„There is no such thing as an easy Job“ ist der englische Titel des Romans und zugleich die Variante, die dem Originaltitel この世にたやすい仕事はない am nächsten kommt. Die Ich-Erzählerin ist 36 Jahre alt und versucht nach einem Burn-Out, im Arbeitsleben langsam wieder Fuß zu fassen. Es soll ein einfacher Job sein, der sie nicht überfordert. Doch auch scheinbar einfache Tätigkeiten haben ihre Tücken.
In ihrem ersten Job muss die Erzählerin beispielsweise Menschen observieren. Ganz wie sie es sich gewünscht hat, geschieht dies in einem Büro, in dem sie den ganzen Tag vor einem Bildschirm sitzen und sich allein auf Videoaufnahmen ihrer Observierungsobjekte konzentrieren kann. Doch bald schon steigert sie sich so in ihre Beobachtungen hinein, dass sie beginnt, am Leben ihrer Observierungsobjekte teilzunehmen. Als eine Frau, die sie observiert, beispielsweise einen Prospekt mit einem Angebot für Würste durchblättert, versucht die Erzählerin kurzerhand, genau dieses Angebot im Supermarkt zu kaufen. Leider hat sie jedoch vergessen, dass die Videoaufzeichnung bereits älter ist und das Angebot nicht mehr gilt.
Als der Erzählerin eine Übernahme in die Firma angeboten wird, kündigt sie von sich aus und lässt sich in eine neue Stelle vermitteln. Dieses Mal entwirft sie Werbetexte, die in einem Bus an den jeweiligen Stationen passend zu den dortigen Geschäften durchgesagt werden. Auch eine weitere Stelle, die sie im Anschluss antritt, ist kreativ und stressfrei: Hier denkt sie sich Kurztexte aus, die die Rückseiten von Reiscracker-Verpackungen schmücken – ganz ohne Vorgaben und Zeitdruck.
Dass die Erzählerin ihre Arbeit gut macht und teilweise sogar sehr erfolgreich ist, hält sie nicht davon ab, das Unternehmen jedes Mal zu verlassen, sobald sich eine Festanstellung konkretisiert. Auch die Arbeitsvermittlerin merkt daher nicht ganz unkritisch an:
„Die Arbeit hat Ihnen also Freude gemacht, wenn ich es richtig verstehe, doch dann setzten Störgeräusche ein, Sie konnten sich ihr nicht mehr unbeschwert widmen, und damit war die gesunde Beziehung dahin“ […]. (Zitat aus Tsumura, Kikuko: Lass mich einfach hier sitzen un Yakisoba essen, E-Book-Ausgabe)
Aber auch die Ich-Erzählerin beschreibt ihre Situation mit einer gewissen Selbstironie:
„Eigentlich will ich nicht kündigen, aber ich glaube, ich muss. Wenn man nach vier Jobs in einem Jahr eines weiß, dann das: wann es Zeit ist zu gehen.“ (Zitat aus Tsumura, Kikuko: Lass mich einfach hier sitzen un Yakisoba essen, E-Book-Ausgabe)
Nicht eindeutig herauszulesen ist zunächst, ob der Roman eine Parodie auf die immer wieder diskutierte Arbeitsmoral der Gen Z sein soll. Dagegen spricht allerdings nicht nur das Alter des Romans (Veröffentlichung bereits 2015), sondern auch die Tatsache, dass die Erzählerin 36 Jahre alt ist und zuvor 14 Jahre lang als klinische Sozialarbeiterin gearbeitet hat, ehe sie ein Burn-out erlitt. Ihr geht es weder um Selbstverwirklichung noch um eine ausgewogene Work-Life-Balance, sondern darum, eine Aufgabe zu finden, die sie in ihrer aktuellen Situation bewältigen kann.
Trotz geringer Anforderungen gerät die Erzählerin immer wieder unter persönlichen Druck. Dies liegt nicht etwa daran, dass sie sich zu wenig anstrengt, sondern daran, dass sie, ehe sie es bemerkt, mit ganzer Sache dabei ist. Nicht die Arbeit ist es, die ihr das Durchhalten auf einer Stelle erschwert, sondern ein Muster, das in gewisser Weise auch in ihr selbst begründet liegt.
„There is no such thing as an easy Job“ bleibt damit nicht nur der Titel, sondern auch die zentrale Botschaft des Romans. Ob man diese Botschaft ernst oder mit Humor nimmt, hängt wohl von der eigenen Lebenssituation ab.
Der Roman wurde ebenfalls als achtteilige Serie verfilmt und lief im Abendprogramm des japanischen Fernsehsenders NHK.
Fazit
Es gibt zwar keinen einfachen Job, aber dieses Buch ist mit seinen teils sehr skurrilen Jobs sehr unterhaltsam.Verfasst am 21. Februar 2026 von Friederike Krempin


















