Die Französin, die Geisha werden wollte

Die Französin, die Geisha werden wollte



Piper
288 Seiten
ISBN: 9783492058186

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Alessandro Baricco

Im Original heißt dieser Roman La petite boutique japonaise. Der deutsche Titel überschreibt die Handlung des Romans aber auch ziemlich gut: Es geht um die junge Pam, die ihrem Japan-Spleen ihr ganzes Leben widmet und versucht, eine anmutige, gelassene Geisha zu werden. Doch als ihr Freund sie verlässt, ist es vorbei mit der Gelassenheit.

Pam arbeitet in einem kleinen Japanladen in Paris. Diese Stelle verdankt sie ihrem Danna Dr. Atsura. In einem von Chinesen betriebenen japanischen Grillrestaurant hat sie ihn kennengelernt. Schon damals ist Pam von Japan begeistert, trägt Kimonos und schminkt sich wie eine Geisha. Dr. Atsura führt sie in die Liebe ein und bringt ihr alles bei, was sie über den „japanischen Geist“ wissen muss.

Schließlich sucht sich Pam aber doch einen gleichaltrigen Freund, Thad. Die beiden passen perfekt zusammen, denn Thad wandelt auf den Spuren der Samurai. Als er Pam vom einen auf den anderen Tag sitzen lässt und nach Japan geht, um den „Weg des Kriegers“ zu beschreiten, beginnt für Pam eine schwere Zeit voller Liebeskummer. Auch jetzt steht ihr Dr. Atsura wieder zur Seite und schickt sie in ein Geisha-Haus in Kyoto, in dem Pam endlich lernen soll, was es bedeutet, eine richtige Geisha zu sein.

Nicht nur der Plot ist äußert blumig, exotisch und fern von jeglichem Alltagsgeschehen – auch die Sprache ist genauso aufgeladen (alle Beispiele wurden der E-Book-Ausgabe entnommen, weshalb keine Seitenzahlen angegeben sind):

„Während sie, in ihren meerblauen Kimono gehüllt, kerzengerade auf der äußersten Stuhlkante saß, spürte Pam, wie der schwarze Regen ihres persönlichen Hiroshimas in ihr aufstieg.“

„Mit einem Wimpernschlag wurde ihr Gesucht zu einem überfluteten Reisfeld und ihr Kurtisanen-Mae-Up zu einer ekelhaft schmierigen Brühe.“

„Über die Autobahnen ihrer Arterien, die Landstraßen ihrer Adern und die Saumpfade ihrer Kapillaren erreichte der Schmerz schließlich sämtliche Organe, die edlen und lebensnotwendigen ebenso wie die kleinen, verborgenen.“

Bei Die Französin, die Geisha werden wollte, ist es deshalb sehr schwer, eine Grenze dazwischen zu ziehen, wo die Exotik aufhört und der Kitsch beginnt. Ich jedenfalls war beim Lesen hin- und hergerissen genau zwischen dieser Bewertung: Zwar ist es spanned, Pams Weg insbesondere in Kyoto mitzuverfolgen. Und durchaus ist es auch angenehm, eine Figur zu begleiten, die fernab von der Wirklichkeit in einem kleinen Japanladen in Paris arbeitet. Und doch schießt die Japanliebe einfach ein wenig über das Ziel hinaus. Pam und Thad, die Pariserin und der Bretone – die Geisha und der Samurai? Das wirkt in einigen Momenten dann doch ein wenig absurd.

Fazit

Japan-Exotismus an der Grenze zum Kitsch. Ein Wohlfühl-Buch fürs Herz.

Verfasst am 7. Juni 2020 von

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