Die Ermordung des Commendatore Band 1

騎士団長殺し

Dumont , 480 Seiten, ISBN:978-3832198916

Originalausgabe: Shinchôsha 2017

Die Ermordung des Commendatore Band 1

Schon vier Jahre ist es her, seit Murakamis letzter Roman erschienen ist. Zwar gab es zwischendurch ein Buch mit Erzählungen, aber Erzählungen sind einfach nicht dasselbe wie ein schöner, dicker Roman. Die Ermordung des Commendatore scheint wieder ein solcher Roman zu werden: Genau wie 1Q84 erscheint er in zwei Teilen*, umfasst zusammen fast 1.000 Seiten. […]

Schon vier Jahre ist es her, seit Murakamis letzter Roman erschienen ist. Zwar gab es zwischendurch ein Buch mit Erzählungen, aber Erzählungen sind einfach nicht dasselbe wie ein schöner, dicker Roman.

Die Ermordung des Commendatore scheint wieder ein solcher Roman zu werden: Genau wie 1Q84 erscheint er in zwei Teilen*, umfasst zusammen fast 1.000 Seiten. Und die Geschichte hört sich vielversprechend an.

Eine äußerst ruhige Handlung

Der 36-jährige, namenlose Maler gerät in eine Krise, als seine Frau ihn verlässt. Er zieht sich in ein auf den ersten Blick ruhiges Haus in den Bergen zurück, doch ohne es zu bemerken, macht er geheimnisvolle Bekanntschaften und wird durch sie immer weiter in eine Situation verwickelt, in der Realität und Einbildung, Naturgesetze und Magie nicht mehr zu unterscheiden sind.

Bemerkenswert an der Ermordung des Commendatore ist, mit welcher Ruhe Murakami seine Geschichte entwickelt. Für alle, die ihn nicht kennen, könnte dieser Roman vielleicht sogar ein wenig zu ruhig wirken. Aber auch für alle, die ihn kennen, wird dieser Roman wohl ungewöhnlich ruhig sein. Zwar wird langsam Spannung aufgebaut, zwar wird das Lesen nicht langweilig – und trotzdem bleibt das Gefühl, dass kaum etwas passiert.

Für Murakami-Fans nichts Neues

Murakamis Romane ähneln sich – vielleicht so, wie sich auch andere Romane großer Autoren, die regelmäßig veröffentlichen, ähneln. Die Parallelen zwischen der Ermordung des Commendatore und dem letzten Roman sowie Mister Aufziehvogel sind aber verblüffend: bei allen dreien gibt es zu Beginn eine Krise, bei der jemand verschwindet. Bei allen dreien lebt der Protagonist zurückgezogen von der Welt und stößt dabei auf mysteriöse Vorgänge. Murakamis berühmten Brunnen als Metapher gibt es in Ermordung des Commendatore in Form eines Lochs in der Erde. Und einen Rückgriff auf eine Geschichte in der Vergangenheit nehmen alle – ein Mal auf die Sechziger, zwei Mal auf den Zweiten Weltkrieg.

Natürlich zeichnen sich bei inzwischen über 10 erschienenen Romanen irgendwann Muster ab. Dass Murakami seinem Stil treu bleiben und trotzdem variieren kann, hat er zuletzt mit 1Q84 gezeigt. So gut Murakami prinzipiell auch schreibt, der erste Teil von der Ermordung des Commendatore wirkt wie ein Zusammenwürfeln von bisherigen Romanen.

Die Ermordung des Commendatore ist deshalb sicher nicht gleich ein schlechtes Buch. Verglichen mit anderen Neuerscheinungen ist es absolut lesenswert, gemessen am Murakami-Maßstab würde ich andere Titel wie Mister Aufziehvogel empfehlen um zu verstehen, was das besondere an Murakamis Geschichten ist.

* Noch ein interessanter Fakt zur Veröffentlichung des Roman in zwei Teilen: Dumont folgt dabei nun seit neustem direkt der Publikationspraxis in Japan. Dies war in Japan schon bei früheren Büchern üblich, die bei uns als Einzelband erschienen sind: Wilde Schafsjagd, Hard Boiled Wonderland und Kafka am Strand sind in Japan beispielsweise in zwei Teilen, Mister Aufziehvogel sogar in drei Teilen erschienen.

Verfasst am 26. Januar 2018 von

Die Ermordung des Commendatore Band 1
Dumont 2018, 480 Seiten, 26 ISBN: 978-3832198916
Originalausgabe: Shinchôsha 2017
Fazit
Kein schlechtes Buch, aber am Murakami-Maßstab gemessen nur durchschnittlich. Vielleicht gleicht der zweite Teil das noch aus.

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