Neben Minna no Nihongo und Marugoto zählt Genki – An Integrated Course in Elementary Japanese zu den drei bekanntesten Japanischlehrbüchern aus Japan. Mit dieser Rezension kannst du herausfinden, ob Genki das richtige Lehrbuch für dich ist.
1. Zielgruppe
Grundsätzlich ist Genki für alle erwachsenen Lernenden geeignet, inhaltlich richtet es sich jedoch vor allem an Studierende. Das liegt daran, dass das Lehrbuch im universitären Kontext entwickelt wurde und vor allem dort zum Einsatz kam.
Genki verfolgt trotzdem weder einen wissenschaftlich geprägten noch einen besonders anspruchsvollen Ansatz. Laut Vorwort soll vielmehr der Spaß am Erlernen der Sprache im Vordergrund stehen. Daher haben sich die Autoren beispielsweise bei den Grammatikerklärungen auf möglichst einfache Formulierungen beschränkt.
Genki ist ausschließlich in englischer Sprache erhältlich. Das Englisch ist jedoch so einfach gehalten, dass es beim Lernen keine Schwierigkeiten bereitet.
Die Genki-Serie liegt derzeit in der dritten Auflage von 2020 vor und besteht aus zwei Bänden. Der hier besprochene erste Band deckt das Sprachniveau A1 bzw. JLPT N5 ab. Mit dem zweiten Band sollen Lernende das Niveau A2 bzw. JLPT N4 erreichen. Bücher für fortgeschrittene Sprachniveaus gibt es in der Reihe derzeit nicht.
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Genki Lehrbuch Band 2
Eri Banno et. al.
Japan Times, 392 Seiten, EAN 9784789017329
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2. Japanische Schrift
Genki geht davon aus, dass man für ein seriöses Erlernen der japanischen Sprache die japanischen Silbenalphabete Hiragana und Katakana sowie die komplexen, dem Chinesischen entlehnten Schriftzeichen Kanji beherrschen muss.
Die ersten beiden Lektionen enthalten daher ausschließlich Hiragana und Katakana, ergänzt durch Lesehilfen in Form sogenannter Romaji, also Transkriptionen in lateinischer Schrift.
Im hinteren Teil des Buches gibt es für Hiragana und Katakana jeweils vier Seiten mit einfachen Schreibübungen. Ich würde jedoch empfehlen, die Schriftzeichen vorab mithilfe eines Schreiblernbuchs zu üben, um sie anschließend mit den Übungen in Genki zu festigen.
Bei den Kanji orientiert sich Genki an den allgemeinen Anforderungen des Japanese Language Proficiency Tests. Zwar gibt es keine offizielle Kanji-Liste für die einzelnen Prüfungsstufen, dennoch werden bestimmte Kanji den jeweiligen Niveaus zugeordnet und in gängige Lehrmaterialien aufgenommen. Eine Übersicht über die in Genki enthaltenen Kanji findest du auf der offiziellen Website des Lehrbuchs.
Genki enthält zusätzlich zu den einzelnen Kapiteln am Ende des Buches das Kapitel Reading and Writing. Hier sind nicht nur die bereits erwähnten Hiragana- und Katakana-Übungen enthalten, sondern die pro Lektion eingeführten Kanji werden ausführlich vorgestellt. Die richtige Schreibreihenfolge wird allerdings leider nicht erklärt. Pro Lektion werden 14 bis 16 Kanji in einer übersichtlichen Tabelle vorgestellt. Auf jeweils zwei Seiten gibt es Übungen dazu, die insgesamt gerne noch etwas umfangreicher hätten ausfallen dürfen, was dann aber vermutlich den Umfang des Buches gesprengt hätte. Genki bietet hierzu aber ergänzend ein Workbook an, das weitere Übungen enthält.
3. Grammatik
Wer studiert hat und in diesem Zusammenhang wissenschaftliche Literatur oder Fachbücher auf Englisch gelesen hat, kennt vielleicht die Erfahrung, dass Erklärungen auf Englisch manchmal leichter verständlich sind als auf Deutsch, weil sie einfacher formuliert sind. Genau dies gelingt auch Genki: Die grammatikalischen Strukturen werden übersichtlich dargestellt, und die Sätze werden optisch so aufbereitet, dass ihre einzelnen Bestandteile und Strukturen leichter zu erkennen sind.
4. Wortschatz
Das Lehrbuch vermittelt laut Website circa 1.700 Wörter. Das ist nicht besonders viel, wenn man bedenkt, dass beispielsweise der sehr basal gehaltene Einstiegskurs Japanisch für Kurzentschlossene, der lediglich zum Hineinschnuppern gedacht ist, bereits 644 Wörter enthält.
Insgesamt hatte ich beim Lernen mit Genki den Eindruck, dass vor allem die wichtigsten Vokabeln vermittelt werden und der Wortschatz daher überschaubar bleibt. Gleichzeitig erlernt man mit diesem vergleichsweise kleinen Wortschatz bereits zahlreiche grammatische Ausdrucksmöglichkeiten. Das erleichtert den Einstieg, denn schon das Erlernen der Hiragana und Katakana sowie der völlig neuen Grammatikstrukturen nimmt genügend Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch.
5. Übungen
Jede Lektion ist stets gleich aufgebaut:
- Dialog
- Vokabeln
- Grammatik
- Übungen
- Kana bzw. Kanji-Übungen
Die Dialoge dienen vor allem dem Hörverstehen und enthalten keine darauf bezogenen Übungen. Dafür fallen die Übungen sehr umfangreich und insbesondere auch abwechslungsreich aus.
Allgemein gibt es beispielsweise folgende Aufgabentypen:
- Anhand von Bildern Sätze bilden und beschreiben, was passiert
- Fragen zu einem Thema beantworten
- Sätze umformulieren
- Kurze Konversationen zu einem Thema führen
- Rollenspiele
- Audiodateien hören und dazu Übungen machen
Insgesamt zielen die Übungen überwiegend darauf ab, mündlich bearbeitet zu werden. Zudem sollen viele Aufgaben mit einem Partner, im Kurs klassischerweise mit dem Sitznachbarn, im Gespräch gelöst werden. Auch wenn es Begleitmaterial für Lehrkräfte gibt, auf das Selbstlernende ggf. zurückgreifen können, um sich Lösungen anzuschauen, greift dies doch zu kurz, wenn man komplett autodidaktisch mit dem Buch lernt.
Die Aufgaben sind dem angestrebten Lernniveau angemessen. Wie schon erwähnt, schreitet man schnell in der Grammatik voran und kann sich so auch schnell zu den einzelnen Themen differenzierter verständigen.
6. Layout und Gestaltung
Seit der ersten Auflage hat Genki seine Illustrationen, die inzwischen zu einer Art Markenzeichen der Reihe geworden sind, beibehalten. Die 2020 erschienene dritte Auflage hat das Layout ein wenig modernisiert und aufgeräumt. Ansonsten halten sich Text und Bild gut die Waage.
Zwar ist Genki optisch nicht so ansprechend wie Marugoto gestaltet und enthält auch nur einen schwarz-orangen Zweifarbdruck statt bunter Bilder, trotz allem ist es genau wie wie Marugoto auf einen simplen, entspannten Zugang zur Sprache angelegt. In ihrer Philosophie sind sich die Bücher somit ähnlich, auch wenn bei Genki der Schwierigkeitsgrad etwas höher sein dürfte.
7. Zusatzmaterialien
Das Genki-Lehrbuch kommt grundsätzlich ohne weitere kostenpflichtige Zusatzmaterialien aus. Die Audiodateien zu den Dialogen und Aufgaben sind kostenlos verfügbar.
Für Lehrkräfte gibt es eine Begleitbroschüre mit Lösungstexten, die auch für Autodidakten praktisch sein kann.
Daneben gibt es ein Workbook. Dieses gleicht eine Schwäche des Lehrbuchs aus, da dieses den Schwerpunkt auf Sprech- und Gruppenübungen legt. Das Workbook bietet zusätzliche Aufgaben, mit denen sich auch das Schreiben gezielter trainieren lässt.
8. Schwierigkeitsgrad und Progression
Wie bereits erläutert, verfolgt Genki einen intuitiven Ansatz, bei dem der Spaß am Lernen im Vordergrund steht. Anstatt viele verschiedene Themen abzudecken, konzentriert sich das Lehrbuch zu Beginn vor allem darauf, die Lernenden dazu zu befähigen, sich direkt auf Japanisch auszudrücken zu können. Mit Genki lernt man in kurzer Zeit insbesondere grammatikalisch sehr viel Neues, ohne dass man sich überfordert fühlt. Das ist vermutlich eine der Stärken des Lehrbuchs und ein Grund dafür, warum es sich bereits so lange im Unterricht bewährt hat.
9. Autodidaktisch lernen vs. Lernen im Kurs
Aufgrund der Ausgestaltung der Übungsaufgaben und des Fokusses auf Gruppenarbeiten ist vor allem für den Unterricht geeignet. Wer sich aber zusätzlich das Workbook und das Lösungsbuch für Lehrkräfte besorgt, kann das Lehrbuch auch gut für das selbstständige Lernen zu Hause nutzen.
10. Fazit
Sprachniveau
A1 A2 B1 B2 C1 C2
JLPT
N5 N4 N3 N2 N1
Lernformen
Vorteile:
– niedrigschwelliger Einstieg bei gleichzeitig angemessenem Schwierigkeitsgrad
– gutes didaktisches Konzept mit einem stressfreien Umgang mit der Sprache
– sehr gute grammatikalische Erklärungen
Nachteile:
– Schreibübungen ausbaufähig
– Leseübungen (längerer Texte) ausbaufähig



















