Schwestern der Nacht

Schwestern der Nacht



Originalausgabe:
猟人日記 Kôdansha 1963

Aus dem Englischen von Carla Blesgen.:
Unionsverlag
190 Seiten
ISBN: 978-3293204478

Ichiro Honda führt ein ganz normales Leben als Büroangestellter: Unter der Woche arbeitet er in Tôkyô, am Wochenende pendelt er zu seiner Frau in Ôsaka. Doch seine heimliche Leidenschaft, im nächtlichen Tôkyô auf die Jagd nach einsamen Frauen zu gehen und sie zu verführen, wird ihm zum Verhängnis, als sich eines seiner Opfer plötzlich umbringt.

Mit dem Selbstmord der einen Frau, von der Honda erfährt, ist es aber noch nicht genug. Auf einmal scheinen alle Frauen, mit denen Honda eine Nacht verbracht hat, einige Zeit später ermordet zu werden. Die Spuren führen die Polizei eindeutig zu Honda: sein Blut, sein Sperma und sogar seine Kleidungsstücke befinden sich bei den Opfern, obwohl er zum Tatzeitpunkt gar nicht mit ihnen zusammen war, sondern sich schon ins nächste Liebesabenteuer gestürzt hat.

Honda wird schnell angeklagt und zum Tode verurteilt, obwohl er doch unschuldig ist. Sein reicher Schwiegervater bezahlt ihm aber zum Glück einen Anwalt, Hatanaka, der sich auf aussichtslose Fälle spezialisiert hat, und nun versucht, Hondas Unschuld zu beweisen.

Trotz der neutralen, distanzierten Erzählweise wirkt die Umgebung der Figuren atmosphärisch und dadurch sehr authentisch. Die Figuren im Roman sind nicht eindeutig einer guten oder bösen Seite zuzuordnen, auch nicht Honda. Obwohl man normalerweise dazu neigen würde, Honda vorzuverurteilen, zeigt Togawa durch ihre distanzierte Sichtweise, dass ein Mann nicht unbedingt aus bösen Motiven Frauen verführen muss. So bewahrt sie den Leser vor dem für Kriminalromane oft üblichen Schwarz-weiß-Denken.

Durch die neutrale Erzählweise wird der Leser außerdem selbst zum Ermittler. Die Figuren im Buch haben nur wenig Überblick, vor allem der Anwaltsgehilfe Shinji, der den Großteil der Ermittlungen macht, scheint aus seiner Recherche nicht die Schlüsse zu ziehen, die doch offensichtlich auf der Hand liegen. Trotzdem gibt es auch für den Leser, der bei den Ermittlungen scharf mitdenkt, zum Schluss noch eine große Überraschung.

Fazit

Wozu Frauen fähig sind, wenn sie sich rächen wollen, zeigt dieser kunstvoll aufgebaute Krimi, der in das Nachtleben einer Großstadt entführt.

Verfasst am 12. Juni 2010 von

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