Die Narayama-Lieder

Die Narayama-Lieder

楢山節考
Rezension vom: 1. März 2025 von

In einem von der Welt vollkommen abgeschiedenen Bergdorf führen die Dorfbewohner ein einfaches, archaisches Leben. Geld hat keine Bedeutung, da keine Händler vorbeikommen, gegen deren Waren man es eintauschen könnte. Das Essen ist immer knapp und alle werden von dem Gedanken beherrscht, ob sie den Winter über genug zu essen haben. Die Alten müssen, sobald sie das 70. Lebensjahr erreicht haben, zum Sterben auf den Narayama-Berg gehen, um die Gemeinschaft zu entlasten.

Auch für die 69-jährige Orin ist es bald soweit. Zuvor möchte sie für ihren Sohn aber noch die passende Frau finden und die verbleibende Familie möglichst gut versorgt wissen.

Shichiro Fukazawa erzählt auf knapp 80 Seiten von einer rigiden Dorfgemeinschaft, in der sich jeder einzelne dem Kollektiv unterordnet. Traditionen, Regeln und Weisungen werden mit Hilfe zahlreicher Verse und Lieder, zu denen am Ende der Erzählung sogar Noten enthalten sind, wiedergegeben. Auch wenn die Erzählung dadurch authentisch wirkt, ist Orins Bergdorf doch eine komplette Erfindung des Autors. Die arachaisch-ländliche, raue und zugleich exotische Szene, die er heraufbeschwört, fasziniert jedoch ungemein. Wohl auch deshalb erhielt er für diese Erzählung, die sein Erstlingswerk ist, 1956 eine Auszeichnung.

Die Narayama-Lieder erschien in Deutschland erstmals 1964 in einer Version, die aus dem Französische übersetzt wurde. Mit dieser Ausgabe, die zudem optisch und haptisch sehr ansprechend gestaltet ist, erscheint erstmals eine direkte Übersetzung aus dem Japanischen in Deutschland.

Während die Erzählung selbst nur 79 Seiten umfasst, ist ihr ein umfangreiches Nachwort von Eduard Klopfenstein beigefügt, das sowohl die Erzählung als auch ihren zeitgeschichtlichen Kontext erläutert sowie Werk und Leben des Autors Shichiro Fukazwa zusammenfasst. In einem weiteren Nachwort erläutert der Übersetzer Thomas Eggenberg zudem seine Übersetzungsarbeit an der Erzählung sowie die sprachlichen Besonderheiten des Japanischen, die es bei der Übersetzung zu beachten galt.

Fazit
Eine faszinierend-exotische Erzählung über das Leben in einem abgelegenen Bergdorf in Japan.

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