Tokio Neue Stadt

Tokio Neue Stadt


Verfasst am: 3. Januar 2025 von // Zuletzt aktualisiert: 1. März 2026

Mit Tokio neue Stadt endet die Tokio-Trilogie von David Peace nach gut zwölf Jahren. Auch wenn es bis zur Veröffentlichung dieses dritten Bandes einige Jahre gedauert hat, bleibt David Peace seinem bisherigen Stil treu und liefert anspruchsvolle Krimikost.

Die Tokio-Trilogie ist in den Jahren 1946 (Band 1), 1948 (Band 2) und 1949 (Band 3) angesiedelt und behandelt jeweils einen unterschiedlichen Mordfall vor der Kulisse einer Stadt im Wandel der Nachkriegszeit, in der viele Figuren von traumatischen Kriegserlebnissen gezeichnet sind. BAbgesehen von diesem gemeinsamen Rahmen behandeln die einzelnen Bücher in sich abgeschlossene Mordfälle mit unterschiedlichen Ermittlern, sodass jeder Band der Trilogie unabhängig von den beiden anderen Teilen lesbar ist.

Der Mordfall in Tokio neue Stadt beruht – wie auch in Tokio besetzte Stadt (Band 2 der Trilogie) – auf einer realen Grundlage: Am 6. Juli 1949 wird der Präsident der Nationalen Japanischen Eisenbahngesellschaft, Shimoyama Sadanori, von einem Zug erfasst. Schnell wird klar, dass es sich nicht um Selbstmord handelte. Ein Mordmotiv liegt ebenfalls nahe, denn Sadanori hatte Massenentlassungen geplant.

Wie bereits in Band 2 wird der Fall erneut aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, ohne dass es am Ende zu einer Auflösung kommt. Genau wie in Band 2 ist auch die Sprache durchaus anspruchsvoll.

Liest sich das erste Drittel noch sachlich, sprachlich reduziert, fast schon monoton, so wandelt sich die Sprache im mittleren Drittel und wird rhythmisch, hektisch, stakkatohaft, teilweise sehr experimentell. Da meine Lektüre des zweiten Bandes inzwischen zwölf Jahre zurückliegt, fällt mir ein Vergleich zwischen Band 2 und Band 3 schwer. Hatte ich Band 2 damals für seine Unkonventionalität empfohlen, empfinde ich aus heutiger Perspektive die experimentelle Sprache in Tokio neue Stadt beim Lesen als teilweise unzumutbar, da der Eindruck entsteht, dass sich der Inhalt der Form unterordnet.

Da die Handlung gefühlt weder vorankommt noch zu einem Ergebnis führt, komme ich mir beim Lesen vor, als müsse ich mich durch das literarische Schaffen eines Autors arbeiten – allein um der Sprache und des Stils willen. Erschwert wird die Lektüre zusätzlich dadurch, dass bei der wörtlichen Rede im gesamten Roman Anführungszeichen oder andere Kennzeichnungen durch Sonderzeichen fehlen.

Trotz allem habe ich das Buch beendet, da mich bis zuletzt interessierte, ob die Handlung doch noch eine spannende Wendung nimmt. Eine solche konnte ich jedoch nicht erkennen – vielleicht auch, weil sie in der Stilistik untergegangen ist.

Fazit
Wer sich für literarische Stilexperimente interessiert, könnte Gefallen an diesem ansonsten nur schwer lesbaren Kriminalroman haben.

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