Japanisch im Handumdrehen macht ein großes Versprechen: Mit diesem Buch soll man sich schnell auf Japanisch verständigen können, ohne Grammatik lernen zu müssen. Auch ohne Sprachkurs soll man mit diesem Buch direkt und spontan loslegen können – idealerweise unterwegs, wenn man sich bereits in Japan befindet.
Das Buch richtet sich an eine jüngere Zielgruppe, die nach Japan reisen und sich dort unkompliziert verständigen möchte. Bereits im Vorwort heißt es:
„Ganz egal, ob es dein Ziel ist, Urlaub im zauberhaften Japan zu verbringen, ob du gerne mit einem Menschen aus Japan flirten möchtest […].“
Tien Tammada, Japanisch im Handumdrehen, S. 2, 1. Auflage 2020
Vorweg: Das Buch enthält am Ende tatsächlich sogar einige „Flirttipps“. Wie alle Elemente des Buches sind diese einfach, klar und übersichtlich dargestellt. Ob allerdings Sätze wie „Ich liebe dich“ oder „Willst du mich heiraten?“ zum Flirten angemessen sind, wenn man ansonsten kein Japanisch beherrscht, sollte man sich gut überlegen.

Optik und Gestaltung
Davon abgesehen enthält Japanisch im Handumdrehen optisch ansprechend und übersichtlich aufbereitete Begriffe zu Themenfeldern, die für einen Japanaufenthalt relevant sind. Dazu gehören unter anderem die Themenfelder Flughafen, Unterkunft, Ausflüge, Sehenswürdigkeiten, Essen, Trinken, Einkaufsmöglichkeiten, Farben, Zahlen, Zeit, Wetter, Körper und Gesundheit, Notfälle sowie Schilder.
Begriffe, die sich bildlich darstellen lassen, sind wie in einem kleinen Bildwörterbuch aufbereitet, wie der folgende Screenshot zeigt:

Bei eher abstrakten Themen wie beispielsweise Zugfahrten enthält das Buch keine Abbildungen; die wichtigsten Sätze werden jedoch optisch sehr übersichtlich präsentiert:

Jede Doppelseite ist individuell gestaltet. Die folgende Doppelseite zeigt beispielsweise links Begriffe zur Uhrzeit und rechts zum Wetter.

Lernkonzept
Bei der Reihe Im Handumdrehen handelt es sich um eine thailändische Lizenz. Das Konzept gibt es auch für weitere Sprachen wie Spanisch, Russisch, Englisch und Koreanisch. Durch seine optisch ansprechende Aufbereitung eignet sich Japanisch im Handumdrehen hervorragend zum Blättern, um sich erste Eindrücke zu verschaffen und Vorfreude auf eine Japanreise zu entwickeln. Dass man mithilfe des Buches jedoch auch nur einen einfachen Dialog führen kann, halte ich für unwahrscheinlich.
Gerade weil grammatische Erklärungen fehlen, steht man, sobald es um komplexere Situationen geht, als nur auf einen Gegenstand im Buch zu zeigen, allein da. Auch wenn vollständige Sätze präsentiert werden, dürfte es schwierig sein, diese sinnvoll auszusprechen, wenn das Hintergrundwissen dazu fehlt, was die einzelnen Wörter und Satzelemente bedeuten. Ein Beispiel hierfür ist der Satz なんかいでんしゃをのりかえるひつようがありますか (Nankai densha wo norikaeru hitsuyō ga arimasu ka).
Selbst wenn man es schafft, den Satz so auszusprechen, dass er verständlich ist, bleibt die Frage: Wie soll man die Antwort darauf verstehen? An dieser Stelle bieten Dienste wie Google Translate inzwischen bessere Möglichkeiten, mit denen eine Verständigung in beide Richtungen funktioniert.
Selbst wenn man es schafft, den Satz so auszusprechen, dass er verständlich wird, bleibt die Frage: Wie soll man die Antwort darauf verstehen? An dieser Stelle liefern Dienste wie Google Translate inszwischen bessere Tools, mit denen eine beidseitige Verständigung auch funktioniert.
Ein weiteres Beispiel für die Grenzen des Konzepts ist die Angabe der Uhrzeit, für deren Verständnis grundlegende Grammatikkenntnisse erforderlich sind. Zunächst erklärt das Buch, dass die Minuten mit fun oder pun ausgesprochen werden können. In den Beispielen stehen dann juppun (zehn Minuten) oder gofun (fünf Minuten). Warum es jedoch bei zehn Minuten pun und bei fünf Minuten fun heißt und wie die übrigen Zahlen in Kombination mit Minuten ausgesprochen werden, bleibt offen.
Schließlich werden auch die Verben so dargestellt, dass sie sich ohne Grammatikkenntnisse kaum sinnvoll nutzen lassen. Die Beispielsätze verwenden durchgängig die höfliche -masu-Form. Im Kapitel „Tätigkeiten“ hingegen werden weitere Verben in der sogenannten Wörterbuchform aufgeführt. Ohne grammatisches Hintergrundwissen weiß man jedoch nicht, dass aus den Wörterbuchformen yomu (lesen) und taberu (essen) in der höflichen Form yomimasu beziehungsweise tabemasu werden.
Einsatzmöglichkeiten
Für wen eignet sich das Buch also, wenn die Verständigung nur bedingt funktioniert und sich einige Funktionen heute besser durch digitale Übersetzungstools lösen lassen? Trotz aller oben angeführten Kritik, die ein Buch, das eine Sprache möglichst auf einfache Elemente reduzieren möchte, zwangsläufig mit sich bringt, sehe ich das Buch dennoch als geeignet an – erstens für alle, die tatsächlich lieber ein gedrucktes Buch mit auf Reisen nehmen. Zudem ist das Buch zweitens aufgrund seiner optisch ansprechenden Gestaltung ein schönes Geschenk für alle, die sich auf eine Japanreise freuen, zuvor aber noch kein Japanisch gelernt haben.
Neuauflage
Die dritte Neuauflage von 2024 unterscheidet sich nur geringfügig von der ersten Auflage von 2020. Dennoch würde ich empfehlen, zur neuen Auflage zu greifen, da die Seitenangaben im Inhaltsverzeichnis der alten Ausgabe fehlerhaft waren. Die oben abgebildeten Seiten wurden aus der alten Auflage von 2020 abfotografiert.
Fazit: Vor- und Nachteile im Überblick
Vorteile:
- praktisches, da reduziertes Bildwörterbuch für unterwegs
- sehr ansprechende optische Gestaltung
- ideal als Geschenkbuch für jüngere Personen, die sich auf eine Japanreise freuen
Nachteile:
- das Buch macht zu hohe Versprechungen, was die Sprachfähigkeiten angeht, die man daraus ableiten können soll
- ohne grammatische Erklärungen fehlt das Verständnis, eigene Wortabfolgen bilden zu können


















