Der letzte Papierkranich

Der letzte Papierkranich


Rezension vom: 24. Juli 2025 von

Von Berichten bis hin zu fiktiven Romanen gibt es inzwischen einige Veröffentlichungen zu dem Atombombenabwurf auf Hiroshima. Mit Der letzte Papierkranich versucht Kerry Drewery such dem Thema in einer ungewöhnlichen literarischen Form zu nähern.

Illustrationen, Einzelseiten mit Haiku und viele kleine Verse, Prosa – Der letzte Papierkranich ist nicht einfach ein Roman über Hiroshima, sondern kombiniert viele verschiedene Stilformen zu einer Geschichte.

Im Mittelpunkt steht Ichiro, der den Atombombenabwurf auf Hiroshima als Kind miterlebt. Seine Erlebnisse im Jahr 1945 werden als Prosatext geschildert, in den an einigen Stellen Illustrationen eingestreut sind. Den Schrecken in Bildern einzufangen, ist eine große Herausforderung. Umso mehr hat mich die Illustration beeindruckt, die den Moment der Explosion festhält. Ichiro erfährt unglaubliches Leid, insbesondere, dass er einem kleinen Mädchen nicht helfen konnte, verfolgt ihn bis in die Gegenwart.

Die Gegenwart wird aus der Sicht von Ichiros Enkelin erzählt, der er wiederum seine Geschichte erzählt. Dieser Teil des Romans ist komplett in Versen verfasst, die optisch wie der Folgende aufgebaut sind:

„Tränen
steigen mir
in die Augen
und Hoffnung erfüllt
meine Brust.“ (Zitat aus: Kerry Drewery, Der letzte Papierkranich, S. 227)

Die eigentlich rund 300 Seiten lesen sich dementsprechend deutlich schneller als zunächst erwartet. Zudem wirkt die Erzählebene in der Gegenwart ein wenig oberflächlich, denn innerhalb kürzester Zeit kann die Enkelin ihrem Großvater helfen, das kleine Mädchen wiederzufinden und ein Treffen zwischen beiden zu arrangieren, womit die Geschichte auch schon endet.

Dass die Verse ästhetisch sein wollen und die dazwischen eingestreuten Haikus in Kombination eine gewisse Tiefe entwickeln könnten, möchte ich nicht komplett abstreiten, meinem persönlichen Empfinden nach sind die Haiku allerdings zu viel des Guten, da sie die Handlung noch weiter fragmentieren. Hier wäre mehr Text, stärker ausgearbeitete Charaktere und eine Einsicht in die Denkweise dieser Charaktere wirklich hilfreicher gewesen, der Erzählung mehr Authentizität zu geben.

Wer ein Geschenkbuch zum Einstieg – vielleicht auch für eine jüngere Zielgruppe in Jugendlichen Alter – sucht, kann mit diesem Buch sicher nichts verkehrt machen. Wer sich eingehender mit der Thematik beschäftigen und trotzdem im fiktiven Bereich bleiben möchte, dem empfehle ich dagegen eher einen umfangreicheren Roman wie Schwarzer Regen.

Fazit
Ein optisch und ästhetisch ansprechend gestalteter Roman, der eine spannende Geschichte aus Hiroshima erzählt, der am Ende ein wenig der Tiefgang fehlt.

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