Masako Togawas Romane heben sich deutlich von der Masse an Kriminalromanen ab. Ihre Geschichten sind unkonventionell aufgebaut, führen den Leser auf falsche Fährten und offenbaren ihm am Ende Wahrheiten, die nicht immer eindeutig sind. Mit Trübe Wasser in Tokio legt der Unionsverlag nun einen weiteren Roman von Masako Togawa neu auf.
Im Mittelpunkt der Erzählung steht ein Psychoanalytiker, der im Interesse seines Patienten versucht, einen Mordfall zu rekonstruieren, der scheinbar tatsächlich nie stattgefunden hat. Sein Patient ist fest davon überzeugt, eine Frau mit einem Gewehr erschossen zu haben. Da diese Frau jedoch noch lebt, vermutet der Psychoanalytiker stattdessen eine Vergewaltigung. Die Frau bestreitet jedoch, dass es überhaupt zu Problemen zwischen ihnen beiden gekommen sei.
Schnell gerät der Psychoanalytiker selbst in ein Netz aus Vermutungen und unberechenbaren Verdächtigen. Er selbst kann sich dem Sog nicht entziehen, fühlt sich von weiblichen Verdächtigen sexuell angezogen und lässt sich mit einigen auf eine Nacht im Hotel ein. Die Grenze zwischen seiner professionellen Rolle als Therapeut und seiner Rolle als Privatperson verwischt zunehmend.
Togawa erzählt diesen Kriminalfall in gewohnt hoher Qualität, verwickelt den Protagonisten sowie den Leser immer tiefer in ein undurchsichtiges Netz an Darstellungen und überrascht schließlich mit einer simplen, aber dennoch unerwarteten Auflösung des Falles. Besonders raffiniert gestaltet sie den Übergang des Psychoanalytikers vom normalen Beobachter hin zur selbst involvierten Person, die sich gegen ihre Triebstrukturen nicht wehren kann.
Im Vergleich zu Schwestern der Nacht und Der Hauptschlüssel ist dieser Roman einfacher angelegt: Es gibt keine Perspektivwechsel und auch keine zeitlichen Sprünge. Erzählt wird chronologisch aus der Sicht des Psychoanalytikers. Dadurch wirkt der Roman im Vergleich zu seinen Vorgängern zwar etwas einfacher, bleibt aber dennoch raffiniert geschrieben.






















