Therapiestation

Therapiestation

治療塔
Rezension vom: 10. Februar 2011 von // Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2026

Wie wird unsere Zukunft aussehen? In Therapiestation hat Ôe das Szenario einer zerstörten, von Atomkriegen verseuchten Erde gezeichnet, in der sich die Gesellschaft in zwei Klassen aufteilt. Ein trostloser Ausblick – und doch besteht Hoffnung.

Irgendwann im 21. Jahrhundert gibt es Atomkriege, AKW-Störfälle und Umweltkatastrophen. Weil die Menschen nun ein Massensterben erwarten, entwickeln sie einen Fluchtplan: Eine Menge von „Auserwählten“ soll den Mars besiedeln und so die menschliche Kultur retten. Die Übriggebliebenen werden auf der Erde ihrem Schicksal überlassen.

Mit den letzten Ressourcen werden Raumschiffe für die Auserwählten gebaut. Die Menschen auf der Erde verfallen in Armut, in Afrika sterben tausende von Kindern, da die Industrieländer nun um ihr eigenes Überleben kämpfen müssen. Und nicht nur die Atomstrahlung breitet sich aus – Aids, auch der „neue Krebs“ genannt, breitet sich so stark aus, dass die Betroffenen einen Aids-Stern auf ihrer Jacke tragen müssen.

Als die Erwählten nach zehn Jahren zurückkommen, weil sie sich auf dem Mars nicht einleben konnten, erwarten sie eigentlich keine Überlebenden mehr auf der Erde. Doch trotz der Verseuchung hat sich die Menschheit ziemlich gut gehalten. Nun tut sich ein großes gesellschaftliches Problem auf: Wie sollen sich die Auserwählten mit den Zurückgebliebenen, zum Tod verdammten, versöhnen?

Erzählt werden die Ereignisse aus der Sicht der auf der Erde zurückgebliebenen Ritsuko, die sich in einen der Auserwählten verliebt. Obwohl die Geschichte doch insgesamt recht düster ist, ist Ritsukos Welt wie ein kleines Refugium. Auch sie hat zwar schlimmes erlebt, dadurch, dass alle wichtigen Ereignisse im Buch aber nur nacherzählt werden, wirkt alles viel harmloser und weniger bedrohlich, als es insgesamt ist.

Ôe variiert das Genre des dystopischen Romans auf eine sehr interessante Weise: Zwar gibt es auch bei ihm die typische Konstellation, dass ein Protagonist gegen das ungerechte Staatssystem aufbegehrt, wie etwa in Huxleys Schöner Neuer Welt oder Orwells 1984, allerdings kommen noch ökologische Aspekte und sogar das Konzept einer allgemeinen religiösen Erlösungsutopie hinzu.

Fazit
Was passiert mit der Menschheit, wenn sie sich selbst ihre Lebensgrundlage zerstört? Ôe entwirft eine gruselige, aber sehr lesenswerte Dystopie.

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