Die Frau in den Dünen

Die Frau in den Dünen

砂の女
Rezension vom: 15. Juli 2019 von // Zuletzt aktualisiert: 8. März 2026

Obwohl Kobo Abes Romane stilistisch außergewöhnlich, skurril und großartig sind und auch heute noch nichts von ihrer Modernität eingebüßt haben, sind sie größtenteils nur noch antiquarisch erhältlich. Sein bekanntester Roman, Die Frau in den Dünen, ist nun endlich wieder als Taschenbuch erhältlich.

Der Unionsverlag ist bekannt dafür, Krimis zu veröffentlichen. Augenscheinlich könnte man Die Frau in den Dünen auch für einen solchen halten, denn am Anfang steht das spurlose Verschwinden eines Insektensammlers. Er wird offiziell für tot erklärt. Was tatsächlich passiert ist, ist Gegenstand des Romans.

Der Insektensammler nutzt ein paar freie Tage, um ans Meer zu fahren. Dort stößt er auf ein Dorf, das von den Naturgewalten bestimmt wird – genauer: vom Sand. Der Sand dringt durch die Ritzen der Häuser, häuft sich davor an und legt sich nachts auf die Haut der Menschen.

Die verschworene Dorfgemeinschaft begegnet dem Neuankömmling zunächst misstrauisch. Als jedoch deutlich wird, dass er nicht in einer offiziellen Angelegenheit von der Regierung geschickt wurde, gestatten sie ihm, im Dorf zu übernachten. Eine Frau, die allein lebt, nimmt ihn bei sich auf.

Am nächsten Morgen wird klar, warum die Dorfbewohner so verschlossen sind: Die Falle ist zugeschnappt, und der Mann soll gemeinsam mit der Frau im Dorf eine Familie gründen und tun, was alle tun – gegen den Sand ankämpfen.

DDie Stimmung ist zunächst nicht unfreundlich, bleibt jedoch recht düster. Die Natur ist rau und feindlich, und die Dorfbewohner leben unter primitivsten Bedingungen – ohne Strom und fließendes Wasser – und sind dem Sand ausgeliefert. Es gibt keinerlei Kontakt zur Außenwelt; der Insektensammler ist im Haus der Frau hinter einer riesigen Sanddüne gefangen. Sie bietet ihm ihren Körper an, um ihn für das Dorf zu gewinnen, doch er sinnt nur über eine Flucht nach.

Die Dorfbewohner bleiben unnachgiebig. Sie bewerten seinen Wert für die Dorfgemeinschaft als wichtiger als seine individuellen Bedürfnisse. Kobo Abe erzeugt mit dieser Szenerie eine merkwürdige, einzigartige Stimmung. Es ist kein Wunder, dass er durch dieses Buch so bekannt wurde.

Fazit
Ein Klassiker, der in keiner Sammlung japanischer Literatur fehlen sollte.

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