Bekenntnisse einer Maske

Bekenntnisse einer Maske

仮面の告白
Rezension vom: 9. Dezember 2010 von // Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019

Kein japanischer Autor ist so umstritten wie Mishima: obwohl rückwärtsgewandter Nationalist, zählt er heute doch zu den großen Autoren Japans. Ganz rückwärtsgewandt ist seine Literatur nämlich nicht, wie dieser Roman zeigt, in dem sich Mishima mit seiner eigenen Homosexualität auseinandersetzt.

Aus der Ich-Perspektive beschreibt der Erzähler die Entdeckung seiner Homosexualität und die damit verbundenen Probleme von seiner frühen Kindheit bis zu seinem 21. Lebensjahr. Er erzählt seine Geschichte aus der Rückschau, analysiert und reflektiert dabei seinen Erkenntnisprozess und bekennt sich zu dem, was er bisher unter seiner Maske versteckt gehalten hat.

Da der Erzähler im Japan der 30er Jahre aufwächst, fehlt ihm die nötige Aufklärung. Zwar fühlt er sich schon als kleiner Junge in den Märchen immer nur zu den Prinzen hingezogen und antike Statuen nackter Griechen erregen ihn, doch hält er dies zunächst für völlig normal. Als er schließlich merkt, dass er anders ist, beginnt er eine Maske anzulegen und redet sich ein, „normal“ zu sein. Er spielt seine Rolle so gut, dass sich die junge Sonoko in ihn verliebt. Mit einem Kuss, bei dem er nichts empfindet, scheint sein Schicksal als ihr neuer Ehemann besiegelt.

Wegen der vielen reflektierenden und analysierenden Passagen und der teilweise nicht ganz modernen Sprache (übersetzt wurde leider die amerikanische Ausgabe) ist das Buch an einigen Stellen etwas anstrengend und zäh zu lesen. Gerade im ersten Kapitel ist der Zugang schwer, wenn man nicht weiß, was das Hauptthema des Romans ist.

Trotzdem ist der Roman inhaltlich, besonders durch die authentische, spezielle Perspektive des Erzählers, spannend zu lesen und bietet eine ganz besonders intime Sicht auch das Thema Homosexualität.

Fazit
Auch wenn dieser Roman stark autobiografische Züge aufweist - Mishimas Erlebnisse und Erkenntnisse sind universell und deshalb immer noch aktuell!

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