Oben Erde, unten Himmel

Oben Erde, unten Himmel

Rezension vom: 10. April 2023 von // Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2026

Oben Erde, unten Himmel ist bereits der dritte Roman von Milena Michiko Flasar, der im Klaus Wagenbach Verlag erscheint. Auch mit diesem Roman knüpft sie erneut an ihr bisheriges Thema an: Einsamkeit in und Isolation von der Gesellschaft.

In Ich nannte ihn Krawatte ging es um einen Jungen, der sich von der Außenwelt abschottet. In Herr Katô spielt Familie schlüpfte der gleichnamige Rentner in verschiedene Rollen und spielte auf Auftrag ein Familienmitglied für Personen, die einsam sind. Im vorliegenden Roman setzt sich Flasar schließlich mit dem Phänomen des Kodokushi auseinander.

Kodokushi bedeutet übersetzt „einsames Sterben“ oder „einsamer Tod“. Es bezeichnet den Umstand, dass vereinsamte Personen oft erst nach Wochen tot in ihrer Wohnung aufgefunden werden, da sie bisher niemand vermisst hat. Die Geschichten, die Flasar in den ersten beiden Romanen erzählt hat, erhalten so mit diesem Roman einen Anknüpfungspunkt, denn jedem isolierten oder einsamen Menschen könnte es später ähnlich ergehen.

Erzählt wird aus der Perspektive der jungen Frau Suzu, die, nachdem sich auch noch ihr Freund von ihr getrennt hat, in einer Sinnkrise steckt. Sie heuert kurz entschlossen bei Herrn Sakai an, der eine Reinigungsfirma betreibt, die sich auf Kodokushi-Fälle spezialisiert hat.

Anfangs kostet Suzu die Arbeit eine große Überwindung, mit der Zeit lernt sie aber, mit den teilweise sehr ergreifenden Lebensgeschichten umzugehen. Halt und Zuversicht findet sie zudem durch die liebenswerten, teilweise skurrilen Charaktere, die sich rund um Herrn Sakai versammeln.

Da gibt es zum Beispiel Mrs. Langfinger, die regelmäßig Gummidrops stiehlt und dafür regelmäßig eingesperrt wird. Mrs. Langfinger ist aber nicht nur Kleptomanin, sondern genießt ihre Gefängnisaufenthalte, da sie zu Hause so einsam ist.

„Oben Erde, unten Himmel“ – eigentlich sollte es genau andersherum sein. Der Titel des Romans steht für den Moment, in dem Menschen die Orientierung in ihrem Leben verlieren und sich erneut auf die Suche machen müssen. Flasar erzählt davon in gewohnt ruhigem Erzählduktus, ernst und anrührend, ohne kitschig zu wirken.

Fazit
Ein ruhiger und einfühlsamer Roman über Einsamkeit und die Neuorientierung im Leben.

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