Im Zweiten Weltkrieg erbeutete auch Japan in seinen besetzten Gebieten Gold und andere Schätze. Ein Teil dieser Kriegsbeute soll nach Japan gebracht und dort versteckt worden sein. Der Spionage-Thriller Tokyo Lily erzählt von einer rasanten Jagd nach dieser Kriegsbeute im Tokio der Nachkriegszeit.
Für das Jahr 1950 ist die junge Japanologin Mirabell eine ausgesprochen emanzipierte Frau. Als Nachfahrin österreichischer Adeliger ist sie eigentlich Amerikanerin, spricht jedoch auch fließend Deutsch und arbeitet deshalb am Ostasieninstitut in Berlin. Nachdem sie dort über den Helm eines Kriegsfürsten aus dem 16. Jahrhundert promoviert hat, erhält sie von ihrem Vorgesetzten Herrn Berger den Auftrag, den Helm in Japan gegen einen Druck eines berühmten Künstlers der Edo-Zeit einzutauschen.
Was Mirabell nicht weiß: Der Helm enthält einen Teil des Schlüssels zum Versteck der Kriegsbeute mit dem Codenamen Tokyo Lily. Als sie den Helm in Japan übergeben will, wird er ihr gestohlen. Da sie daraufhin selbst als Hauptverdächtige gilt, wird sie in eine rasante Schatzjagd verwickelt, bei der sie sich schließlich gemeinsam mit zwei Japanern auf die Suche nach der verschollenen Kriegsbeute begibt.
Meinrad Braun gelingt es, eine gewisse Nachkriegsstimmung einzufangen und ein Japan zu skizzieren, das seinen eigenen Weg noch nicht vollständig gefunden hat. Während der Roman zu Beginn vor allem durch diese sorgfältig konstruierte Szenerie überzeugt, wird die Handlung gegen Ende zunehmend unübersichtlich und wirkt auch etwas zu hastig abgeschlossen. Der Roman hätte hier meiner Ansicht nach einige zusätzliche Seiten vertragen können.
Offen blieb für mich beispielsweise die Frage, wie Mirabell, die so tief in einen Komplott verwickelt und von mächtigen Antagonisten bedroht war, letztlich so problemlos nach Hause zurückkehren konnte und warum der Verlust des Helms für sie keine weiteren Konsequenzen hatte.
In jedem Fall bietet der Roman mit seiner Geschichte eine schöne Abwechslung zu den derzeit zahlreich erscheinenden Wohlfühlromanen.






















