Riskante Begierden

Riskante Begierden

みいら採り猟奇譚
Rezension vom: 16. August 2010 von // Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019

Scheinbar harmlos beschreibt dieser Roman die merkwürdige Ehe zwischen dem Internisten Masatake und seiner 19 Jahre jüngeren Ehefrau, aus der er eine erfahrene Partnerin für seine masochistischen Neigungen macht. Parallel dazu eskaliert der 2. Weltkrieg in Japan, dessen Entwicklungen die Inszenierungen des Ehepaares bis zum tödlichen Ende begleiten.

Diese Kurzzusammenfassung ist ausnahmsweise einmal nicht selbst geschrieben, sondern direkt dem Klappentext des Buches entnommen. Eine Besserung Zusammenfassung, was das Buch so interessant macht, könnte es wohl auch gar nicht geben.

Kein Erotik-Roman

Allerdings weckt der Klappentext gleichzeitig auch einige falsche Erwartungen. Erotik und wilde Liebesszenen gibt es eher nicht. Kônos Erzählweise ist nämlich eine sehr subtile, die das Intimleben des Arztehepaares nicht ausbreitet: Im ganzen Buch gibt es nur eine Handvoll Szenen, in denen Masatake und seine Frau Hinako ihre Fantasien ausleben. Diese Szenen sind relativ nüchtern beschrieben, steigern sich aber von Mal zu Mal und verzahnen sich immer mehr mit dem immer intensiver werdenden Krieg – bis hin zu einer Szene, in der die beiden im Luftschutzbunker ein Fesselspiel betreiben.

Die zwei großen Hauptthemen – Krieg und der „persönliche Krieg“ der Eheleute – scheinen in Riskante Begierden neben den unzähligen Nebenerzählungen fast etwas zu kurz zu kommen. Teilweise scheinen nebensächliche Informationen wie zum Beispiel Hinakos Familiengeschichte die Handlung unnötig in die Länge ziehen. Aber auch das Nebensächliche ist mit Bedeutung aufgeladen, muss entschlüsselt und auf die aktuelle Situation des Ehepaares bezogen werden.

Weltkrieg und Ehekrieg, miteinander verzahnt

Trotz allem ist die Kombination der Motive im Roman einmalig. Es ist spannend zu lesen, wie sich die Beziehung zwischen dem Ehepaar steigert. Das Ehepaar scheint vom Krieg seltsam unberührt, doch ihre komplette Beziehung symbolisiert letztlich den Krieg – weshalb schließlich auch nicht allein der Krieg in einer Katastrophe endet.

Blick auf Nazi-Deutschland

Iinteressant ist außerdem, dass die Ereignisse in Japan mit denen im fernen Deutschland verknüpft werden. Die politischen Entwicklungen in Deutschland bilden einen Rahmen um die Erzählung: von der anfänglichen Begeisterung in Japan für die Olympischen Spiele in Deutschland und Hitlers Mein Kampf bis hin zu Zeitungsberichten über den Untergang Berlins.

Fazit
Eine masochistische Beziehung zwischen einem Ehepaar wird zum Symbol für den Verlauf des 2. Weltkrieges in Japan. Subtil, faszinierend, anstrengend.

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