Der Wolkenpavillon

Der Wolkenpavillon

Rezension vom: 30. September 2011 von // Zuletzt aktualisiert: 9. März 2026

Jedes Jahr veröffentlicht Bastei Lübbe einen neuen Band über den japanischen Ermittler Sano Ichirō, der am Hof des Shōgun in Edo (dem heutigen Tokio) Mordfälle aufklärt. Der Wolkenpavillon ist Sano Ichirōs mittlerweile 14. Fall – diesmal geht es zunächst jedoch nicht um einen Mord.

Durch seine erfolgreichen Ermittlungen ist Sano Ichirō zum Kammerdiener des Shōgun aufgestiegen und damit zum zweitwichtigsten Mann im Land geworden. Die Ermittlungsarbeit hat er bereits vor einiger Zeit an seinen Gefolgsmann Hirata abgegeben, doch von seinen neuen Verwaltungsaufgaben ist er inzwischen gelangweilt. Als seine Cousine Opfer einer Vergewaltigung wird, dient ihm dies als Vorwand, die Ermittlungsarbeit wieder selbst in die Hand zu nehmen. Aus dem zunächst einfach erscheinenden Fall entwickelt sich eine Dynamik, die – wie so oft – das Leben Sano Ichirōs und seiner gesamten Familie bedroht und schließlich die Machtverhältnisse am Kaiserhof verändert.

Vieles hat sich über die vierzehn Bände hinweg verändert. Während die frühen Bände (Der Kirschblütenmord, Die Rache des Samurai hier auf Japanliteratur.net oft kritisch bewertet wurden – vor allem wegen einer langatmigen Handlung und einer nur wenig historisch wirkenden Atmosphäre – gestaltet Rowland ihre Romane inzwischen deutlich ansprechender.

Dies liegt vor allem daran, dass inzwischen zahlreiche Figuren als feste Charaktere im Roman etabliert sind und es neben der Haupthandlung – der Ermittlung – zahlreiche Nebenhandlungen gibt. Dazu gehören die ersten Ermittlungsversuche von Sano Ichirōs Sohn, die Intrige seines Kontrahenten Yanagisawa und die Eheprobleme von Sano Ichirōs Gefolgsmann Hirata. Damit diese Nebenhandlungen jedoch spannend bleiben, wird einiges an Vorwissen über die Charaktere aus den vorherigen Bänden vorausgesetzt.

Der Mordfall ist weniger spektakulär und vor allem das immer gleiche Muster ist durchschaubar: Sano kommt in große Schwierigkeiten, weil der Shôgun ihm in seiner launenhaften Art ein Ultimatum setzt oder ihn wegen Verleumdungen bestrafen will. Und so scheint auch der Mordfall selbst weniger wichtig, ist das Ende des Buches deutlich auf eine Fortsetzung angelegt, in der erzählt wird, wie es mit Sano und seinen Gefolgsleuten weitergeht.

Trotzdem bleibt der Roman im Wesentlichen solide Unterhaltungslektüre. Die Charaktere sind stark stereotypisiert und klar in Gut und Böse aufgeteilt. Der Mordfall ist wenig spektakulär, und das Schema, nach dem die Ermittlungen ablaufen, ist voraussehbar. Das Ende ist deutlich auf eine Fortsetzung angelegt, die erzählt, wie es mit Sano Ichirō und seinen Gefolgsmännern weitergeht.

Fazit
Solide Unterhaltung für Fans der Serie. Ohne Hintergrundwissen aus vorherigen Bänden nur schwer verständlich.

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