Lob des Schattens

Lob des Schattens

陰翳礼讃

Ebenfalls erhältlich bei:
Kaufen bei Thalia Kaufen bei Hugendubel Kaufen bei ebook.de
Verfasst am: 20. Januar 2011 von // Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2026

Der besondere „japanische“ Geschmack, die Ästhetik der traditionellen Häuser, die Schönheit des japanischen Gartens werden oft gelobt. Was ist aber eigentlich genau so „Japanisch“ an diesen Dingen? In Auseinandersetzung mit westlichen Kriterien entwickelt Tanizaki eine japanische Ästhetik.

Das Ausgangsproblem besteht für Tanizaki in der Übernahme westlicher Errungenschaften, die sich nur schlecht in die traditionell japanische Umgebung einfügen lassen: weiße Fliesen in einem japanischen Bad passen nicht zum traditionellen Haus, Heizungen fügen sich nicht in die Räume ein und vor allem das elektrische Licht passt überhaupt nicht zum japanischen Schönheitsempfinden.

Ein Beispiel: Europäer bevorzugen silbernes, glänzendes Besteck, während Japaner Lack und Keramik den Vorzug geben. Diese eher unauffälligen Gegenstände kommen Tanizakis Meinung nach besonders im schummrigen Licht zur Geltung, nicht im hellen Glanz elektrischen Lichts. Das japanischen Ästhetikempfinden bevorzugt demnach Gegenstände ohne Glanz, mit Patina, warmes, indirektes, durch Papier gefiltertes Licht.

Tanizakis Essay ist also nicht nur der Versuch einer eigenen Ästhetik, ein Manifest seiner eigenen Literaturtheorie, sondern auch Auseinandersetzung mit dem Westen. Seine Gedanken sind interessant und einfach nachzuvollziehen. Allerdings sollte man sich – trotz dem Respekt, den Tanizakis Ideen allgemein entgegengebracht wird – beim Lesen auch immer wieder die Frage stellen, ob einige seiner Gedanken nicht eine Schwarz-Weiß – oder vielleicht in diesem Fall eher Hell-Dunkel-Malerei sind, die eine grelle westliche Kultur, gegen ein gediegenes, altes, etwas verklärtes Japan aufwiegt.

Lob des Schattens ist ein interessantes Essay für alle, die sich auch mit Tanizakis literarischem Werk beschäftigen möchten, da er hier die theoretischen Grundlagen dafür legt. Auch Japankenner wird das Buch sicher ansprechen. Wer allerdings noch nicht viel über Japan weiß, für den wird der Essay eher nichtssagend sein, da er sehr stark davon ausgeht, dass man eine Vorstellung von traditionellen japanischen Häusern, Gegenständen etc. hat.

Fazit
Ein Entwurf eines Ästheten, der in Auseinandersetzung mit westlichen Einflüssen das japanische Stilempfinden analysiert - und dabei vielleicht auch einiges verklärt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Weitere Bücher von Junichiro Tanizaki

Lob der Meisterschaft
2010 Lob der Meisterschaft 芸談
The Makioka Sisters
2019 The Makioka Sisters 細雪
Tagebuch eines alten Narren
2015 Tagebuch eines alten Narren 瘋癲老人日記
Alle 15 Bücher

Artikel im Blog

Zufällig ausgewählt: In Büchern stöbern

ランダムに選択しました

Therapiestation
Geschichte für einen Augenblick
number 9 Dream
Herr Nakano und die Frauen
Die Weisheit des Tees
Shinjuku Paradise

Die neuesten Rezensionen

PONS Schreiben üben! Japanisch
PONS Schreiben üben! Japanisch 31. Juli 2026
Das Postamt der verlorenen Briefe
Das Postamt der verlorenen Briefe 30. Juli 2026
Japanisch für Dummies
Japanisch für Dummies 29. Juli 2026
Acht Millionen Wege zum Glück: Eine faszinierende Reise zu Japans spirituellem Erbe
Acht Millionen Wege zum Glück: Eine faszinierende Reise zu Japans spirituellem Erbe 27. Juli 2026
Japanisch schreiben lernen für Dummies
Japanisch schreiben lernen für Dummies 26. Juli 2026
Das kleine Café der zweiten Chancen
Das kleine Café der zweiten Chancen 25. Juli 2026
Literatur direkt aus Japan Literatur direkt aus Japan

Hier erfährst du mehr über Bücher, die es bisher nur in Japan gibt.

Bücher kaufen Wo kann ich japanische Bücher kaufen?

Ein kleiner Guide für Einsteiger

Zeitstrahl Zeitleiste

Suche dir Bücher aus nach der Zeit, in der sie spielen.

Neuerscheinungen Neuerscheinungen

Alle Neuerscheinungen für im Überblick.