Neue Rundschau: Japan

Neue Rundschau: Japan

Rezension vom: 23. August 2012 von // Zuletzt aktualisiert: 10. März 2026

Wo steht die japanische Literatur nach dem Tsunami und der Atomkatastrophe von Fukushima? In diesem Sammelband sind aktuelle Kurzgeschichten bekannter japanischer Schriftsteller versammelt.

Wie reagierten japanische Schriftsteller auf Erdbeben, Tsunami und Atomunfall im Jahr 2011? Spiegelt sich die Katastrophe auch in ihren aktuellen Werken wider? Die Neue Rundschau, die diesmal das Schwerpunktthema Japan hat, macht nun auch deutschen Lesern die aktuellen Gedanken japanischer Schriftsteller zugänglich. Dabei sind durchaus prominente Namen vertreten: Der Nobelpreisträger Kenzaburō Ōe, der übrigens schon seit langem ein Gegner der Atomkraft ist, kommt zu Wort. Auch Hiromi Kawakami und Natsuo Kirino steuern jeweils eine Kurzgeschichte bei.

Nicht alle Schriftsteller reagieren dabei, wie man zunächst vermuten könnte, mit direkten Worten auf die Katastrophe. Demnach sei es nicht ihre Aufgabe, den Tsunami zu beklagen oder den Störfall im Atomkraftwerk von Fukushima aufzuklären, schreibt Ryôsuke Saegusa im Vorwort (vgl. S. 12).

„Ich denke, dass sich die japanische Literatur seit dem 11. März […] nicht grundlegend verändert hat. Allerdings ist deutlich erkennbar geworden, dass sie versucht, eine Sprache zu finden, die Krisen erspürt und versucht, diesen zu entsprechen.“

Neue Rundschau, Seite 11

Und so schreibt Kenzaburō Ōe nicht über die aktuelle Lage, sondern erzählt, wie er als Kind eine Hochwasserkatastrophe erlebt hat. Ganz ohne Bezug ist diese Erzählung allerdings nicht, denn er assoziiert dieses Erlebnis mit dem Tsunami.

Hiromi Kawakami hingegen schreibt ihre Kurzgeschichte Bärengott aus dem Jahr 1993 um: Aus einem friedlichen Picknick am Fluss wird ein Spaziergang durch eine kontaminierte Landschaft. Es scheint, als habe die Literatur hier ihre Verträumtheit eingebüßt, als sei auch hier ein Leben nach dem 11. März 2011 vollkommen anders als alles zuvor.

Insgesamt ist jede Erzählung anders und mehr oder weniger konkret auf die Geschehnisse des 11. März bezogen. Die Neue Rundschau schafft so vor allem eines: ein aktuelles Panorama japanischer Literatur.

Die Neue Rundschau enthält nicht nur japanische Erzählungen, sondern auch aktuelle deutsche Texte in einem abgetrennten Teil. Die japanischen Erzählungen machen leider nur rund 170 der insgesamt 270 Seiten aus.

Fazit
Eine aktuelle Sammlung mit Beiträgen bedeutender japanischer Schriftsteller, die sich – direkt oder indirekt – mit den Ereignissen des 11. März 2011 auseinandersetzen.

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