Banana Yoshimoto steht für magisches Erzählen. Es ist daher sicher kein Zufall, dass ihr neuer Erzählband Mein Körper weiß alles genau 13 Kurzgeschichten enthält: 13 ist eine besondere, symbolisch belegte Zahl. Diesmal fehlt Yoshimotos neuesten Erzählungen jedoch das Magisch-Mystische.
Das ist jedoch keineswegs nachteilhaft: Die Geschichten sind weniger esoterisch und magisch als frühere Erzählungen (zum Beispiel Eidechse, Hard-Boiled), dafür aber realistischer und klarer; die Figuren scheinen gemeinsam mit der Autorin erwachsener geworden zu sein.
Wie auch in anderen Sammelbänden von Yoshimoto schwankt die Qualität der Erzählungen. Einige Geschichten sind wirklich spannend und überraschen mit einer kleinen Pointe, wie etwa Sound of Silence, in der die Ich-Erzählerin erfährt, dass sie adoptiert wurde. Sehr anrührend ist auch die Geschichte von Herrn Tadokoro, einem älteren, einsamen Mann, quasi der guten Seele einer kleinen Firma. Weil er sich selbstlos um den Firmenchef kümmerte, als dieser ein Kind war, erhielt er eine dauerhafte Ehrenanstellung.
Erzählt werden Situationen, die radikale Einschnitte für die Akteure bedeuten. Die Geschichten sind für westliche Maßstäbe eher handlungsarm und bestehen oft nur aus den Reflexionen der jeweiligen Ich-Erzählerin über ihre Lage.
Fast alle Geschichten haben eines gemeinsam: Die Figuren stehen an einem Punkt in ihrem Leben, an dem sie sich entscheiden müssen, wie es weitergeht. Häufig spüren sie intuitiv – oft nur körperlich, wodurch sich möglicherweise der Titel dieser Erzählsammlung erklärt –, dass so kein Fortbestehen möglich ist. Meist ist ihre Zukunft noch ungewiss, doch sie verlieren dennoch nicht ihren Optimismus.
Für alle, die sich einmal an Banana Yoshimotos Texten im Original versuchen wollen, gibt es eine der 13 Geschichten (Die Mumie) auch im japanischen Originaltext und mit englischer Übersetzung im Band Read Real Japanese Fiction.






















