In Deutschland erscheint mit Die Teufelsflöte von Tokio bereits der sechste Band der Reihe um den verschrobenen, jedoch genialen Ermittler Kosuke Kindaichi, der im Japan der Nachkriegszeit Kriminalfälle im Stil klassischer Detektivromane des Golden Age löst.
Leider wechselte mit dem sechsten Band der Verlag von Blumenbar zu Rütten & Loening, und damit einhergehend wurde auch das Cover neu gestaltet, das sich nun nicht mehr in die Reihe einfügt. Ebenfalls fügt sich der Titel chronologisch nicht in die bisherige Veröffentlichungsfolge ein. Während der zuletzt veröffentlichte Band Die Spatzenmorde von Onikobe im Jahr 1955 spielte, geht es nun zurück ins Jahr 1947.
Von bisher ländlichen Schauplätzen wechselt Seishi Yokomizo nun zurück in die Hauptstadt Tokio. Diese ist durch die Flächenbombardements des Zweiten Weltkriegs noch weitgehend zerstört. Zwar steht das Haus der ehrwürdigen Familie Tsubaki noch, doch versengte Bäume zeugen selbst auf dem einst edlen Anwesen davon, dass die Auswirkungen des Krieges noch spürbar sind.
Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass Yokomizo die Geschichte im Jahr 1947 ansiedelt, denn genau in diesem Jahr verliert der japanische Adel per Gesetz seine Privilegien und seinen gesellschaftlichen Status. Die Familie Tsubaki scheint plötzlich wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit.
Kindaichi wird ursprünglich auf den Plan gerufen, da sich der Vizegraf Hidesuke Tsubaki zwar augenscheinlich das Leben genommen hat, jedoch nicht alle Familienmitglieder tatsächlich an seinen Tod glauben. Denn mit dem Vizegrafen ist auch dessen geliebte goldene Flöte verschwunden. So wird er, davon sind seine Angehörigen überzeugt, eines Tages wieder auftauchen und die „Teufelsmelodie“ spielen, die er zuletzt komponiert hat.
Die Stimmung auf dem Anwesen ist sowieso schon düster, erhält aber zusätzlich noch einen Hauch von Paranormalem, als die Familie sich zusammenfindet, um in einer Séance den Vizegrafen zu beschwören. Auch Kindaichi nimmt an dieser Séance teil und erlebt den schaurigen Moment, als zunächst das Licht ausfällt und anschließend eine Flötenmelodie erklingt.
Während Kindaichi ermittelt, was bei der Séance geschehen ist, ereignen sich weitere Morde auf dem Anwesen. Natürlich wird Kindaichi diese alle durch seine logische Kombinationsgabe lösen, bis dahin ist es jedoch ein langer Weg: Lässt man die vier Ermittler außen vor, gibt es 18 weitere Personen, die im Register zu Beginn des Romans aufgeführt sind. Der Gesamtfall der Tsubaki-Familie ist also durchaus komplex, aber sicher genau richtig für alle, die Locked-Room-Krimis und klassische Detektivgeschichten mögen. Die seltsam düstere Nachkriegsatmosphäre inmitten einer einst lebendigen Großstadt macht den Roman außerdem zu einem besonders lesenswerten Teil der Reihe.
Hinweis: Diese Rezension basiert auf der englischsprachigen Ausgabe des Romans und wurde daher bereits vor Erscheinen der deutschen Ausgabe veröffentlicht.
Alle Bände im Überblick
- Band 1: Die rätselhaften Honjin-Morde
- Band 2: Mord auf der Insel Gokumon
- Band 3: Das Dorf der acht Gräber
- Band 4: Der Inugami-Fluch
- Band 5: Die Spatzenmorde von Onikone
- Band 6: Die Teufelsflöte von Tokio
























