Wogen

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波うつ土地
Rezension vom: 13. Februar 2012 von // Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2026

Die japanische Literatur bietet einige Eigenheiten: Besonders ruhige, handlungsarme Erzählungen wie bei Yôko Ogawa oder die scheinbar bloße Aneinanderreihung unbedeutender, alltäglicher Episoden wie bei Sôseki Natsume stellen die Geduld des Lesers auf die Probe. Auch bei diesem essayistischen Roman ist der Zugang nicht ganz einfach.

Dabei ist die Geschichte, die zu Anfang präsentiert wird, weder komplex noch umständlich erzählt. Die verheiratete Erzählerin Kyôko trifft sich mit einem ebenfalls verheirateten Mann zum Geschlechtsverkehr. Die Begegnung zwischen den beiden bleibt dabei unterkühlt. Sie reden wenig, jeder bleibt letztlich für sich allein. Diese – wenn man sie denn so nennen kann – Beziehung zieht sich über die ersten 70 Seiten hin und es scheint, als handle der Roman von der Beziehung der beiden, als ginge es hier um die Affäre.

Doch ein plötzlicher Handlungsumschwung in der bisher eher ruhigen Geschichte verändert den Fokus der Erzählung. Auf einmal beendet Kyôko die Affäre und reist ins Ausland. Ihre Freundin Kumiko stellt sie vorher den Mann vor. Kumiko fängt nun eine Affäre mit dem Mann an, freundet sich zugleich mit dessen Frau an und berichtet Kyôko aus der Ferne von ihren Erlebnissen.

Langsam wird das Muster klar: Kyôko erzählt einzelne, lose zusammenhängende Episoden, die oft dadurch verbunden sind, dass in ihnen das Verhältnis von Mann und Frau, von Rollenbildern diskutiert wird. Dabei gibt es in weder einen richtigen Anfang noch ein Ende. Beim ersten Lesen ist es deshalb sehr schwierig, das eigentliche Thema des Buches ausfindig zu machen. Die gesichtslosen Figuren und die einzelnen Episoden, in denen oft nicht mehr passiert, als dass die Figuren sich unterhalten oder Ausflüge unternehmen, trägt dabei dazu bei, Spannung aufzubauen.

Geht man an diesen Roman also mit einem Unterhaltungsanspruch, ist dieser nur schwer einzulösen. Die eigentliche Substanz bilden die Dialoge und Sätze, die sich mit den Rollenbildern und dem Verhältnis von Frauen und Männern in der Gesellschaft auseinandersetzen. Der Roman lässt sich also weniger als Roman mit einer Handlung, sondern vielmehr als Essay, der dieses Thema verhandelt, lesen.

„Ich habe einfach das Gefühl, dass die Rollenverteilung der grauen Vorzeit heute so nicht mehr passt. Auch die Rollenverteilung aus der Zeit des Reisanbaus passt nicht mehr. Meiner Meinung nach muss es ab jetzt anders sein“, hatte sie gesagt. (171)

Wenn die schwangere Kumiko ihr Kind allein zur Welt bringen und es ohne Vater aufziehen will, wenn Kyôko selbst auf Kinder verzichtet und von sich aus Affären mit Männern beginnt und wieder beendet, dann kommt hier zwar ein neues, anderes Frauenbild zum Vorschein. Wie genau die neue Rollenverteilung aussehen soll und funktionieren kann, das kann und will Tomioka aber nicht vorschreiben.

Fazit
Feministischen Literatur aus den 80er Jahren, die Rollenbilder diskutiert, ohne sich auf ein Ideal festzulegen.

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