Zärtliche Klagen

Zärtliche Klagen

やさしい歌って
Rezension vom: 18. Februar 2017 von // Zuletzt aktualisiert: 30. November 2024

Nach zwei Jahren ist es nun wieder so weit: Der Liebeskind-Verlag bringt ein weiteres Buch von Yoko Ogawa heraus! Dieses Mal ist es keine Neuerscheinungen im eigentlichen Sinn, sondern ein in Japan schon vor über 20 Jahren erstmals erschienener Roman.

Tatsächlich merkt man das beim Lesen auch: Zärtliche Klagen ist anders als die zuletzt erschienenen, eher ins Fantastische gehenden Schwimmen mit Elefanten oder Der Herr der kleinen Vögel – zwei Romane, deren Lektüre ich euch unbedingt ans Herz legen möchte, wenn ihr noch nichts von Yoko Ogawa gelesen habt!

Wer Ogawas Romane dagegen kennt, wird sich mit Zärtliche Klagen in seiner ruhigen, ereignisarmen Erzählweise stark an Liebe am Papierrand erinnert fühlen: Ruriko flieht vor ihrem gewalttätigen Mann, der zudem seit Jahren eine Geliebte hat, in ihr Ferienhaus in den Bergen. Dort kuriert sie in Ruhe ihren Schmerz aus und genießt die Ruhe und Einsamkeit. Kraft geben ihr ihre Nachbarn, der Cembalobauer Nitta und seine Assistentin Kaoru. Zwischen ihnen entwickelt sich bald eine Dreiecksbeziehung, die Ruriko in Versuchung bringt, das Glück von Nitta und Kaoru zu zerstören, so wie es die Geliebte ihres Mannes getan hat.

Mit diesen paar Sätzen ist die Handlung des Romans leider schon so gut wie komplett zusammengefasst. Ogawa konzentriert sich weniger auf überraschende Wendungen noch auf große Konflikte, die Erzählung plätschert unauffällig und lautlos dahin. Damit bleibt sie aber keinesfalls oberflächlich. Ogawa erzählt, doch was tatsächlich in den Protagonisten vorgeht, wie die Stimmung in den kleine Szenen umschwingt, das muss man beim Lesen selbst beobachten. Diesen Erzählstil muss man mögen. Zärtliche Klagen ist kein Liebesroman, er ist – wenn man es irgendwie kategorisieren kann – wohl am ehesten „schöne“ Literatur, gepaart mit einer sanften, „japanischen“ Erzählweise.

Fazit
Was man sich unter "japanischer" Erzählweise vorstellt - allerdings gibt es noch bessere Bücher von Ogawa.

Weitere Bücher von Yoko Ogawa

Schwimmen mit Elefanten
2014 Schwimmen mit Elefanten 猫を抱いて象と泳ぐ
Das Ende des Bengalischen Tigers
2011 Das Ende des Bengalischen Tigers 寡黙な死骸 みだらな弔い
Augenblicke in Bernstein
2021 Augenblicke in Bernstein 琥珀のまたたき
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