Dummies das Ziel, komplexe Inhalte möglichst einfach und unterhaltsam zu vermitteln und so die Motivation zum Lernen zu fördern. Ob dieses Konzept aufgeht und inwieweit sich das Buch tatsächlich als Lehrwerk eignet, soll diese Rezension ausführlich beleuchten.
1. Zielgruppe
Laut Klappentext richtet sich das Buch an drei Zielgruppen: Touristen, Japanisch-Anfänger sowie Personen, die regelmäßig Kontakt zu japanischen Geschäftspartnern haben.
Gerade die letztgenannte Zielgruppe würde ich jedoch sofort ausklammern. Für die Kommunikation im beruflichen Alltag bietet das Buch nicht genügend Tiefe. Aber auch für Japanisch-Anfänger eignet es sich meiner Ansicht nach nur unter bestimmten Voraussetzungen, auf die ich im weiteren Verlauf der Rezension noch genauer eingehen werde.
Das Buch weist zudem selbst ausdrücklich darauf hin, dass es nicht dafür geeignet ist, sich auf den JLPT vorzubereiten.
Als eigentliche Zielgruppe bleiben damit vor allem Touristen sowie alle, die sich auf unterhaltsame Weise einen ersten Eindruck von der japanischen Sprache verschaffen oder einfach einmal ins Japanische hineinschnuppern möchten.
2. Japanische Schrift
Der Grund, warum ich Lernanfänger und alle, die Japanisch langfristig lernen möchten, als Zielgruppe ausschließe, ist die ausschließliche Verwendung der lateinischen Umschrift im gesamten Buch. Um die Aussprache zusätzlich zu verdeutlichen, ergänzt das Buch jedes japanische Wort um eine eigene lautmalerische Umschrift. Aus „Guten Morgen“ wird beispielsweise: ohayō gozaimasu (o-ha-yo-go-zei-masu). Diese doppelte Darstellung – zunächst in Rōmaji, anschließend noch einmal als Aussprachehilfe – erschwert den Lesefluss eher, als dass sie ihn unterstützt.
Zudem gewöhnt man sich von Anfang an daran, japanische Wörter mit einem Schriftbild zu verknüpfen, das einem außerhalb des Buches kaum begegnen wird.
Auch das Verständnis für Zusammenhänge innerhalb des Wortschatzes bleibt dadurch auf der Strecke. Im Kapitel Essen und Trinken werden beispielsweise die Wörter 食事, 食べる und 夜食 vorgestellt – im Buch selbstverständlich nur in lateinischer Umschrift. Bereits Anfänger könnten jedoch erkennen, dass alle drei Wörter das Schriftzeichen 食 gemeinsam haben und damit inhaltlich mit Essen verbunden sind.
Genau diese Zusammenhänge bleiben im Buch jedoch unsichtbar, weil die japanischen Schriftzeichen konsequent weggelassen werden. Gleichzeitig erläutert das Buch in einem gesonderten Infokasten:
„Sie haben sicher bemerkt, dass shoku oft mit dabei ist, wenn es ums Essen geht. Sollten Sie auch Interesse an der japanischen Schrift haben, werden Sie feststellen, dass shoku und taberu beide mit den Schriftzeichen für »essen« geschrieben werden.
Eriko Sato, Japanisch für Dummies, E-Book-Ausgabe
Nicht einmal an dieser Stelle wird jedoch das Schriftzeichen 食 abgebildet. Damit widerspricht sich das Buch ein Stück weit selbst, denn gerade dieses Beispiel zeigt, wie das japanische Schriftbild bereits von Beginn an dabei helfen kann, Wortzusammenhänge zu erkennen und den Wortschatz systematisch aufzubauen.
3. Grammatik
Die Art und Weise, wie das Buch in die japanische Grammatik einführt, ist der Hauptgrund, warum ich es – mit Einschränkungen – auch Lernanfängern empfehlen würde. Bereits das zweite Kapitel bietet einen kompakten Überblick über die wichtigsten Grundlagen und behandelt unter anderem folgende Themen:
- Den passenden Sprachstil wählen
- Sätze bilden
- Fragen stellen
- Überflüssige Wörter wegfallen lassen
- Pronomen einsetzen
- Verben einbauen
- Die Besonderheiten von desu
- Zwei verschiedene Gruppen von Adjektiven
- Die japanischen Zahlen
- Zählen mit Zählwörtern
Während man die einzelnen Grammatikthemen in einem klassischen Lehrbuch meist schrittweise kennenlernt, fasst dieses Buch sie sehr kompakt zusammen. Durch die unterhaltsame und leicht verständliche Erzählweise werden viele grammatische Zusammenhänge zudem aus einer ungewohnten Perspektive beleuchtet. Gerade weil es beim Lernen oft hilfreich ist, bereits bekannte Inhalte noch einmal anders erklärt zu bekommen, würde ich das Buch – oder zumindest dieses Kapitel – Japanisch-Anfängern als ergänzende Wiederholung durchaus empfehlen.
4. Wortschatz
Neue Wörter und Redewendungen werden zu einem großen Teil durch einen Fließtext eingeführt. Hier ein Beispiel:
„Wer den Status eines seishain (seh-sha-in; fest angestellten Vollzeitmitarbeiters) innehat, wird wahrscheinlich sehr viel Zeit bei der Arbeit verbringen, was ein Grund mehr für die Gestaltung eines igokochi ii shokuba (i-go-ko-tchi ii sho-ku-ba; angenehmen Arbeitsplatzes) sein sollte – mit den dōryō (doh-ryoh; Kollegen) nakayoku suru (na-ka-yo-ku su-ru; gut auskommen) und eine ii shigoto (ih shi-go-to; gute Arbeit) machen.“
Eriko Sato, Japanisch für Dummies, E-Book-Ausgabe
Das integrierte Wörterverzeichnis am Ende des Buches umfasst im Teil Deutsch–Japanisch rund 370 Einträge. Dabei handelt es sich jedoch nicht um sämtliche Wörter, die im Buch verwendet werden.
Ein Blick auf die Kapitel zeigt, dass der Wortschatz in erster Linie auf die Bedürfnisse von Touristen zugeschnitten ist. Themen wie sich vorstellen, Essen und Trinken, Einkaufen, Übernachtungen im Hotel oder nach dem Weg fragen bilden den Schwerpunkt des Buches.
Wer mit der besonderen Konzeption des Buches gut zurechtkommt, baut sich auf diese Weise einen soliden Grundwortschatz für typische Alltagssituationen auf.
5. Landeskunde und Kultur
Landeskunde und Kultur nehmen im Buch einen großen Stellenwert ein. Wie das obige Beispiel zeigt, wird viel Raum für deutschsprachige Erläuterungen genutzt, um Wörter, Verhaltensweisen und kulturelle Besonderheiten verständlich einzuordnen. Dadurch vermittelt das Buch nicht nur sprachliche Grundlagen, sondern auch ein besseres Verständnis für den kulturellen Kontext, in dem die Sprache verwendet wird.
6. Übungen
Eigentliche Übungen enthält das Buch nicht. Zwar gibt es in jeder Lektion kurze Dialoge, die als „Übung“ dienen sollen, im Grunde besteht die Aufgabe jedoch darin, Sätze und Wendungen einzuprägen und nachzusprechen. Wer mit dem Buch arbeitet, muss sich daher selbst überlegen, wie er den Lernstoff durch zusätzliche Übungen festigt und das Gelernte aktiv anwendet.
7. Layout und Gestaltung
Wie auch die Beispielseiten zeigen, ist Japanisch für Dummies sehr textlastig und entspricht damit eher einem Lesebuch als einem klassischen Lehrwerk. In Aufbau und Gestaltung orientiert es sich an der typischen Aufmachung der Für Dummies-Reihe.
Wie bereits erwähnt, beeinträchtigt insbesondere die Darstellung der japanischen Wörter mit Rōmaji und zusätzlicher Aussprachehilfe den Lesefluss stellenweise.
8. Zusatzmaterialien
Auf der Website des Verlags stehen kostenlose Audiodateien zur Verfügung. Der erste, etwa sechs Minuten lange Track enthält ein kurzes Aussprachetraining. Die weiteren Audiodateien umfassen die insgesamt 26 Dialoge aus dem Buch. Zunächst werden die Dialoge vollständig vorgelesen. Anschließend folgen die einzelnen Sätze noch einmal mit kurzen Pausen, in denen man sie direkt nachsprechen kann.
Darüber hinaus enthalten die Anhänge zusätzliche Materialien, die teils sehr nützlich, teils aber auch einfach unterhaltsam sind:
- Zehn Dinge, die Sie nicht tun sollten, wenn Sie in Japan sind
- Die zehn beliebtesten japanischen Redewendungen
- So klingen Sie wie ein Japaner
9. Schwierigkeitsgrad und Progression
Das Buch steigt bereits früh mit einem vergleichsweise hohen Anspruch ein, indem es im zweiten Kapitel die grundlegenden Grammatikstrukturen erklärt. Die folgenden Kapitel widmen sich dann stärker einzelnen Themenfeldern und typischen Alltagssituationen.
Trotz dieses kompakten Einstiegs bleibt der tatsächliche Schwierigkeitsgrad insgesamt niedrig, da der Lernprozess vor allem aus passivem Lesen, Nachvollziehen und Nachsprechen besteht.
10. Autodidaktisch lernen vs. Lernen im Kurs
Das Buch ist ausschließlich für die individuelle Lektüre und das selbstständige Lernen ausgelegt.
11. Fazit
Japanisch für Dummies ist kein klassisches Lehrbuch, bietet aber viel Wissenswertes rund um Japan und die japanische Sprache. Damit eignet es sich vor allem für alle, die sich auf unterhaltsame Weise auf eine Japanreise vorbereiten oder einen ersten Einblick in Sprache und Kultur gewinnen möchten.
Da das Buch vollständig auf japanische Schriftzeichen verzichtet, ist es für Lernanfänger, die Japanisch ernsthaft und langfristig lernen möchten, so gut wie nicht geeignet. Als ergänzende Lektüre kann es jedoch sinnvoll sein, wenn bereits Grundlagen vorhanden sind und insbesondere Grammatikkenntnisse noch einmal auf eine andere, leicht zugängliche Weise wiederholt werden sollen.
Sprachniveau
A1 A2 B1 B2 C1 C2
JLPT
N5 N4 N3 N2 N1
Lernformen
Vorteile:
– unterhaltsame Texte
– kurze, griffige Grammatikerlärungen
Nachteile:
– keine japanische Schrift
– keine Übungen
– sehr textlastig
– keine Lernstrategien























