In Japan dauerte es erstaunliche acht Jahre, bis mit diesem Roman die lose Fortsetzung von Die Katze, die von Büchern träumte, veröffentlicht wurde. Der vorliegende zweite Teil, der auch vollkommen unabhängig vom ersten Teil gelesen werden kann, greift die bisherigen Erfolgselemente wieder auf: Eine Bibliothek, eine Katze, viele Bücher und ein mutiges Kind, das sich dem Bösen entgegenstellt.
Die dreizehnjährige Nanami ist körperlich zwar von schwacher Konstitution, zeigt jedoch große Willensstärke, wenn es um Bücher geht. Während ihre Schulkameraden nachmittags zum Sport gehen, verbringt sie ihre Nachmittage in der Bibliothek. Dass sie dies auch tut, weil sie durch ihr chronisches Asthma eingeschränkt ist, macht Nanami nichts aus, denn sie liebt Bücher über alles.
Als immer mehr Bücher aus der Bibliothek verschwinden, hat Nanami schnell einen grau gekleideten Mann im Verdacht. Ehe sie ihn jedoch des Bücherdiebstahls überführen kann, erscheint eine Katze, die Nanami inständig bittet, ihr zu helfen, die gestohlenen Bücher zu retten. Die Katze öffnet ein Portal, durch das Nanami in eine Parallelwelt gelangt, in der lauter grau gekleidete Männer Bücher verbrennen.
Nanami dringt bis zum grauen General und später auch zum grauen Premierminister dieser bedrohlichen Welt vor und duelliert sich mit ihnen mit Worten. Zwar gibt es auch ein paar actiongeladene Szenen, hauptsächlich wird im Roman jedoch mit Worten über die Macht, Kraft und Rolle der Bücher verhandelt.
Grundsätzlich verhandelt der Roman folgenden Konflikt: Bücher stehen für Vorstellungskraft, selbstständiges Denken und Empathie. Demgegenüber steht eine Leistungsgesellschaft, in der jeder für sich selbst kämpft. Empathie, die aus der Vorstellungskraft von Büchern erwächst, ist hier nur hinderlich beim Fortkommen, da Erfolg auf Kosten Dritter erzielt wird. Der graue Premierminister möchte den Menschen, indem er alle Bücher beseitigt, von der Empathie „befreien“.
Bei diesem Gut-Böse-Schema ist von Beginn an natürlich klar, wie sich die Geschichte fortsetzt und ausgeht. Der insgesamt knapp 200 Seiten starke Roman konnte mich daher nicht wirklich fesseln. Er bleibt damit lediglich für eine sehr spezielle Zielgruppe interessant, die gerne Fantasy-Romane liest und zugleich Katzen sowie eine romantisierte Darstellung von Lesekultur bevorzugt.



















