Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

色彩を持たない多崎つくると、彼の巡礼の年
Rezension vom: 25. Januar 2014 von // Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2026

Haruki Murakamis Romanen scheint eine ganz eigene Erfolgsgarantie innezuwohnen. Zwei Jahre nach 1Q84 legt er mit die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki einen Roman vor, der schon vor seinem Erscheinen in Japan alle Bestellrekorde brach.

Dabei war die Marketingstrategie des Verlags eine ganz simple: Kündige einen neuen Roman von Haruki Murakami an, verrate nichts über den Inhalt und das Cover – er wird sich schon verkaufen.

Tsukuru Tazaki ist „farblos“: Er sticht durch nichts Besonderes hervor, interessiert sich für nichts Besonderes – außer für Bahnhöfe – und ist in seiner Clique der Einzige, der einen „farblosen“ Namen hat. Ähnlich wie schon bei 1Q84 nutzt Murakami hier wieder ein Wortspiel, das nur im Japanischen funktioniert: Ao, Kuro, Shiro und Aka – „Blau“, „Schwarz“, „Weiß“ und „Rot“ – sind Namensbestandteile der Freunde in Tsukurus Clique. Nur Tsukurus Name (つくる) weicht ab, denn er entspricht keiner Farbbezeichnung, sondern bedeutet einfach nur „machen“. Tsukuru fühlt sich deshalb als unbedeutende Randfigur. Als die vier Freunde seiner Clique ihn eines Tages ohne Erklärung ausschließen, scheint sich sein Eindruck, das fünfte Rad am Wagen zu sein, zu bestätigen.

Für Tsukuru beginnt ein zurückgezogenes Leben in Tokio, in dem immer wieder Personen mit „Farben“ im Namen seinen Weg kreuzen und dann wieder verschwinden. Nach 16 Jahren der Passivität macht er sich schließlich auf, um mit seinen alten Freunden das Gespräch zu suchen und die Vergangenheit aufzuarbeiten.

Murakami bleibt mit diesem Roman ungewohnt realistisch. Es gibt keine Parallelwelten und keine Little People, nirgendwo eine Wand, die in einen unbekannten Raum führt und keinen Brunnen, in den Tsukuru zum Nachdenken hineinklettern könnte. Allenfalls ähnlich wie bei Kafka am Strand sind die Träume der letzte Raum, in dem Realität und Imagination nicht mehr auseinanderzuhalten sind – und deshalb auch der letzte Raum, in dem noch surreale, fantastische Dinge geschehen, wenn auch keinesfalls mehr in der Intensität, die wir von Murakami aus anderen Romanen gewohnt sind.

Der Roman ist ernst und fast schon ein wenig zu erwachsen. Es gibt lange Dialoge, in denen Tsukuru mit seinen Freunden, aber am Ende nur wenig Handlung. Ein kleines Highlight ist Tsukurus Reise nach Finnland, doch am Ende bleibt das schale Gefühl zurück, dass die Hauptfrage, die der Roman stellt, auch auf wenigen Seiten hätte beantwortet werden können. So enthält auch das letzte Kapitel des Romans enttäuschenderweise keine überraschenden Wendungen, sondern fasst die Geschehnisse noch einmal zusammen. Auch wenn die Magie dieses Mal ein wenig fehlt, wohnt der wunderbare Erzählstil, den wir von Murakami gewohnt sind, auch diesem Roman inne.

Zum Weiterlesen

Fazit
Insgesamt reicht Murakamis neuester Roman nicht an seine Vorgänger heran, schön zu lesen ist er aber trotzdem.

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