Japanisch gehört zu den Sprachen, deren Erlernen besonders viel Zeit und Ausdauer erfordert. Das Lehrbuch Grundkenntnisse Japanisch von Shin`ichi Okamoto verfolgt deshalb einen ausgesprochen systematischen und anspruchsvollen Ansatz: In 15 Lektionen vermittelt es nicht nur grundlegende Grammatik und Wortschatz, sondern legt von Beginn an großen Wert auf das Lesen und Schreiben der japanischen Schrift. Diese Rezension untersucht, für welche Lernenden das Lehrbuch geeignet ist, wie es die verschiedenen Bereiche der japanischen Sprache vermittelt und wie es sich hinsichtlich Progression, Übungen und Gestaltung von anderen Lehrwerken unterscheidet.
1. Zielgruppe
Grundkenntnisse Japanisch ist für Lernanfänger konzipiert. Als Ziel nennt der Autor Shin`ichi Okamoto die „Beherrschung der Alltagssprache sowie die Fähigkeit, einfache japanische Texte lesen und schreiben zu können.“
Das Lehrbuch umfasst die Stufen A1 und A2 des Europäischen Referenzrahmens und beinhaltet somit viel Lernstoff. Dies macht sich auch am Schwierigkeitsgrad insgesamt bemerkbar: Bereits die erste Lektion enthält – gemessen an anderen Lehrbüchern – für den ersten Einstieg einen recht umfangreichen Dialog und 103 Vokabeln und erklärt nicht nur die japanische Satzstruktur, Hilfspartikeln, den Unterschied zwischen ha (は) und ga (が) als Partikeln, sondern auch Fragepronomina sowie die Besonderheit von Demonstrativa und Ortsbegriffen („ko-, so-, a-Wörter“). Mit diesem Wissen lassen sich bereits zu Beginn erstaunlich viele Sätze bilden.
Das schnelle Tempo wird in den 14 Folgelektionen beibehalten. Grundkenntnisse Japanisch richtet sich damit in seiner Gestaltung an Lernende, die schnell große Fortschritte machen wollen.
2. Japanische Schrift
Um Japanisch nachhaltig lernen zu können, führt kein Weg daran vorbei, die japanische Schrift zu erlernen. Diese setzt sich aus den komplexen, dem Chinesischen entlehnten Kanji sowie den beiden Silbenschriften Hiragana und Katakana zusammen.
Ab der vierten von 15 Lektionen setzt Grundkenntnisse Japanisch voraus, dass man die Hiragana und Katakana vollständig beherrscht. Zuvor sind die Texte, Vokabeln und Übungen noch mit Romaji, also unserem lateinischen Alphabet, geschrieben.
Zum Lernen der Hiragana und Katakana lässt das Buch zu Beginn also Zeit, unterstützt dabei aber nicht aktiv. Wer möchte, kann jedoch auf das als Zusatzmaterial konzipierte Heft Hiragana und Katakana-Übungen zurückgreifen.
Im Vergleich zu anderen Büchern setzt Grundkenntnisse Japanisch auch einen starken Fokus auf das Erlernen der Kanji. Noch ehe man die Hiragana und Katakana gelernt hat, enthält bereits die erste Lektion – wie auch alle weiteren – 20 sogenannte „Aktivkanji“ (insgesamt also 300).
Diese Aktivkanji sind jeweils ausführlich in einer Tabelle dargestellt und sollten auch geschrieben werden können. Daneben vermittelt das Buch weitere 595 Passivkanji. Diese sollte man, so die Empfehlung, lesen und verstehen können; sie selbst schreiben zu können, ist aber nicht zwingend notwendig. Das Buch macht mit dieser Einteilung einen guten, pragmatischen Kompromiss, der in einer Zeit, in der auch viel digital geschrieben oder notfalls mit der Kamera ausgelesen werden kann, angemessen ist. Lernt man die Kanji jedenfalls alle, so verfügt man nach dem Buch über 895 Kanji – dies ist zwar immer noch weit von den rund 2.000 von der japanischen Regierung als Standard festgelegten Kanji entfernt, für ein Anfängerbuch jedoch insgesamt ein gutes Pensum.
Entsprechend seinem hohen Anspruch geht das Buch bei den Kanji auch einen spannenden Weg: Beim ersten Auftreten werden die Kanji mit Furigana, also Lesehilfen in der Silbenschrift Hiragana, angegeben. Danach muss man in der Lage sein, sie sich einzuprägen und selbständig lesen zu können.
Die Kanji können in einem nach ihrer Strichzahl sortierten Index nachgeschlagen werden. Dieser ist Teil des Beiheftes, das das Lehrbuch ergänzt.
3. Grammatik
Jedes Kapitel enthält in einem eigenen, von den Übungen abgetrennten Bereich ausführliche grammatikalische Erklärungen. Diese finden eine gute Balance zwischen einer praktischen und verständlichen Erklärung der grammatischen Phänomene und dem Verzicht auf grammatische Fachbegriffe.
Vielen Erklärungen merkt man meiner Ansicht nach an, dass der Autor selbst jahrelange Erfahrung mit der Vermittlung der japanischen Sprache, insbesondere an deutsche Muttersprachler, hat.
4. Wortschatz
Protagonist des Buches ist Herr Berger, der in einer Softwarefirma in Japan arbeitet. Inhaltlich geht es aber nicht so stark um Herrn Bergers Arbeitsleben und die dort verwendete Höflichkeitssprache, sondern vielmehr um seinen Alltag in Japan. Das Buch beschränkt sich damit auch im Wortschatz nicht auf eine bestimmte Zielgruppe, sondern kann ebenso von Studierenden verwendet werden.
5. Landeskunde und Kultur
Grundkenntnisse Japanisch konzentriert sich stark auf den Lernstoff und enthält deshalb nur indirekt Informationen über die japanische Kultur, nämlich insbesondere in seinen Dialogen und Texten. Eigene kleine Kolumnen über kulturspezifische Dinge, wie sie beispielsweise Marugoto bietet, gibt es hingegen nicht. Dies würde aber auch den Rahmen des ansonsten schon sehr kompakten, mit vielen Lernmaterialien gefüllten Buches sprengen.
6. Übungen
Die Lektionen sind stets nach dem gleichen Schema aufgebaut:
- Mustersätze
- Konversation (das heißt: Dialoge zum Lesen und Hören)
- Konversationsübungen
- Fragen zum Text
- Vokabelliste
- Aktivkanjiliste
- Grammatik
- Übungen
- Lektionstest
Es wird lerntechnisch nicht unbedingt die sinnvollste Vorgehensweise sein, das Buch genau in dieser Reihenfolge durchzuarbeiten, sondern zwischen den einzelnen Teilen des Kapitels zu springen und sich ein wenig Abwechslung zu verschaffen. Für Abwechslung sorgen dabei die umfangreichen Lernmaterialien.
Die bereits beschriebenen, für ein Anfängerbuch umfangreichen Dialoge schärfen das Leseverstehen. Mit den Fragen zum Text und den Konversationsübungen lässt sich gut das Sprechen üben. Die Konversationsübungen sind dabei recht einfach gestaltet: Es wird ein fester Dialog vorgegeben, in dem nur an einzelnen Stellen jeweils die Wörter ausgetauscht werden. Damit werden die Übungen eher zu Ausspracheübungen. Für eine freiere Formulierung eigener Sätze sind dann die „Fragen zum Text“ da.
- Die Übungen im Übungskapitel umfassen daneben folgende Aufgabentypen:
- Lückentexte
- Satzbildung aus vorgegebenen Wörtern oder Elementen
- Übersetzung von ganzen Sätzen vom Deutschen ins Japanische
Die Aufgaben beschränken sich damit auf recht technische Übungen, die man aber auch gut im Selbststudium erledigen kann, da es die Auflösungen dazu im zusätzlich erhältlichen Beiheft gibt. Auch sind die Übungen nicht bebildert oder in einen Kontext gesetzt, wie es beispielsweise Marugoto sehr spielerisch tut. Dafür gibt es jedoch einen äußerst großen Umfang an Übungen, mit denen man die grammatikalischen Themen ausführlich und gründlich einüben kann.
7. Layout und Gestaltung
Das Layout des Lehrbuchs konzentriert sich auf eine funktionale Vermittlung der Inhalte. Grundkenntnisse Japanisch ist im typischen, schlichten Schriftbild der Buske-Sprachlehrbücher im Zweifarbdruck (violett und schwarz) gestaltet. Die Dialoge enthalten oft eine kleine Illustration, ansonsten enthält das Buch vor allem Text.
Von der Gestaltung her ist das Buch damit so nüchtern, wie es auch die Inhaltsvermittlung ist. Der Fokus liegt allein auf dem Lernen des Lernstoffs, ohne zu viel überflüssiges Drumherum.
8. Zusatzmaterialien
Zusätzlich zum Buch gibt es ein Beiheft mit Lösungen sowie ein Übungsbuch, um Hiragana und Katakana zu schreiben. Die Audiodateien können kostenfrei auf der Seite des Buske-Verlages heruntergeladen werden, und zudem liegt dem Buch noch eine CD bei.
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Hiragana und Katakana Übungen
Buske, 112 Seiten, EAN 9783875488395
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Das Beiheft enthält nicht nur die Lösungen zu allen Übungen, sondern auch einen Vokabel- sowie einen Kanji-Index. Im Gegensatz zum Hiragana- und Katakana-Übungsbuch, das man separat erwerben muss, liegt das Beiheft dem Buch direkt bei.
Dass Buch und Lösungsbuch voneinander getrennt sind, ist eine kluge Lösung. So können Autodidakten das Heft verwenden, während man es im Unterricht auch gut zu Hause lassen kann.
9. Schwierigkeitsgrad und Progression
Grundkenntnisse Japanisch ist zwar für Anfänger konzipiert, hat aber von Anfang an ein hohes Pensum in allen Bereichen. Nicht nur muss man schnell Hiragana und Katakana lernen und schon bald gibt es anspruchsvolle Dialoge, auch die Kanji werden schnell gelernt und später vorausgesetzt.
Das Buch eignet sich deshalb vermutlich vor allem für Intensivkurse oder universitäre Kurse, in denen ein schnelles Erlernen des Stoffes sinnvoll ist. Wer Japanisch nur nebenbei als Hobby lernen möchte, könnte schnell mit den Anforderungen überfordert und vom sehr funktionalen Aufbau des Buches demotiviert werden. Wer hingegen gezielt viel, schnell und systematisch lernen will, dem wird der funktionale Aufbau sehr entgegenkommen.
10. Autodidaktisch lernen vs. lernen im Kurs
Gerade aufgrund des höheren Schwierigkeitsgrades beziehungsweise der schnellen Progression ist Grundkenntnisse Japanisch wohl vor allem für Autodidakten geeignet, die genau wissen, wie sie selbst am besten lernen können. Das Buch erfordert deshalb eine hohe Disziplin und eigene Strategien, wie die Kapitel auch alleine sinnvoll durchgearbeitet werden können. Im Kurs hingegen wird es mit einem Lehrer, der durch den Stoff führt, vermutlich einfacher sein, motiviert zu bleiben.
11. Fazit
Grundkenntnisse Japanisch ist ein Lehrbuch für Anfänger, die besonders schnell und zielgerichtet Japanisch lernen wollen und denen es dabei wichtig ist, nicht nur sprechen, sondern auch lesen und schreiben zu können.
Sprachniveau
A1 A2 B1 B2 C1 C2
JLPT
N5 N4 N3 N2 N1
Lernformen
Vorteile:
– aufgrund seines hohen Anspruchs ein gutes Buch für Schnelllerner
– sehr gute grammatikalische Erklärungen
Nachteile:
– optisch sehr funktional, fast ohne Bilder
– durch sein hohes Lernpensum eventuell überfordernd






























