Ursprünglich wurden die Hiragana und Katakana Übungen von dem Autor und Japanischlehrer Shin´ichi Okamoto als Begleitheft für das zugehörige Lehrbuch Grundkenntnisse Japanisch konzipiert. Das kleine Büchlein eignet sich aber auch gut, wenn man selbständig die japanischen Silbenschriften erlernen möchte. Diese Rezension beleuchtet die Vor- und Nachteile dieses Übungsbuches und vergleicht es mit anderen am Markt erhältlichen Titeln.
1. Zielgruppe
Das Übungsbuch richtet sich an Anfänger, die die japanischen Silbenschriften Hiragana und Katakana lesen und schreiben lernen wollen. Diese beiden Schriften sind unerlässlich, wenn man ernsthaft Japanisch lernen und über ein Anfängerniveau hinauskommen möchte. Zwar gibt es einzelne Lehrbücher, die japanische Wörter mit dem für uns gewohnten Alphabet schreiben, dies hat beim Lernen aber einige Nachteile. Die dabei verwendeten sogenannten Romaji stellen nur eine näherungsweise Transkription dar und bilden die japanischen Laute deshalb nicht vollkommen ab. Es ist deshalb am sinnvollsten, gleich zu Beginn mit den Silbenschriften zu beginnen.
Das dem Übungsbuch zugehörige Lehrbuch Grundkenntnisse Japanisch geht genau diesen Weg und setzt ab Lektion drei voraus, dass man die Hiragana und Katakana beherrscht.
2. Leseübungen
Anders als der Hiragana- und Katakana-Kurs von PONS, der sich allein auf das Schreiben konzentriert, beginnt Hiragana und Katakana Übungen überraschenderweise zunächst mit Leseübungen. Die 46 Grundlaute, die 25 stimmhaften Laute sowie die 33 gebrochenen Laute werden in einer Tabelle einzeln vorgestellt bzw. ihre Aussprache wird vorgelesen. Die passende Vertonung zu diesen Grundtabellen sowie allen weiteren Leseübungen kann man sich kostenfrei auf der Produktseite des Verlages herunterladen.
-
PONS Schreiben üben! Japanisch
PONS Langenscheidt, Seiten, EAN 9783125621497
Zum Buch Kaufen bei Amazon (Anzeige*)
Es folgen nun jeweils für alle Laute ausführliche Beispiele. Besonders gut gefällt mir, dass jeweils ähnliche Wörter nebeneinander präsentiert werden und dabei die Unterschiede in den Lesungen bzw. Lauten verdeutlicht werden: So werden zum Beispiel いいえ iie (nein) und いえ ie (Haus), かっこ kakko (Klammer) und かこ kako (Vergangenheit) oder きゃく kyaku (Gast) und きやく kiyaku (Bestimmung) kontrastiert.
An den letzteren beiden Beispielen sieht man übrigens gut, wie die Transkription an ihre Grenzen kommt: „kakko“ würde sich, würde man die Hiragana übernehmen, eigentlich „katsuko“ schreiben, das „kleine“ tsu っ (かっこ, in der „Mitte“) erzeugt aber eine Pause vor dem Konsonanten, die durch ein doppeltes K dargestellt wird. Auch das zweite Wort würde theoretisch in beiden Fällen „kiyaku“ geschrieben, nur führt das „kleine“ ya ゃ (きゃく, in der „Mitte“) eben einmal zur Schreibung „kya“, einmal zu „kiya“. All dies ist beim ersten Lesen jetzt wahrscheinlich nur schwer nachvollziehbar, trotzdem kann ich versprechen: Der hohe Initialaufwand, die Hiragana und Katakana zu lernen und zu verstehen, was ich gerade beschrieben habe, wird dich auf lange Sicht beim Japanischlernen weiterbringen.
Neben dem Lesen einfacher Wörter gibt es verschiedene Aufgabentypen:
- längere Dialogtexte
- Zungenbrecher
- kleine Rätsel
- Lieder (jeweils mit gesungener Vertonung)
- Sprichwörter
Die Leseübungen sind somit wirklich abwechslungsreich und auch umfangreich genug, um die Hiragana und Katakana zunächst einzuüben. Sie sollten ausreichend sein, um danach mit einem Lehrbuch aktiv weiterzulernen und das Lesen und Schreiben zu festigen.
3. Schreibübungen
Ein wenig unüblich ist, dass die Lese- den Schreibübungen vorangestellt werden. Überblättert man die Leseübungen, kommt man allerdings schnell zu den umfangreichen Schreibübungen. Zunächst werden die Zeichen einzeln eingeübt. Hierzu gibt es Kästchenpapier und eine Zeichenvorlage mit der Strichreihenfolge. Anschließend folgen jeweils 80 Beispielwörter in Hiragana und Katakana, mit denen man die Schriftzeichen in Kombination einüben kann.
Schließlich gibt es noch ein paar gemischte Schreibübungen, beispielsweise Lückentexte, das Transkribieren von Romaji in Hiragana beziehungsweise Katakana sowie ein Kreuzworträtsel für jedes Silbenalphabet.
4. Autodidaktisch lernen vs. lernen im Kurs
Anders als der PONS-Schreibkurs enthält Hiragana und Katakana Übungen keine Kanjiübungen. Dafür aber sind die kombinierten Lese- und Schreibübungen gerade für Autodidakten besonders wertvoll, da sie dabei kombiniert Hören und Schreiben üben können. Wer autodidaktisch lernt, für den könnte dies das ausschlaggebende Argument für den Schreibkurs von Shin´ichi Okamoto sein.



























