Geisha

Geisha

Rezension vom: 10. November 2009 von // Zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2026

Geishas stehen neben dem Fuji, Kimonos und der Teezeremonie für die japanische Kultur schlechthin. Die amerikanische Ethnologin Liza Dalby ist dem Mythos der Geisha auf den Grund gegangen, hat ein Jahr selbst als Geisha in Kyoto gelebt und die Lebensweise sowie die Rolle der Geisha in der japanischen Gesellschaft erforscht.

Die Geisha (deutsch: „Kunstperson“) ist seit der Edo-Zeit für die Unterhaltung durch Tanz, Gesang und Konversation zuständig. Ehe Dalby von ihren eigenen Erlebnissen als Geisha berichtet, zeichnet sie zunächst die Entwicklung des Geishaberufs von der Edo-Zeit bis in die Moderne nach. Die Rolle der Geisha hat sich dabei von der avantgardistischen Unterhalterin zur Bewahrerin japanischer Traditionen gewandelt.

Dalby berichtet aus der Sicht der Geisha Ichigiku, als die sie ein Jahr im Geishaviertel Pontochō in Kyoto lebt hat, über den Tagesablauf und die Pflichten einer Geisha sowie ihre Beziehung zu ihrem jeweiligen Geisha-Haus und der Geisha-Gemeinschaft. Diese intimen Einblicke in die Geishakultur werden immer wieder durch allgemeine Informationen zur japanischen Kultur ergänzt, ohne die bestimmte Traditionen und Verhaltensweisen kaum verständlich wären.

Oft wird Dalbys Bericht sehr persönlich und schwenkt vom nüchternen Ton in einen erzählenden, ausschmückenden Ton um. Diese persönlichen Passagen hat die Autorin nach eigenen Angaben bewusst stehen gelassen, da sie ihrer Ansicht nach so in das Leben als Geisha eingetaucht sei, dass sie den Standpunkt einer objektiven Beobachterin nicht mehr habe wahren können.

Dalby berichtet somit zugleich aus zwei Rollen: Aus der Rolle der eingeweihten Geisha Ichigiku erzählt sie aus erster Hand über Lebensgewohnheiten der Geishas und Informationen, die für Außenstehende unzugänglich sind. Gleichzeitig beobachtet sie aus dem Blickwinkel der außenstehenden Amerikanerin eine fremde Kultur und kann deren Eigenheiten so erklären, dass sie auch für Außenstehende nachvollziehbar werden.

Dalbys Studie wurde Mitte der 70er-Jahre durchgeführt und ist inzwischen etwas veraltet. Die Geishas, bei denen Dalby damals lernte, waren noch vor dem Zweiten Weltkrieg aufgewachsen und waren daher viel traditioneller und strenger erzogen worden als die heutigen Geishas. Dalby selbst sieht aus heutiger Sicht im Geisha-Beruf eine Tendenz zur Modernisierung. Allerdings betont sie zugleich, dass die Geishas durch ihre Funktion als Traditionsbewahrerinnen legitimiert sind und – solange sie diese Funktion erfüllen – der japanischen Gesellschaft wohl auch erhalten bleiben.

Fazit
Ein kurzweiliger Bericht über die Welt der Geishas (und die Traditionen Japans) von einer amerikanischen Ethnologin, die ein Jahr selbst als Geisha gelebt hat.

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