Was wirklich gutes Essen ausmacht, scheint zunächst klar: Es ist selbst gekocht, mit viel Liebe und Aufwand von einer fürsorglichen Ehefrau zubereitet. Und wenn ein Gericht auf diese Weise entsteht, darf es durchaus auch einmal opulent sein – etwa eine kunstvoll aufgeschichtete Sahnetorte oder ein besonders aufwendig zubereitetes Menü.
Nitani kann all dem allerdings nicht viel abgewinnen. Am liebsten isst er Instant-Ramen und kehrt abends in einer Izakaya ein, um bei einem kühlen Bier ein paar einfache Snacks zu genießen.
„Gibt es denn Leute, die gutes Essen nicht mögen?“
Junko Takase, Richtig gutes Essen, E-Book-Ausgabe
Doch die gesellschaftlichen Konventionen schreiben ihm ein anderes Leben vor. Nitani ist in einem Alter, in dem von ihm erwartet wird, sich eine Partnerin zu suchen, und an seinem Arbeitsplatz stehen ihm gleich zwei Frauen zur Auswahl: Auf der einen Seite die selbstbewusste Oshio, mit der er gerne abends in ebenjener Izakaya etwas trinken geht, auf der anderen Seite Ashikawa, die Nitani allein schon wegen ihrer Kochkünste als mögliche Partnerin empfohlen wird.
Ashikawa verkörpert dabei all das, was ein Mann nach traditionellen gesellschaftlichen Vorstellungen erwarten könnte: Sie richtet sich stark nach den Bedürfnissen ihres Partners, ist unterwürfig und fürsorglich, benötigt zugleich aber Nitanis Zuneigung und Unterstützung bei der Arbeit. Für eine Heirat scheint sie damit die ideale Hausfrau und Mutter zu sein. Nitani ist jedoch hin- und hergerissen – zwischen den beiden Frauen, aber auch zwischen gesellschaftlichen Konventionen und seinen eigenen Vorstellungen von einem erfüllten Leben.
Das gerade einmal 160 Seiten umfassende Büchlein, das von außen eher an eine Graphic Novel erinnert, erzählt mit schwarzem Humor und aus der Perspektive der drei Figuren, wie sich die unheilvolle Dreiecksbeziehung entwickelt. Ins Absurde steigert sich die Situation, als Ashikawa ihre selbst kreierten Gerichte mit zur Arbeit bringt und alle davon essen – mit Ausnahme von Nitani, der eine Abneigung gegen das Essen entwickelt und es heimlich entsorgt. Schnell gerät natürlich Oshio als vermeintliche Übeltäterin ins Visier.
Leider ist der Roman insgesamt etwas zu geraten, denn gerade die skurrilen Szenen im Büro hätten durchaus noch mehr Raum für ihre Entwicklung geboten. Dennoch gelingt es Takase gekonnt, den Gegensatz zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und persönlichen Vorlieben einzufangen – und das aus der Perspektive beider Geschlechter.





















