Die Fluten des Sumida

Die Fluten des Sumida



Iudicium
214 Seiten
ISBN: 978-3862051397

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Dieser Sammelband enthält bisher in Deutschland unveröffentlichte Prosa Prosa von Akutagwa: Von ganz kurzen, zweiseitigen Momentaufnahmen bis zu längeren Prosastücken ist wieder alles dabei. Das Buch zeigt sich damit wieder so vielseitig wie der Sammelband Rashomon.

Es ist schwer, diese Prosasammlung zusammenfassend zu charakterisieren. Chronologisch geordnet enthält sie ganz unterschiedliche Stücke, angefangen von einer Schilderung des Sumida aus dem Jahr 1912 bis zu Der Mann aus dem Westen, das Akutagawa in der Nacht vor seinem Tod 1927 fertigstellte.

Die Erzählungen bieten einen Querschnitt durch das Werk, verdüstern sich aber Parallel zu Akutagawas psychischen Leiden immer mehr, werden manchmal sogar richtig grotesk und surreal.

Geisterhaft-geheimnisvolle Erzählungen um eine Japanerin in Shanghai, die aus der Macht einer indischen Hexe befreit werden muss, gibt es schon früh (Agni, der Feuergott, 1920). In Pferdebeine (1925) wird ein Mann versehentlich ins Totenreich gerufen und muss, weil seine eigenen Beine schon verwest sind, mit Pferdebeinen zu den Lebenden zurückkehren. Ob er wirklich Pferdebeine hat oder der Mann doch nur unter Wahnvorstellungen leidet bleibt offen. Endgültig die Grenze zwischen Realität und Traum überschreitet Akutagawa mit Der Traum (1927), in dem für den Leser – und auch den Erzähler selbst – nicht mehr klar ist, was der Erzähler erlebt und was phantasiert.

Auch das große Beben von 1923 beschäftigt Akutagawa in vielen kürzeren Stücken, die die Zerstörung widerspiegeln (zum Beispiel Das Piano, 1925). Am deutlichsten setzt sich Akutagawa mit den Auswirkungen des Bebens in einer Skizze über das Viertel Honjo, in dem er als Kind gewohnt hat, auseinander. Für eine Zeitung besucht er das Viertel und schreibt seine Eindrücke nieder, die fast nur negativ sind: Das frühere Leben im Viertel scheint ausgelöscht, die alten vertrauten Gebäude gibt es nicht mehr.

Nicht alle Geschichten sind so leicht zugänglich. Insbesondere die letzte Aufzeichnung Der Mann aus dem Westen, in dem Akutagawa sich mit dem Christentum und Jesus auseinandersetzt. Seine letzten pathetischen Worte dazu: „Wie die Wanderer von Emmaus verlangt es uns nach einem Christus, der unsere Herzen entflammt.“

Fazit

Gemischte Erzählsammlung, die durch eine ausführliche Einleitung guten Zugang zu den einzelnen Texten bietet.

Verfasst am 29. August 2011 von

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Kommentare

  1. Hallo Friederike

    Im April hatte ich auch auf meinem eigenen Blog eine Rezension zu dem Werk geschrieben und bemerke, wie so oft, das du alles in wenigen Worten das ausdrücken kannst wofür ich mal wieder einen viel zu langen Text geschrieben habe ;D

    Ich beschäftige mich gerne mit Akutagawa. Es ist interessant zu lesen wie er über die damalige Gesellschaft dachte, wie er mit seinen Depressionen und Wahnvorstellungen umging. Ganz harter Stoff war, wie du bereits geschrieben hast, der Mann aus dem Westen.

    Als nächstes werde ich die Rashomon Sammlung lesen. Das hatte ich schon länger vor sogar.

  2. Ich versuche es immer extra kurz zu machen, da viele von längeren Texten abgeschreckt werden. Ich habe aber vor dieser Rezension deine gelesen (ich wusste, dass du eine geschrieben hattest) um das Buch nochmal zu rekapitulieren. Da war es sehr hilfreich, dass du etwas ausführlicher warst!

  3. Ja das stimmt. Gelegenheitsleser schreckt solche langen Texte ab, wer sich dann aber tatsächlich aber mehr Details über einen Titel einholen will, kann in einem längeren Text natürlich fündig werden. Meine Texte waren damals sogar noch länger ;D

    Was ich schade finde ist das du keine Punkte mehr vergibst. Aber das schmälert die Rezension nun nicht. Immerhin schaffst du es im Gegensatz zu anderen Rezensenten dich klar auszudrücken ob es dir gefallen hat oder nicht. Bei so manch anderem kann ich lesen und lesen und weiß am Ende immer noch nicht ob der besprochene Titel dem Rezensenten nun gefallen hat.

    Dir noch ein schönes Wochenende, Friederike.

  4. Mit den Punkten bin ich mir noch unsicher, ob ich die nicht wieder einführen soll. Allerdings habe ich das Gefühl, bei vielen Büchern ist eine Bewertung schwer. Muss ich ein literarisch wertvolles Buch mit 5 Punkten bewerten, weil es so bedeutsam ist, obwohl es sich eigentlich langweilig liest? Wenn ich das so schreibe, aber ohne Bewertung, kann sich jeder auch eine Vorstellunge davon machen. Grunsätzlich finde ich die Punkte aber gut für einen ersten Überblick. Ich überlege mir da noch eine Kompromisslösung.

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