Naomi

Naomi

痴人の愛
Rezension vom: 23. Juli 2015 von // Zuletzt aktualisiert: 18. August 2019

Das Bild der kindlichen und zugleich erwachsenen Frau, der Lolita, ist in Japan heute sehr populär. Schon in den 1920ern hat sich Jun’ichiro Tanizaki mit diesem Thema beschäftigt und einen kühnen Roman darüber geschrieben.

In der Realität wäre es heute undenkbar: Der 28-jährige Jôji lernt in einer Hostessenbar im Tokyo der 20er Jahre die 15-jährige Naomi kennen. Sie muss sich ihren Lebensunterhalt selbst erarbeiten und kann nicht zur Schule gehen. Jôji ist von ihrem Äußeren, das sehr westlich wirkt, fasziniert und beschließt, Naomi in sein Haus aufzunehmen.

Trotz 13 Jahren Altersunterschied leben die beiden also bald zusammen wie ein Ehepaar. Nicht ganz allerdings, denn Jôji zahl Naomi Englisch- und Musikunterricht und verwöhnt sie in jeder Hinsicht, sodass Naomi alles andere wird als eine Hausfrau. Noch nicht einmal zum Kochen hat sie Lust und bestellt immer Essen ins Haus. Hinzu kommt Naomis Vorliebe für modischen – vorzugsweise westliche – Kleidung. Jôji kann ihr keinen Wunsch abschlagen und staffiert Naomi fast wie eine Puppe aus, bis er sich schließlich Geld von seinen Eltern leihen muss, da er mit seinem eigenen Gehalt den Lebensstandard nicht mehr weiter halten kann.

Faszinierend an diesem Roman ist schließlich vor allem, wie Naomi sich entwickelt. Aus der kindlich-unschuldigen Beziehung mit Jôji als großzügigem Gönner erwachsen schließlich seltsame Abhängigkeiten. Nicht nur Naomi braucht Jôji, auch er ist von ihr abhängig. Die Beziehung zerbröckelt, der Machtkampf zwischen beiden beginnt. Die Beziehung zu Naomi ist nicht nur durch den Altersunterschied eine ganz besondere, sondern dazu auch noch verhängnisvoll.

Fazit
Noch immer ist Jun'ichiro Tanizaki ein Geheimtipp, dabei machen seine Bücher süchtig!

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