Der Fuchs und Dr. Shimamura

Der Fuchs und Dr. Shimamura



Berenberg
144 Seiten
ISBN: 978-3937834764

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Dr. Shimamura ist Nervenarzt und damit im Japan Ende des 19. Jahrhunderts ein Vorreiter seines Faches. Deshalb wird er mit einer anspruchsvolle. Mission betraut: Er soll durchs Land reisen, um die vom Fuchsgeist besessenen Frauen zu heilen. Und obwohl Shimamura eigentlich nicht an den Fuchsgeist glaubt, wird er schließlich selbst von ihm besessen.

Beruhend auf der historisch tatsächlich existierenden Figur des Shunichi Shimamura erzählt Christine Wunnicke in Der Fuchs und Dr. Shimamura die Lebensgeschichte eines Arztes, der selbst sein bester Patient sein könnte. Dr. Shimamura ist eigentlich angetan von westlicher Medizin und auch sonst sehr pragmatisch. Die Besessenheit vom Fuchsgeist muss – das steht für ihn irgendwie fest – ein Synonym für eine andere Krankheit sein.

Der Glaube an Fuchsgeister aber ist in der japanischen Mythologie stark ausgeprägt: Insbesondere Füchsinnen treten hier als Zauberinnen und Verführerinnen auf, die Männer vom rechten Weg ablocken. Frauen mit auffälligem Verhalten müssen also vom Fuchsgeist besessen sein. Dr. Shimamura macht sich auf die Reise und kann zunächst einige Behandlungserfolge aufweisen: Er diagnostiziert Epilepsie, Hysterie und Simulation – bis er auf die schöne Kiyo trifft und mit seinem Medizinerlatein am Ende ist.

Die Psychologie und psychologische Behandlungsmethoden stecken zu Dr. Shimamuras Zeiten noch in den Kinderschuhen, sodass es weder eindeutige Behandlungsmethoden für die Austreibung des „Fuchsgeistes“ gibt noch die Erkenntnis, welches Krankheitsbild eindeutig dahintersteckt. Das Wirken des Nervenarztes, der zudem selbst nicht immer ganz stabil ist, bekommt so etwas Komisches:

„Shimamura ekelte sich nicht leicht. Er war schließlich Arzt. Gerade gestern hatte er lange besinnlich an den Hautläsionen eines Leprakranken gekratzt, nur um sich über die ewigen Fuchsweiber hinwegzutrösten.“ (21)

In all der Verwirrung, die dich Fuchsgeister im Leben des ursprünglich aufgeräumten Dr. Shimamura stiften, bleibt der Mediziner doch stets pragmatisch, wie etwa, als er das Urteil fällt, das therapeutische Gespräch wäre keine Behandlungsmethode für Japaner, da es zu lange dauert und mit japanischer Höflichkeit nicht vereinbar wäre.

Passend zur verschrobenen Figur des Dr. Shimamura ist auch die Sprache des Romans herrlich verschroben, die Sätze voller medizinischer Fachbegriffe und manchmal etwas umständlich. Die Sprache schafft Distanz, und das wiederum vermittelt fast den Eindruck, als sei Der Fuchs und Dr. Shimamura tatsächlich in einem anderen Jahrhundert verfasst worden.

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Fazit

Wenn japanische Mythologie und die moderne westliche Medizin aufeinandertreffen - humorvolles Portrait eines japanischen Arztes im 19. Jahrhundert.

Verfasst am 8. März 2015 von

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