Tokyo Flower Shop ist einer der Wohlfühlromane, wie sie momentan zahlreich erscheinen.
Für alle, die das Genre noch nicht kennen: Bücher dieses Genres (auch als Healing Fiction bezeichnet) zeichnen sich durch eine ruhige Erzählweise, emotionale Wärme und einen Fokus auf den Alltag sowie zwischenmenschliche Nähe aus. Im Mittelpunkt steht dabei weniger die Handlung als vielmehr die Atmosphäre – das Gefühl, für eine Weile in einer Welt zu verweilen, die entschleunigt, tröstet und Ordnung vermittelt.
So wird auch der Tokyo Flower Shop für die 24-jährige Kikuko Kimina zu einem Ort der Zuflucht. Nachdem sie dem Druck in ihrem früheren Job nicht länger standgehalten hat, kündigte sie ihre Stelle. Ausgerechnet in dem Moment, als ihr ehemaliger Vorgesetzter sie bedrängt, in das Unternehmen zurückzukehren, hilft ihr Rita Tojima aus dieser unangenehmen Situation und bietet ihr sogar eine Stelle in ihrem Blumenladen an.
Kikuko nimmt das Angebot kurzerhand an und lernt von da an den Alltag in einem Blumenladen kennen. Vor allem die vielen Blumen und ihre symbolische Bedeutung werden dabei ausführlich vorgestellt. Zudem ist jedem Kapitel eine Blume als Motto vorangestellt.
Während Kikuko immer mehr über Blumen lernt, kommt sie natürlich auch mit den Kunden des Ladens in Kontakt. Aus diesen Begegnungen entwickeln sich zahlreiche kleine Geschichten. Anders als in vielen Wohlfühlromanen, in denen einzelne Episoden aus der Perspektive der Kunden erzählt werden (beispielsweise in Der kleine Laden des Herrn Takarada oder Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen), bleibt Kikuko jedoch stets die zentrale Figur, deren Heilungsgeschichte erzählt wird. In dieser Hinsicht erinnert der Roman vom Aufbau her eher an den Roman Die Tage in der Buchhandlung Morisaki, in dem ebenfalls die persönliche Heilungsgeschichte einer einzelnen Figur im Mittelpunkt steht.
Tokyo Flower Shop folgt der klassischen Blaupause eines Wohlfühlromans: Große Höhen und Tiefen oder einen ausgeprägten Spannungsbogen sucht man vergeblich. Stattdessen begleitet der Roman Kikuko dabei, wie sie während ihrer Auszeit im Blumenladen zu sich selbst findet, sich als Grafikdesignerin verwirklicht und schließlich ihren Traum erfüllt.
Das Setting des Blumenladens macht den Roman aber vielleicht kitschiger als notwendig, wenn man Passagen wie die folgende liest:
„Als Rita ihr von der symbolischen Bedeutung der Magnolie erzählt hatte, da – so war sich Kikuko sicher – schien die Welt plötzlich wie verzaubert aufgeleuchtet zu haben und ihre Stimmung hatte sich schlagartig verbessert.“
Yukihisa Yamamoto, Tokyo Flower Shop, E-Book-Ausgabe
Im Tokyo Flower Shop wird eine Welt entworfen, die stellenweise etwas zu idealisiert wirkt. Gleichzeitig fällt auf, dass alles außerhalb dieser idealisierten Welt übertrieben negativ gezeichnet wird. Insbesondere Kikukos ehemaliger Arbeitgeber wird explizit als „Ausbeuterfirma“ bezeichnet und ausschließlich negativ dargestellt: Kikuko muss unbezahlte Überstunden leisten, die Fahrtkosten zu ihren Kunden selbst tragen und wird zudem sexuell belästigt.
Yukihisa Yamamoto schafft damit in meinen Augen einen Roman, der eher dazu einlädt, in eine idealisierte Scheinwelt zu flüchten, anstatt sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Man muss das Genre daher wohl wirklich sehr mögen, um an diesem Roman Gefallen zu finden.



















