Knabenjagd

Knabenjagd

Rezension vom: 30. Oktober 2012 von // Zuletzt aktualisiert: 7. Mai 2019

Bisher wurde von Taeko Kôno nur ein Roman ins Deutsche übersetzt. Die Themen, die sich in diesem Roman aus den 90er Jahren spiegeln, scheinen Kôno durch ihr schriftstellerisches Werk zu begleiten, denn sie tauchen auch in den frühen Erzählungen aus den 60er und 70er Jahren wieder auf, die in diesem Band gesammelt sind.

Am auffälligsten ist wohl die Erzählung Knabenjagd, die Kôno in Japan zum Durchbruch verhalf: Akiko Hayashi hat ein gestörtes Verhältnis zu Kindern. Während sie kleine Mädchen überhaupt nicht mag, ziehen Jungen sie magisch an. Gerne stellt sie sich vor, wie ein Mann einen kleinen Jungen foltert. Auch wenn sie mit ihrem Freund selbst sadomasochistische Praktiken ausübt, weiß Akiko, dass sie diese geheimen Fantasien doch besser für sich behalten sollte. Die Erzählung bricht ab, aber es scheint nur eine Frage der Zeit, bis sich die unterdrückten Fantasien Bahn brechen.

Auch wenn die Erzählungen rundweg ernste Themen behandeln – eine Frau bereitet sich auf einen Selbstmord vor, ein Mädchen erlebt den Ausbruch des 2. Weltkrieges, eine Kriegswitwe erinnert sich an ihren gefallenen Mann – irgendwie schafft Kôno es, die Geschichten so unscheinbar und subtil zu gestalten, als handele es sich hier nicht um große Probleme, sondern ganz alltägliche Dinge.

Um die Stimmung der Erzählungen und ihren Sinn voll aufzunehmen, muss man sich ins Detail hineinlesen. So erwähnt Kôno keinesfalls, dass sich die Kriegerwitwe zum Gedenken ihres Mannes im Yasukuni-Schrein befindet, einem Ort, der bis heute sehr umstritten ist, da hier auch Kriegsverbrechern gedacht wird.

Kôno schreibt auch nicht ausdrücklich, dass die Lage für das junge Mädchen immer schwerer wird, je weiter der Krieg voranschreitet. Dies macht sich eher an scheinbaren Nebensächlichkeiten bemerkbar wie zum Beispiel, dass Zigaretten und Schokolade nicht mehr in Silberpapier eingepackt sind, das nun im Krieg zu wertvoll geworden ist.

Kônos Geschichten wollen entdeckt werden. Sie drängen sich nicht auf, sondern die Eindrücke, die sie hinterlassen, müssen erst langsam verarbeitet werden.

Fazit
Geschichten, die sich im Verborgenen ereignen.

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