Die Für Dummies-Reihe ist dafür bekannt, auch komplizierte Themen möglichst einfach zu erklären und dabei zum Lernen neuer Inhalte zu motivieren. Für die japanische Schrift gibt es einen eigenen Band zum Schreibenlernen, der verspricht, seine Leser „zum Kalligrafen der japanischen Schrift“ zu machen.
Natürlich sollte man die Versprechen der Für Dummies-Reihe immer mit einem gewissen Augenzwinkern lesen. Irritierend ist trotzdem, dass das Buch auf dem Umschlag verspricht, die Silbenalphabete Hiragana und Katakana kennenzulernen, im Inneren jedoch keine einzige Schreibübung zu diesen beiden Schriften enthält, sondern sich ausschließlich den Kanji widmet.
Aber vielleicht noch einmal kurz von Anfang an: Das Japanische verwendet drei Schriftsysteme: die aus China übernommenen, für europäische Lernende meist recht komplex wirkenden Schriftzeichen, die Kanji, sowie die beiden Silbenalphabete Hiragana und Katakana. Hiragana und Katakana lernt man in der Regel zuerst, anschließend kommen die Kanji Schritt für Schritt hinzu. Schreiben zu lernen bedeutet daher nach meinem Verständnis, alle drei Schriftsysteme zu beherrschen. Auch wenn Hiragana und Katakana jeweils weniger als 50 Zeichen umfassen, ist dies für Menschen, die mit dem lateinischen Alphabet aus 26 Buchstaben sowie Groß- und Kleinschreibung aufgewachsen sind, bereits zu Beginn eine beachtliche Menge neuen Lernstoffs.
Japanisch schreiben lernen für Dummies führt im Vorwort zwar in die Hiragana und Katakana ein und erläutert deren Entstehung. Das eigentliche Schreiben der beiden Silbenalphabete muss man sich jedoch selbst aneignen:
„Den Einstieg in die japanische Schrift planen Sie am besten mit den 46 Hiragana, anschließend nehmen Sie sich die 46 katakana vor und wenn Sie sich in beiden Silbenalphabeten (einschließlich der Lauterweiterungen) nach einigen Wochen regelmäßiger Schreibübungen gut zurechtfinden dürften, steht den kanji, von denen es mehr als 50.000 gibt, im Grunde nichts mehr im Weg.“
Japanisch schreiben lernen für Dummies, Seite 12
Auch das Cover des Buches wirbt mit dem Versprechen „Katakana und Hiragana auf einen Blick“. Gemeint ist damit letztlich jedoch nur, dass die beiden Silbentafeln abgedruckt sind – eine Information, die sich ebenso leicht online finden lässt.
Der Titel Japanisch schreiben lernen ist daher aus meiner Sicht zu ungenau, da sich das Buch tatsächlich ausschließlich dem Schreiben von Kanji widmet. Lässt man diese Kritik außer Acht, enthält es Schreibübungen zu insgesamt 105 Kanji:
| 一 | 二 | 三 | 四 | 五 | 六 | 七 | 八 | 九 | 十 | 百 | 千 | 万 | 人 | 女 | 男 | 口 | 目 | 耳 | 手 |
| 心 | 上 | 下 | 前 | 後 | 外 | 内 | 中 | 北 | 西 | 南 | 東 | 日 | 月 | 土 | 火 | 水 | 風 | 山 | 川 |
| 海 | 田 | 木 | 今 | 朝 | 夜 | 犬 | 猫 | 牛 | 魚 | 肉 | 花 | 母 | 父 | 兄 | 姉 | 弟 | 子 | 友 | 高 |
| 大 | 小 | 円 | 近 | 遠 | 行 | 見 | 門 | 聞 | 言 | 買 | 売 | 物 | 出 | 入 | 本 | 国 | 店 | 書 | 茶 |
| 時 | 寺 | 神 | 生 | 年 | 名 | 有 | 光 | 道 | 空 | 港 | 神 | 社 | 工 | 学 | 字 | 絵 | 猫 | 住 | 所 |
| 番 | 白 | 黒 | 赤 | 青 |
Für die erste Stufe des Japanese Language Proficiency Tests (JLPT N5) werden grundlegende Kanji-Kenntnisse vorausgesetzt. Die in diesem Buch behandelten Kanji wurden laut Vorwort nach ihrer Häufigkeit ausgewählt. Gleichzeitig handelt es sich größtenteils um Basiskanji, die Anfänger ohnehin früh lernen. Insofern eignet sich die Auswahl gut für den Einstieg und kann zugleich dabei helfen, sich auf den JLPT N5 vorzubereiten.
Das Konzept der Schreibübungen ist meiner Ansicht nach jedoch nicht in allen Punkten durchdacht. So sind die Mittellinien der vorgedruckten Kästchen, die bei der Proportionierung der Schriftzeichen helfen sollen, sehr dick gedruckt. Schreibt man mit einem feinen Stift, gehen die eigenen Striche teilweise in diesen Hilfslinien unter. Das ist weder für die Ästhetik noch für die Selbstkontrolle beim Schreiben besonders hilfreich.
Zudem beschränken sich die Übungen darauf, die jeweiligen Kanji in der im Buch vorgegebenen Strichreihenfolge nachzuzeichnen. Die einzelnen Schriftzeichen und ihre Bestandteile werden jedoch nicht weiter erläutert. Dabei gibt es mit den Radikalen wiederkehrende Bestandteile, aus denen sich viele Kanji zusammensetzen. Warum beispielsweise 神 und 社 auf der linken Seite dasselbe Radikal besitzen, wird nicht erklärt. Um sich Schriftzeichen langfristig einzuprägen, ist es meiner Ansicht nach jedoch wichtig, auch zu verstehen, wie sie aufgebaut sind und welche Bedeutung ihre Bestandteile haben.
Das Buch reduziert sich damit im Grunde auf eine Schreibvorlage zum Üben von 105 Kanji. Das notwendige Hintergrundwissen – von Hiragana und Katakana bis hin zum Aufbau und zur Systematik der Kanji – muss man sich hingegen aus zusätzlichen Materialien aneignen.






















