Liebesdurst

Liebesdurst

愛の渇き
Rezension vom: 26. Juli 2011 von // Zuletzt aktualisiert: 18. August 2019

Mishimas Romane sind beeindruckend, aber auch anstrengend. Anstrengend vor allem, weil seinen Romanen eine Spannung innewohnt, die teilweise schwer und bedrückend wird. Wie auch schon in Geständnis einer Maske geht es in diesem Buch um die Unterdrückung der heimlichen Wünsche – diesmal einer Frau – bei der innere Gefühlswelt und äußere Maske beträchtlich auseinanderklaffen.

Als ihr Mann gut ein Jahr nach der Hochzeit stirbt, hat die junge Etsuko ihr ganzes Leben eigentlich noch vor sich. Sie zieht auf das ländliche Anwesen ihres Schwiegervaters, der sich dort zur Ruhe gesetzt hat und wird dessen Geliebte. Aber Etsuko, die von einer inneren Besitzgier getrieben wird, ist furchtbar unzufrieden in der ereignislosen Dorfkulisse. Die Beziehung mit ihrem älteren Schwiegervater ist für sie keine Herausforderung.

Schließlich verliebt sie sich in denjenigen, der sich für sie am wenigsten interessiert: Der junge Gärtner ist so ziemlich das Gegenteil von Etsuko. Er denkt und spricht nicht viel und hat keine Vorstellung davon, was Liebe ist. Als er dann doch das Hausmädchen schwängert, versucht Etsuko sich unterschwellig an ihm zu rächen, schneidet sich damit aber nur immehr mehr ins eigene Fleisch.

Die Stimmung im Buch ist bis ins höchste angespannt. Hinter Etsukos ruhiger Fassade brodeln die Gefühle. Sie versucht diese vor ihrer Familie zu verstecken sogar indem sie ihr Tagebuch codiert, also das Gegenteil von dem schreibt, was sie denkt. Etsuko versteckt ihre Gefühle nicht etwa aus Schamgefühl, scheint aber einfach nicht das Bedürfnis zu haben, jemand anderem ihre Psyche zu öffnen. Die größte bisherige Befriedigung war es für sie, ihren sterbenden Mann zu pflegen und seine Hilflosigkeit mitzuerleben. Doch gegen den plumpen Gärtnerjungen kommt sie mit ihren Spielchen nicht an und so muss es schließlich zur Katastrophe kommen.

Mishima zeichnet damit ein erschreckend böses Psychogramm, dass aber zugleich erfrischt wirkt gegenüber der ganzen Trivialliteratur, die Japanerinnen als stumme, duldsame und Untergebene Personen darstellen. Er geht über die Oberfläche hinweg und deckt die Maske auf.

Auch wenn es der Klappentext vielleicht suggeriert: Sexuelle Handlungen spielen in diesem Buch keine Bedeutung, werden höchstens angedeutet. Dafür bietet der Roman eine Menge extremer Gefühle von Hass über Leidenschaft in den unterschiedlichsten Facetten, die auf andere, unterdrückte Weise ausgelebt werden.

Fazit
Dies ist kein Erotikroman. Dieser Roman ist nicht immer leicht zu lesen. Aber dafür zeichnet er das tiefgründige Bild einer Frau, die unter ihren eigenen Gefühlen fast erstickt.

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